Das Vermächtnis von Prinzessin Dianas “Fuck You”-Fashion

Zum 20. Todestag von Prinzessin Diana werden all die schon längst vergessenen Verschwörungstheorien werden wieder aufgerollt. Eines ihrer wichtigsten Vermächtnisse dürfen wir aber nicht vergessen: ihren einzigartigen Stil.

von Anne T. Donahue
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04 August 2017, 10:15am

Dieser Artikel erschien zuerst auf i-D UK.

Dianas Mode-Vermächtnis ist viel komplexer als das, womit sich die Medien in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder beschäftigt haben. Klar, der Stil der Prinzessin von Wales hat sich über die Jahre entwickelt. Und ja, sie konnte sicherlich Jeans tragen. Verständlicherweise werden ihre Teile heute auf Auktionen für Hunderttausende Pfund versteigert. Doch nichts davon ist wirklich neu, und keine dieser Tatsachen überrascht uns. Diana hatte ein einmaliges Stilgefühl, das auch der Grund dafür ist, dass viele ihrer Outfits die machtvolle Botschaft vermitteln, die heute von Stars wie Rihanna, Kim Kardashian oder Beyoncé gelebt und gefeiert wird: Fuck you.


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Die frühen Outfits von Diana überhaupt in Betracht zu ziehen, ist Quatsch. Bei ihrer Verlobung mit Prinz Charles war sie gerade mal 19 Jahre alt und somit eine elegante Jugendliche, die sich dementsprechend gekleidet hat. Ihre Garderobe bestand damals aus weit geschnittenen Blusen, Pullovern und einem Rock, der als anstößig empfunden wurde, weil durch den dünnen Stoff die Silhouette ihrer Beine zu sehen war, wenn die Sonne hindurchschien. Wir haben Diana Spencer kennengelernt, als sie im Grunde noch ein Kind war. Sie wurde zur perfekten Ehefrau erzogen und war naiv genug, zu denken, dass der Shitstorm, in den sie geraten war, sich legen würde, sobald sie in einem Kleid von Elizabeth Emanuel ihr Eheversprechen geben würde. Sie musste erst lernen, sich zu widersetzen.

Manche von uns sind mit 19 in Tanktops und Nietengürtel in den Club gegangen. Noch ein Beweis dafür, dass nichts, was wir vor unserem 20. Lebensjahr getragen haben, auf unser Erwachsenenleben bezogen werden sollte.

Bei Diana lief es aber anders. Kurz nach ihrer Hochzeit brachte sie bereits zwei Kinder zur Welt, musste nach den Konventionen des Königshauses leben und begann erst Mitte der 1980er Jahre, Mode für sich zu entdecken und damit ihre eigene Geschichte zu erzählen. Statt einer prüden Nanny im sittsamen Blümchenkleid war sie nun eine erwachsene, selbstbewusste Frau, die im Weißen Haus in einer Victor-Edelstein-Robe beeindruckte. Statt Petticoats zu tragen, wurde sie zur ersten Frau aus der Königsfamilie, die zu einer Abendveranstaltung Hosen getragen hat, und wurde auch in Chokern und bunten Satinhandschuhen gesehen. Sie war nicht länger Charles' Plus One, sie hat ihn in den Schatten gestellt und durch ihre Kleiderwahl immer mehr Macht an sich gerissen.

Vor allem aber hat sie Mutterschaft und Stilbewusstsein gekonnt miteinander kombiniert. Sie hat nicht nur in der Öffentlichkeit ganz unbefangen ihre tiefe Zuneigung für Harry und William gezeigt (ein Novum für den Windsor-Clan), sondern auch die Steifheit der gängigen königlichen Ästhetik mit knöchellangen, weiten Röcken und Pullis aufgelockert. In lässigen Jeans wurde sie zur Antithese des extrem altbackenen Charles, der im Vergleich zu Diana verkrampft und altmodisch wirkte. (Und wir wussten auch damals schon, dass er nie auch nur einen Fuß in eine Wildwasserbahn setzen würde.)

Am selben Tag, an dem Charles öffentlich seine langjährige Affäre mit Camilla Parker-Bowles gestanden hat, erschien Diana in der Serpentine Gallery in dem sogenannten "Rachekleid", einem kleinen Schwarzen von Christina Stambolian.

Je mehr sich Charles und Diana auseinander lebten, desto mehr Raum nahm sie sich, um mittels ihrer Mode "Fuck you" zu schreien. Am selben Tag, an dem Charles öffentlich seine langjährige Affäre mit Camilla Parker-Bowles gestanden hat, erschien Diana in der Serpentine Gallery in dem sogenannten "Rachekleid", einem kleinen Schwarzen von Christina Stambolian, das als etwas "zu freizügig" erachtet wurde. Und am Abend der Ausstrahlung ihres berüchtigten Interviews mit Martin Bashir im Jahr 1995 zeigte sie sich auf einer öffentlichen Veranstaltung erneut in einem atemberaubenden, sexy, schwarzen und tief ausgeschnittenen Kleid - dieses Mal vom Designer Jacques Azagury." Mitglieder des Königshauses durften nur Schwarz tragen, wenn sie in Trauer sind", erklärte Azagury. "Es war also ihre Art, zu zeigen, dass sie befreit war."

In den Jahren nach der Scheidung zeigte sie sich im sportlichen Stil der 90er-Jahre, baute eine enge Freundschaft mit Versace auf und ließ ihre Mode zu einer Plattform werden, auf der sie definierte, wer sie war und wie sie von uns gesehen werden wollte.

Als Diana im August 1997 verstarb, hatte sie die Kunst des idealen Outfits perfektioniert. Jedes Teil sollte sich in ein größeres Bild einfügen und ihr dabei helfen, einen Mythos zu erschaffen, mit dem sie die Monarchie in den Schatten stellen würde. Und sie hatte Erfolg damit. Noch heute wird ihr Stilbewusstsein gelobt, ihre Mode kopiert und ihre Fehltritte diskutiert. Was wir dabei aber nie vergessen dürfen, ist die Botschaft, die sie mit ihrer Kleiderwahl gesendet hat: "Fuck you." Die Tatsache, dass Diana es über die Mode gesagt hat, ist ein Grund mehr, sie zu feiern. 

Do It Yourself Issue, no. 5, 1981

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Foto: via Imago

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