Collage über i-D UK 

Diese Filme solltest du niemals mit deinen Eltern schauen

Wir wiederholen: niemals. Vor allem nicht, wenn ihr ein besinnliches Weihnachten verbringen wollt

von Philippa Snow
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14 Dezember 2018, 3:17pm

Collage über i-D UK 

Ich gebe es zu: Ich bin ein grimmiger, prätentiöser, null festlicher Arsch. Sorry, Kevin und Harry, ich verzichte auf eure x-te Wiederholung im Fernsehen. Als ich passenderweise nach Filmen gefragt wurde, die du AUF GAR KEINEN FALL mit deinen Eltern schauen solltest, erschien eine Liste vor meinem inneren Auge, die sich sehen lassen kann. Darauf tümmelten sich Inzest-Streifen, Porno-Tollereien und allerlei perverse Szenen – doch wie sollte ich mich bei dieser gigantischen Auswahl an nicht-elterntauglichen Filmen jemals entscheiden?

Falls einige Filme recht offensichtlich erscheinen, verzeiht es mir, aber wie hätte ich sie nicht auserkoren können? Ein riesiger falscher Penis! Eine Weihnachtsorgie! Mutter-Sohn-Sex! Diese fünf Filme sind die Peinlichkeit in ihrer reinsten Form. Danach werdet ihr euren Eltern nie wieder in die Augen sehen können – was zu Weihnachten vielleicht ganz praktisch ist, dann gibt's statt Small Talk endlich mal wieder besinnliches Schweigen.

Eyes Wide Shut
Nicole Kidman, die in Eyes Wide Shut Alice Hartford spielt, hatte die Ehre diese glorreiche Zeile zu flüstern: "I do love you and you know there is something very important we need to do as soon as possible – fuck." Doch die Person, an die diese Worte gerichtet sind, ist nicht nur ihr Leinwand-Ehemann, sondern ihr echter (Ex-)Ehemann, Tom Cruise! Und obwohl die Kamera ihn von hinten filmt und wir seine Reaktion nicht sehen können, lassen die folgenden 150 Minuten darauf schließen, dass es nicht unbedingt das verlockendste Angebot für ihn war.

Ich verstehe aber komplett, weswegen man sich Kubricks letzten Film ansehen möchte. Eine klassische Geschichte à la "Boy meets Girl": Girl erzählt Boy, dass sie Fantasien von anderen Boys hat. Boy dreht durch, inszeniert eine psychosexuelle Odyssee und geht anschließend zu einer Orgie. Das Ganze findet zur Weihnachtszeit statt, somit könnte man ihn theoretisch als einen Weihnachtsfilm klassifizieren, oder? Vielleicht lasst ihr es aber lieber ... Es wäre logisch anzunehmen, dass die Orgie der größte Eltern-Aufreger sein könnte, doch weit gefehlt – eigentlich ist die mangelnde Chemie zwischen den tatsächlich verheirateten Eheleuten nämlich schlimmer.

"Die Beziehung zwischen Kidman und Cruise", so berichtete The Globe and Mail 2014, "war so heiß und aufregend wie eine Bingo-Meisterschaft." Eyes Wide Shut kam im Juli 1999 raus, Kubrick starb im März desselben Jahres und im August 2001 waren Kidman und Cruise geschieden. Glaube mir oder nicht, ich mag Eyes Wide Shut, aber der Film ist verflucht. Er zeigt einen Tod, den Tod einer Ehe. Schaue ihn auf keinen Fall mit deinen Eltern – außer du willst, dass sie sich scheiden lassen.

Ma Mère
Einen Film auszuwählen, indem die geniale Schauspielerin Isabelle Huppert mitspielt, war eine unmögliche Aufgabe – said no one ever. Zuerst dachte ich an Elle, der tief-schwarze Erotik-Thriller von Paul Verhoeven, in dem Hupperts Rolle eine einvernehmliche sexuelle Beziehung mit ihrem Serien-Vergewaltiger eingeht. Oder The Piano Teacher von Michael Haneke, in dem ziemlich einprägsame Szene gezeigt werden. Die erste: Huppert schneidet sich mit einem Rasierer in die Genitalien. Die zweite: Huppert geht in die Hocke und pinkelt für den sexuellen Kick neben ein parkendes Auto. Letztendlich habe ich mich aber für Ma Mère entschieden. Aus dem einfachen Grund, dass ich mir nichts Unangenehmeres vorstellen konnte, als mit deinen Eltern einen très français, très graphique Inzestfilm anzuschauen. Bien sûr basiert der Film auf dem gleichnamigen Roman des verstorbenen George Bataille und der Wikipedia-Eintrag enthält diese unvergängliche Zeile: "Hélène asks her son to cut her abdomen with a razor while he masturbates, and as he climaxes she slits her own throat."

Boogie Nights
Marky Mark hat in vielen fragwürdigen Filmen mitgespielt, aber der dümmste ist wohl The Happening – darin kämpft er nämlich gegen Bäume. Meiner Meinung nach (er sieht's wahrscheinlich anders) ist Paul Thomas' Porno-Epos Boogie Nights definitiv der beste Film. Nicht unbedingt zu empfehlen für die ganze Familie, weil, nunja, es ist eben ein Porno. Und vielleicht auch, weil er die krasseste Fake-Dingdong-Szene der Kino-Historie beinhaltet. "Während des Drehs dachte ich permanent, dass es genauso ist, wie die Dinos in Jurassic Park, den Hai in Jaws oder zum ersten Mal E.T. zu sehen. Es ist eine Offenbarung", sagte Anderson über die legendäre Szene, in der Wahlberg alias Dirk Diggler endlich alles offenlegt ... Menschenfressende Haie und kleine Aliens sind eine Sache, von Menschenhand gefertigte Dicks wiederum eine ganz andere.

Nymphomaniac Teil I und II
Mal ganz abgesehen vom Inhalt hat Lars von Triers Nymphomaniac so oder so recht geringe Chancen, als neuer Lieblings-Weihnachtsfilm auserkoren zu werden. Und das aus einem ganz simplen Grund: Er ist einfach viel zu lang. Im Director's Cut dauern die beiden Teile zusammen ungefähr sieben Stunden. Das meiste Material ist überraschend ruhig und philosophisch, obwohl es dort eine Szene gibt, in der Zuhause eine Abtreibung vollzogen wird und ich wegen all des Bluts kaum hinsehen konnte. Nymphomaniac ist die Geschichte einer Frau, die stolz ihre Sex-Abhängigkeit lebt. Mit Stacey Martin und einer großartigen Charlotte Gainsbourg in den Hauptrollen dürfte es wohl der expliziteste Film sein, in denen Weltstars mitspielen. Porno-Darsteller bekamen ein elektronisches Body-Mapping verpasst, damit es so aussieht, als würden die Hauptrollen tatsächlich Sex haben. Bewusst un-heiß inszeniert, ist es ein wahrer Ausdauertest. Sogar die aufgeschlossensten Familienmitglieder werden es bevorzugen, Nymphomaniac alleine zu schauen. Natürlich würde ich es niemals wagen, zu behaupten, deine Oma würde den Film nicht mögen – vielleicht findet sie ihn ganz großartig. Er passt nur leider nicht optimal zur Weihnachtsmesse.

Visitor Q
Auch wenn sie mit 60 theoretisch alt genug wäre, Oma zu sein, muss ich gestehen, dass es meine eigene Mutter war, die mir schon zu Teenie-Zeiten Audition von Takashi Miike gezeigt hatte (deswegen bin ich auch ganz normal geworden). Und obwohl meine Familie bei Weitem nicht so ist wie jedermanns Familie, war dieser Film sogar für uns zu viel des Guten. Vielleicht solltet ihr euch diesen Streifen also lieber ersparen. Jedenfalls beginnt er damit, dass die Zuschauer gefragt werden, ob sie jemals Sex mit ihrem Vater hatten. Ein Mann "erwirbt" Sex mit seiner Tochter, die als Prostituierte arbeitet. Eine Frau stillt ihren Lover. Der Geschlechtsverkehr mit einer toten Frau wird unterbrochen von einer unerwarteten Darmbewegung. Wenn das nicht der groteskeste Film ist, den ich je gesehen habe, dann kursiert er definitiv auf den ersten fünf Rängen. Auch wenn ich ihn irgendwie mag, würde ich ihn nicht unbedingt empfehlen – Fäkalhumor passt irgendwie nicht so zum Geburtstag von Jesus. Vor allem dürfte Muttis leckerer Schokopudding danach ein eher traumatisierendes Erlebnis werden.

Dieser Artikel stamm von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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