Class of 2018: Lyra Pramuk, Musikerin und Performerin

"Wir sind alle viel zu viel vom Zuspruch anderer abhängig, um uns gut zu fühlen. Ich will mehr für mich behalten."

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Dez. 12 2017, 11:21am

Wir präsentieren dir unsere Class of 2018: 17 junge Kreative, die Deutschland ihr Zuhause nennen und von denen du in der Zukunft noch viel hören wirst. Alle Beiträge findest du hier.

"Was seit unserem letzten Treffen passiert ist? Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll", sagt Lyra Pramuk und lacht. Zuletzt haben wir sie Anfang des Jahres getroffen und mit der Musikerin für unsere Videoreihe "BEYOND CLUBBING" über die Magie des Berliner Nachtlebens gesprochen. "Clubkultur ist die Kultur, aus der ich komme, aber das zeigt sich nicht mehr unbedingt in meiner Arbeit. Sozial, persönlich und musikalisch musste ich hier experimentieren. Ich bin immer noch gerne in diesen Räumen unterwegs, aber ich weiß nun auch, dass das nicht nachhaltig ist." Der Magie ihrer Auftritte hat das aber nichts genommen. Lyras Performances sind eine Mischung aus Gesang, gesprochenem Wort, Visuals und starken Beats. Wie eine Gestalt aus einer anderen Welt schwebt sie über die Bühne, fährt mit ihrer Stimme ganz tief in einen hinein und lässt einen mit einem Glücksgefühl zurück, das nicht zu beschreiben ist. Inspiriert wird sie dabei von den Großen der Performance-Welt wie Björk, Diamanda Galas und Meredith Monk oder Choreographen wie Martha Graham.

Lyra ist in einer Kleinstadt in Pennsylvania aufgewachsen. Bevor sie nach Deutschland kam, fühlte sie sich fremd im eigenen Körper. Nach einigen Jahren, in denen sie als offen schwuler Mann gelebt hat, begann sie in Berlin ihre Angleichung. "Ich bin viel entspannter geworden. Ich hatte Anfang des Jahres noch das Gefühl, dass ich mich der oberflächlichen Idee hingeben muss, was Leute von mir wollen. Jetzt fühle ich mich weiblicher und das hat nichts mit meinem Aussehen zu tun – es geht nur darum, wie ich mich in meinem Körper fühle. Ich bin mit meiner femininen Identität mehr im Einklang", beschreibt sie den Prozess, den sich in den vergangenen Monaten durchlaufen hat.


Auf auf i-D: Anfang des Jahres haben wir mit Lyra über die Freiheiten des Berliner Nachtlebens gesprochen


Für die Zukunft wünscht sich die Amerikanerin vor allem eines: Sie wolle keine Dinge mehr veröffentlichen, um Anerkennung zu bekommen. Releases sollten für sie ein Nebenprodukt sein, von Dingen, die sie für sich selbst gemacht habe. "Wir sind alle viel zu viel vom Zuspruch anderer abhängig, um uns gut zu fühlen. Ich will mehr für mich behalten."

@lyra

Credits


Fotos: Caroline Mackintosh
Styling: Rachael Rodgers
Creative Direction und Produktion: Alexandra Bondi de Antoni
Make-up: Jana Kalgajeva
Haare: Susanna Jonas
Stylingassistenz: Keva Legault
Fotoassistenz: Benny Heinrich
Produktionsassistenz: Juule Kay

Lyra trägt einen Mantel von Kwaidan Editions (via The Store). T-Shirt: John Lawrence Sullivan (via The Store). Rock: Le Kilt (via The Store). Socken: Model’s Own. Schuhe: Gucci