Object Blue

Diese Produzentinnen verändern gerade die elektronische Musikszene

Coucou Chloe, Laurel Halo und Object Blue sind die Namen, von denen du in nächster Zeit noch viel hören wirst.

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Juli 20 2018, 11:44am

Object Blue

Es passiert etwas in der elektronischen Musik: Sie wird experimenteller und Genre verschwimmen. Und das ales dank Object Blue, Coucou Chloe und Laurel Halo, die aus Peking, Antibes und Michigan kommen und alle zwischen London und Berlin leben. Diese Frauen sind alle Teil einer neuen DJ-Generation, die die konventionelle Clubmusik verändert. Im Interview haben uns die drei verraten, wie sie die Zukunft der Musikindustrie sehen und was sie über reine Frauen-Line-ups halten.


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Coucou Chloe
Die Französin macht erst seit ein paar Jahren Musik, hat es aber bereits geschafft, den Soundtrack für die Fenty-Show zu kreieren. 2017 veröffentlichte sie ihre Debüt-EP Erika Jane (ihr richtiger Name) auf dem Londoner Label und Kollektiv NUXXE, auf dem auch Sega Bodega, Shygirl und Oklou sind. Hier trifft Industrial-Electronic auf Rap – und wir hören weinende Kinder. Mit einem Wort: großartig.

Coucou Chloe

Deine früheste musikalische Erinnerung? Der Sound der Playstation, wenn du sie anmachst und die Soundtracks von Pandemonium, Crash Bandicoot, Croc und Bloody Roar. Wo bist du aufgewachsen und wie hat es deine Beziehung zur Musik beeinflusst? Ich bin in Südfrankreich aufgewachsen und habe viel Zeit zu Hause mit meinem Bruder verbracht. Die meiste Zeit haben wir Videospiele gespielt und Musik gehört. Durch die Musik konnte ich mir eine eigene Welt erschaffen und habe wirklich alle Songs gelebt, die ich gehört habe. Welche Art von Musik machst du? Ich habe je nach Stimmung zwei Antworten: "Von HipHop und Trap inspirierte Clubmusik" oder "Hör es dir einfach an". Welchen Rat würdest du jemandem geben, der in deine Fußstapfen treten möchte? Mach, was du willst und hinterfrage nicht alles. Was denkst du über reine Frauen-Line-ups? Ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn mit "Girl Power" geworben wird. Es ist natürlich sehr wichtig, Frauen Sichtbarkeit zu geben, aber ich denke nicht, dass reine Frauen-Line-ups der richtige Weg dafür sind. Das fühlt sich für mich nicht natürlich an. Ich möchte Frauen und Männer zusammen im Line-up sehen, damit jeder sehen kann, was für tolle Arbeit wir alle machen. D ein Sommer-Track? Hier sind gleich fünf: D.I.M & TAI – Lyposuct, Smokepurpp (feat. Lil Pump) – Broke My Wrist, Zola – Bernard Tapie, Mc Buseta – Growing up und A$AP Rocky – Purity (feat. Frank Ocean).

@coucouchloe

Laurel Halo
Die in Berlin lebende Musikproduzentin hat bereits drei experimentelle Alben bei Hyperdub herausgebracht und tourt gerade durch die Welt. Ihre neue EP Raw Silk Uncut Wood – eine minimalistische instrumentale Odyssee – hat sie erst vor Kurzem veröffentlicht. Eine Platte, die sich ideal für die Momente nach dem Tanzen und auf Reisen eignet.

Laurel Halo

Deine früheste musikalische Erinnerung? Phantom der Oper. Wo bist du aufgewachsen und wie hat es deine Beziehung zur Musik beeinflusst? Ich wurde in der Gegend von Detroit geboren und bin später nach Ann Arbor gezogen – beide Städte sind für ihren Einfluss auf die elektronische Musik bekannt. Welche Art von Musik machst du? Experimentell. Auch wenn ich am Flughafen beim Sicherheits-Check manchmal Techno sage, weil es einfacher ist. Welchen Rat würdest du jemandem geben, der in deine Fußstapfen treten möchte? Mach' dir keine Sorgen um das Impostor-Syndrom. Was denkst du über reine Frauen-Line-ups? Ich habe Essays zu diesem Thema geschrieben. Was stimmt dich hoffnungsvoll für die Zukunft der Musikindustrie? Gute Musik wird es auch dann noch geben, wenn Melodien auf Streaming-Diensten bei Sekunde 00:00 anfangen müssen. D ein Sommer-Track? Yung Hurn, Fühlen.

@yanny_official_

Object Blue
Object Blue hat einen wirklich guten Musikgeschmack. Auf ihrer Debüt-EP Do You Plan to End a Siege, die sie "allen Frauen auf dem Dancefloor" gewidmet hat, mixt die in Peking geborene und in London lebende Techno-Feministin Klänge von Joan of Arc mit Cardi B und den Soundtrack aus dem Film Tiger and Dragon.

Object Blue trägt Custom Dimitra Petra

Deine früheste musikalische Erinnerung? Ein Klavierstück in A-Moll, das meine Schwester gelernt hat. Wo bist du aufgewachsen und wie hat es deine Beziehung zur Musik beeinflusst? Ich bin in einem Vorort von Peking in den 2000ern aufgewachsen. Da gab es weder eine Techno-Community noch eine einfache Möglichkeit, Musik zu entdecken. Jedes Jahr, wenn ich meine Oma in Tokio besucht habe, habe ich mindestens ein Dutzend CDs bei Tower Records gekauft. Aber Pekings Sinfonie der Baukräne hat meine Musik definitiv positiv beeinflusst. Welche Art von Musik machst du? Experimental und Techno. Welchen Rat würdest du jemandem geben, der in deine Fußstapfen treten möchte? Vertraue deinem Geschmack. Was denkst du über reine Frauen-Line-ups? Die sind solange nötig, bis wir das Konzept gar nicht mehr hinterfragen müssen. Was stimmt dich hoffnungsvoll für die Zukunft der Musikindustrie? Durch die Technologie wurde Musik für alle zugänglicher. D ein Sommer-Track? Patrice Rushen – Haven't You heard?.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.