City Girls: 'Wir sind selbst geschockt von unserem Erfolg, dem Geld und unseren nasty Lyrics'

Yung Miami: "I dachte mir, 'Oh my God, why would I say that Shit?'"

von Clover Hope
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24 Juni 2021, 9:34am

Die Geschichte von City Girls ist ursprünglich in i-D's The New Worldwi-De Issue, Nr. 363, Sommer 2021 erschienen. Hier könnt ihr euer Exemplar bestellen.

In den letzten drei Jahren hat das Duo City Girls aus Miami die Rapszene mit ihren Vom-Tellerwäscher-zum-Milliionär-Mantras über Money, Pussies und Scamming dominiert. Die Girls wissen genau, dass die provokantesten Texte oft die erfolgreichsten sind und Lines wie "I don't work Jobs, Bitch, I am a Job" oder "Ain't no Dick like Millionaire Dick" ihre Records in Hype-Hymnen verwandeln, die sich mit den Wünschen und Bedürfnissen von Frauen auseinandersetzen. Von ihrem Mixtape Period (2018) über ihr Debütalbum Girl Code bis hin zu City On Lock aus dem Jahr 2020 haben sich Jatavia Johnson (JT) und Caresha Brownlee (Yung Miami) ein stetig wachsendes Imperium aufgebaut. Vor allem die Zusammenarbeit mit Drake (für den Remix von In My Feelings) brachte ihnen viel Anerkennung ein und verhalt den Girls zu einem Deal bei dem in Atlanta ansässigen Label Quality Control Records. Seitdem hat das Duo Hit-Singles wie “Twerk”, featuring Cardi B oder “Pussy Talk” featuring Doja Cat veröffentlicht, ihr Record “Twerkulator” ging bei TikTok viral. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere wurde JT 2018 zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe wegen Kreditkartenbetrugs verurteilt und 2020 während der Pandemie wieder aus der Haft entlassen.

Jetzt sind die Girls zurück und sprechen in unserem Interview über Strip Clubs, ihre Freundschaft und das Geldverdienen.

Wo seid ihr gerade, Miami?
JT: Miami.

Wie hat sich euer Vibe bei City On Lock im Vergleich zu euren vorherigen Projekten verändert?
JT: Es sollte eigentlich ein lustiges Mixtape werden, aber dann ist Corona passiert und auch sonst haben wir 2020 einige Tragödien erlebt – das Jahr war wirklich nicht sehr funny. Dann wurde City On Lock auch noch geleakt, also dachten wir: Das ist jetzt ein Album.

Wenn ihr für das Album ein Moodboard erstellen würdet, was würden wir darauf sehen?
JT: Bei mir würde man ein Boot, Drop-Tops, lange Nägel und jede Menge Geld sehen. Niggas with Money.

Onkel Luke hat mal über Miami gesagt: ‚Long live the almighty Dollar.’ Woher kommt diese Mentalität, dass euch Geld so wichtig ist?
JT: Durch den ganzen Struggle.

Yung Miami: Das wollte ich auch sagen, weißt du, wir kommen aus der Hood, wir mussten wirklich hustlen, um irgendwie zu überleben. Meine Mama musste sich immer durchschlagen, sie hatte keinen Job, unsere Eltern haben immer gestruggelt. 

Wann habt ihr den Wert von Geld verstanden? 
Yung Miami: Als Kind kannte ich den Wert des Geldes nicht. Aber als Erwachsene hat man Verantwortungen. Ich habe Kinder, ich muss mich mit Geld jetzt ganz anders auseinandersetzen.

JT: Shit, ich habe den Wert des Geldes früh gekannt. Wenn man in der Schule ist, will man sich die ganze Zeit irgendwas kaufen. Man will auf die Buchmesse oder ein Eis haben. Wenn man älter wird, erkennt man den Wert des Geldes, es ist ja nicht einfach nur ein Stück Papier… Ich möchte jetzt etwas Kluges sagen, aber eigentlich ist es so: Ich brauche immer Geld, haha. Geld gibt Frauen Macht. Wenn du keins hast, bist du deprimiert. Also so geht es mir jedenfalls.

Wie funktioniert ein guter Strip-Club-Song?
JT: Im Strip Club geht es um Raffinesse. Man muss jedem das Gefühl geben, dass er sein Geld ausgeben soll, als wäre er ein großer Player. Deshalb brauchst du einen heißen Beat. Dann fragst du: ‚ Where the Niggas who spend Money?’ Dann muss der Beat knallen, damit alle mit ihrem Geld werfen können.

Yung Miami: I like to shake my Ass everywhere I go. Wenn der Beat wirklich gut ist und ich dazu twerken kann, dann siehst du mich auf jeden Fall auf dem Dancefloor. Man braucht Tracks, zu denen alle sofort tanzen wollen. Man braucht einen Song, der dir das Gefühl gibt: ‚I’m that Bitch.’

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JT (links) trägt einen Mantel von Givenchy AW21. Top Frankies Bikinis. Leggings Maison AlaÏa. Necklace Shay Jewelry. Yung Miami (rechts) trägt einen Mantel und eine Leggins von Givenchy AW21. Top Skims. Kette Bylolita.

Habt ihr euch je selbst über eure Lyrics erschrocken?
Yung Miami: Bei meinem Text “Pull it out, make it drip, put it straight up in my Ass” dachte ich mir hinterher, „Oh mein Gott, warum genau sage ich so etwas?“ Es ist nämlich so, I don’t even have Sex in my Ass. Ich habe mich deshalb schon gefragt: „Girl, warum rappst du sowas dann?“

Wie wart ihr so in der High School?
Yung Miami: Ich war Cheerleaderin, das habe ich auch davor schon gemacht. Ich war das beliebteste Mädchen. Das It-Girl.

JT: Ich hatte überhaupt keine Lust auf die Schule. Ich werde jetzt nicht lügen, ich habe andauernd geschwänzt. Als ich in die High School gekommen bin, war ich schon ganz auf mich selbst gestellt. Der Ernst des Lebens begann. Ich hatte gar keine Zeit, zum Unterricht zu gehen, als bin ich auch nicht hin. Aber irgendwann bin ich doch wieder hingegangen und habe meinen Abschluss gemacht und das war's.

Wie ist euer erstes Mixtape Period entstanden?
JT: Ich und Caresha hatten einfach nur Spaß. Wir hatten am Ende ungefähr einen Monat Zeit, um das Mixtape zu produzieren, weil wir davor überhaupt nicht gearbeitet haben. Wir wurden unter Vertrag genommen und waren auch sehr aufgeregt, aber wir haben nichts gemacht. Deshalb hat P [Quality Control Co-Founder Pierre "P" Thomas] uns irgendwann ein Zeitlimit gesetzt. Ich finde, dass Album ist eine unserer besten Arbeiten geworden. Es gab aber nie Voraussetzungen, die wir zu erfüllen hatten. Es ging nicht um die Charts. Es war eher so: Du kannst machen, was du willst, sagen was du willst, du hast ja nichts zu verlieren. Wir haben das Album dann einfach veröffentlicht, in der Hoffnung, dass die Welt es sehen wird und das hat sie auch getan. Jetzt sind wir City Girls.

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JT Ganzes Outfit Hood By Air AW21. Kette Shay Jewelry. Schuhe Rene Caovilla.

Habt ihr euch schon daran gewöhnt, dass ihr jetzt so erfolgreich seid? Oder ist es manchmal etwas überwältigend?
JT: Für mich ist es ein gutes Gefühl. Ich habe früher viel gearbeitet, aber auch viele Betrügereien angestiftet. Ich habe bei Burger King, Whole Foods und im Call Center gejobbt. Das hat mir aber nie so viel Geld gebracht, wie ich gerne haben wollte, also habe ich angefangen Leute zu betrügen. So bin ich in einige Schwierigkeiten geraten und konnte eine Weile lang nicht mehr tun, was ich wollte. Kurz danach wurden wir unter Vertrag genommen. Struggling bedeutet für mich, hart für etwas zu arbeiten. Das Schöne ist, dass wir jetzt Geld damit verdienen können, einfach wir selbst zu sein und Musik zu machen. Jetzt müssen wir gar nicht mehr so hart arbeiten. 

Man wird mit seinem Musikstil schnell in eine bestimmte Schublade gesteckt. Macht ihr euch manchmal Sorgen, dass die Öffentlichkeit nur eine bestimmte Facette von euch sieht?
JT: Die Leute mögen uns aus verschiedensten Gründen. Jedes Mal, wenn ich eine Strophe schreibe, denke ich an unsere Vielseitigkeit. Ich versuche aber immer ich selbst zu bleiben oder zu überlegen, in welcher Stimmung ich gerade bin. Ich denke nicht darüber nach, was die Leute von mir hören wollen. Niemand kann mich in eine Schublade stecken. Wir haben so viel mehr zu beweisen. Ich war ja eine Zeit lang eingesperrt. Es gibt diesen Song auf City On Lock; es ist der letzte Song und es ist irgendwie auch der persönlichste. Unsere echten Fans wissen, dass wir auch solche Records haben. Darauf reden wir über echt hartes Zeug.

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Yung Miami trägt einen Mantel von Louis Vuitton AW21. BH und Shorts Fendi. Schuhe Mia Becar.

Was ist euer Geheimnis, um in diesem Business nicht seine Freundschaft zu gefährden?
JT: Wir lassen uns gegenseitig viele Freiheiten. Wir machen beide unser eigenes Ding. Dann kommen wir zusammen, um gemeinsam neue Musik zu produzieren. Aber sie nervt mich nicht und ich sie nicht…

Yung Miami: Wir schränken uns nicht ein.

JT: Yeah, ich kontrolliere nicht, wie sie rappt. Sie kontrolliert nicht, wie ich rappe. Manchmal scheitern Groups daran, weil einer denkt, er wäre der Boss. Das tun wir nicht. Wir respektieren uns gegenseitig. 

Gibt es irgendwelche Missverständnisse zwischen euch und euren Fans?
JT: Man, lemme tell you something. Schreib das ruhig ins Magazin. An dem Punkt, an dem ich jetzt angekommen bin, interessiert es mich nicht mehr, was irgendjemand denkt. Die Leute erfinden sowieso immer irgendwas. They don’t know me. They damn sure don’t know her. Deshalb ist es mir auch egal, was irgendjemand über uns denkt. Twitter und die ganze Internetwelt sind außer Kontrolle geraten. Punkt. Wenn du jemandem im Internet den kleinen Finger gibst, nimmt er die ganze Hand. Für Tweets, Kommentare und virale Momente tun Leute heute alles.

Yung Miami: Du könntest eine Million Dollar spenden, und sie würden sagen: "Du hast nur eine Million Dollar gespendet?" Du könntest der perfekteste Mensch sein und trotzdem wird irgendjemand etwas nicht an dir mögen. Am Ende des Tages ist es dein Leben. Du kannst nicht leben, um andere Menschen glücklich zu machen.

Was beschäftigt euch außer Musik noch?
JT: Wir sind It-Girls. Aus uns könnte man alles machen. Man könnte uns zu Filmstars machen oder zu Mode-Ikonen, weil wir so schöne Mädchen sind. Wir sind Trendsetter. Die Leute lieben uns. Ich sehe uns in Filmen, auf Laufstegen. Ich sehe uns auf den Titelseiten von Magazinen. Überall.

Yung Miami: Ich würde gerne schauspielern, weil ich mir oft Filme ansehe und denke: "Verdammt, ich hätte diese Rolle spielen können." Ich will als Model arbeiten und eine eigene Modelinie, eine Dessous-Linie, haben. Ich will wie Rihanna sein. Es gibt keine Grenzen.

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Credits


Photography Gray Sorrenti
Fashion director Carlos Nazario

Hair Jawara at Art Partner using Dyson and Fekkai.
Make-up Frankie Boyd at Streeters using Pat McGrath Labs.
Nail technician Tenille Daly at Moya Moya Sea Of Creations LLC using Aprés Nails Official.
Photography assistance Jared Zagha and Jose Arizmendi.
Digital technician Carlos Rojas.
Styling assistance Christine Nicholson, José Cordero, Alexa Levine, Jennifer De La Cruz and Cari Pacheco.
Tailor Thao Huynh.
Hair assistance Matt Benns and Terrie Comrie.
Make-up assistance Meghan Yarde.
Production JC Brillembourg.
On set producer Lissandra Giangrandi.
Production assistance Andres Montbrum.
Casting director Samuel Ellis Scheinman for DMCASTING.

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Music
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