Ein Plus-Size-Model rechnet mit der Beauty-Branche ab

Body-positive-Aktivistin Molly Constable schreibt für uns über den Druck, perfekt zu sein.

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Dez. 8 2017, 10:55am

Molly Constable ist in New York geboren und aufgewachsen und hat sich in nur wenigen Jahren einen Namen in der Modeindustrie gemacht, seit sie 2012 auf Instagram entdeckt wurde. Für ihr erstes Editorial wurde sie von keinem Geringeren als Tom Ford fotografiert. Seitdem hat sie mit einigen der größten Fotografen der Branche zusammengearbeitet. Molly ist eine Body-positive-Aktivistin und hat in all den Jahren immer wieder über die Diskriminierung gesprochen, der sie ausgesetzt war. Besonders von Make-up-Artists, die sich in Vergangenheit abfällig über ihre Dehnungsstreifen geäußert haben. Das ist ihre persönliche und starke Message über Schönheit:

"Mit 14 habe ich angefangen, Make-up zu tragen. Ich wusste nicht, wie man Lidschatten richtig aufträgt, wollte ihn aber unbedingt tragen. Also habe meine Mutter angebettelt, dass sie mir eine Lidschatten-Palette kauft und habe so viel wie möglich davon aufgetragen. Ich habe es so gemischt, dass ein Auge sehr dunkel war, während das andere Auge ungeschminkt blieb. Als mir irgendwann klar wurde, dass ich es nicht richtig verwende, habe ich mich genauso unsicher gefühlt wie kein Make-up zu tragen.


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Als Kind haben mir meine Mutter und meine Oma immer gesagt, wie schön ich bin, auch wenn ich in den Wald gelaufen bin und im Dreck gespielt habe. Sich schön fühlen, war nicht so wichtig, wie Kind zu sein. In meiner Jugend habe ich begriffen, dass mich andere nicht als schön empfinden. Die Leute dachten, dass ich schräg aussehe. Damals habe ich es noch nicht so empfunden, aber darin liegt die Kraft der Wörter: Sie lassen dich Dinge sehen, die nicht da sind.

In meiner Jugend habe ich mir immer Sorgen darum gemacht, dass ich nicht kreativ oder schlau genug bin. Ich war nicht sehr selbstbewusst. Dazu kam, dass ich viel schneller zu einer Frau wurde als die anderen Mädchen auf meiner Schule. Es hat die anderen nicht interessiert, dass ich die lustigste und lauteste Person war. Es zählte nur, ob du das perfekte Lächeln, den perfekten Körper und blonde Haare hattest. Ich habe mich nie so schön gefühlt wie meine Freundinnen.

Eine lange Zeit hatte ich eine sehr ungesunde Beziehung zu mir selbst. Je älter ich wurde, desto mehr habe ich mich mit Leuten umgeben, bei denen ich mich gut fühle. Sie haben mich ermutigt, mich selbst zu lieben. Natürlich fällt es manchmal schwer, sich selbst darin zu erinnern, wie klug und toll man ist. Aber ich habe gelernt, mich selbst zu lieben. Je mehr du zu dir selbst stehst, desto mehr wird es dir dabei helfen, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.

Ich habe viel über Schönheit in der Industrie gelernt. Anfangs habe ich nicht verstanden, warum ich im ganzen Gesicht Make-up und falsche Wimpern tragen musste, die so schwer waren, dass ich am Set kaum die Augen aufbekam. Ich wusste nichts über diese Welt. Ich dachte, dass die Frauen in den Magazinen immer so strahlend und glänzend sind. Wie sich herausstellte, sind sie das nicht. Da habe ich realisiert, dass Schönheit nicht durch Looks entsteht, sondern von innen kommt.

Auch wenn ich seitdem viel gelernt habe und gewachsen bin, fühle ich mich immer noch jeden Tag unsicher. Diese Industrie ist sehr oberflächlich und der Druck nach Perfektion sorgt ständig für neue Unsicherheiten. Heute fühle ich mich am schönsten, wenn ich nicht in den Spiegel schaue und zu 100 Prozent bei mir selbst bin und mir nicht vorstelle, wie ich aussehen würde, wenn ich dünner wäre. Das macht jede durch. Das Wichtigste ist, dass du keine Angst vor dir selbst hast. Ob du dünn wie ein Streichholz bist oder eine ballonartige Figur hast: Du bist verdammt nochmal schön. Vielleicht fühlst dich das nach außen hin nicht immer, aber du bist es von innen.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir uns in der Industrie gegenseitig mehr unterstützen und für neue Vorstellungen von Schönheit sorgen. Jeder Mensch verdient es, dass er sich geliebt und schön fühlt. Und als Model sehe ich es als Pflicht der Industrie an, die Botschaft zu verbreiten, dass es nicht immer das Äußere ist, das uns schön macht.

Molly Constable steht bei MiLK Mangament unter Vertrag. Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.