Will Samson hat ein Album aus Kassetten-Aufnahmen gemacht – und es ist großartig

Der Musiker erzählt uns die Geschichten hinter den Songs auf seinem neuen Album "Welcome Oxygen".

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Okt. 13 2017, 1:55pm

via PR

Es wird Herbst vor dem Fenster und was gibt es da Besseres als melancholische Musik, die uns durch die immer kürzer werdenden Tage begleitet. Ein Album, das wir dir dafür ganz besonders ans Herz legen wollen, ist Welcome Oxygen von Will Samson. Der in Brüssel lebende Musiker hat dafür Gitarre, Geige und seine Stimme auf Kassetten aufgenommen und schafft so den perfekten rauen und gefühlvollen Soundtrack, um den Blättern beim Farbwechsel zuzuschauen. Wir haben ihn gebeten, uns mehr über die Entstehung der Songs zu erzählen.


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OLD ROOTS (DAY ONE)
"Der Beginn der intensiven sieben Tage, die ein vollendetes Album hervorbrachte. Ich war gerade in der leeren Wohnung meines Freundes in Lissabon angekommen und wusste, dass ich in weniger als zwei Wochen das Land verlassen würde. Es waren wilde, stürmische Monate gewesen und es war mir immer noch ein wenig schwindelig. Ich setzte mich beim Frühstück mit meiner Nylonsaitengitarre nieder und begann an einer Songidee zu arbeiten, die in meinem Kopf herumschwebte. Es war eine wunderschöne Wohnung in einer ruhigen Gegend der Stadt mit einer leichten Brise vom Fluss her, die half, die sommerliche Hitze zu überstehen. Zu meinem Erstaunen war das Lied am frühen Nachmittag fertig! Ich dachte mir 'Nun, jetzt kann ich es auch noch aufnehmen'. Irgendwie ging das in den folgenden Tagen so weiter ... Es ist im Grunde ein Lied über eine totale und vollständige Liebe, selbst mit all ihren Fehlern und Macken."

SHIMMER (DAY TWO)
"Ich habe nicht das Gefühl, dass es viel zu sagen gibt über dieses Lied, die Lyrics erklären alles …Ich war so glücklich, als Beatrijs de Klerck (eine sehr talentierte Violinistin, mit der ich oft arbeite) mir ihr Arrangement für die Streichinstrumente zuschickte. Das Lied wurde plötzlich lebendig!"

O MEDO (DAY THREE)
"O Medo bedeutet die Angst. Es ist im Wesentlichen ein Lied darüber, dass ich in meinem Leben keine Entscheidungen treffen will, die auf Furcht beruhen und darauf hoffe, dass andere dasselbe tun. 'It's ok to ask for help. The weakest thing is to push it down inside'. In dieser Eröffnungszeile geht es auch darum, meine eigene Unfähigkeit zu verstehen und zuzulassen, gewisse Schwierigkeiten auf Grund eines Traumas auszudrücken – was besonders für Männer oft beängstigend ist. Wenn die Gesellschaft dich mit Phrasen wie 'Weine nicht - sei ein Mann' aufwachsen lässt, führt dies zwangsläufig zu großen inneren Blockaden, die sich auf verschiedenen ungesunden Wegen manifestieren. Als die Aufnahme fertig war, schien immer noch etwas zu fehlen. Damals spielte ich in Bordeaux mit François & The Atlas Mountains. Ich war wirklich begeistert von François' Gitarrenspiel und seinem wunderschönen Song 'Otages'. Dies gab mir die Idee, eine etwas subtile E-Gitarre hinzuzufügen und plötzlich war das Lied fertig!"

FORESTRY (DAY FOUR)
"An diesem Punkt begann ich mich zu fragen, was los war und wie in aller Welt ich in drei Tagen drei neue Songs geschrieben und aufgenommen hatte. Die Songs flossen so natürlich aus mir heraus und ich wollte nicht aufhören. Ich hatte vor Kurzem angefangen, Nick Drake zu hören und spielte mit einigen der seltsamen Gitarrenstimmungen, die er nutzt. Dies wurde zum Ausgangspunkt für 'FORESTRY'. Beim diesem Song ging es darum, die positiven Erfahrungen aus etwas zu ziehen, was letztlich zu viel Herzschmerz führte."

WELCOME OXYGEN (DAY FIVE)
"Es ist seltsam für mich, dass dieses Lied die Single für das Album wurde, da ich deswegen anfangs am unsichersten war. Ich wollte den Track sehr organisch und so minimalistisch wie möglich zu halten. Er fängt mit nur einer Gitarrennote an und geht in einen Acapella-Gesang über. Ich fühlte mich damit sehr exponiert, aber ich wollte doch auch aus meiner Komfortzone heraus. Ich bin ein großer Fan des jungen amerikanischen Dichters Anis Mojgani. Seine Fähigkeit, Bilder mit Worten zu malen, inspirierte den Songtexte."

FIND A LITTLE LIGHT (DAY SIX)

"Das ist mein Lieblingslied auf dem Album. Einfach weil die Trompete mit der Violine so schön verschmilzt – dank der talentierten Violinistin Beatrijs De Klerck und den Trompeten-Arrangements von Brad Lee (The Album Leaf). Es ist schwierig, die persönliche Bedeutung dieses Songs genau zu artikulieren, aber wenn du ein Exemplar des Albums hast, dann kannst du die Texte lesen und zu deiner eigenen Schlussfolgerung kommen."

HOLY HOLLOW (DAY SEVEN)
"Es war inmitten des glühenden portugiesischen Sommers und dieser Tag war besonders brutal. Ich musste wegen des Straßenlärms die Fenster geschlossen halten und konnte keinen Ventilator anmachen. Schweiß strömte über mein Gesicht, während ich aufnahm, daher auch die Zeile 'meet me in silence, when it is too hot to sleep'. Ich stellte mir einen Abend an einem Strand vor, während ich diesen Track schrieb und träumte davon, wie sich die kühle Brise anfühlen würde."

WATERFALL DIVER (DAY ZERO)
"Es ist der einzige Song, den ich nicht innerhalb dieser Sieben-Tage-Periode geschrieben habe. Es floss aber einige Wochen zuvor auf die gleiche organische Art und Weise aus mir heraus und wurde zum Keim für das ganze Album. Ich war total begeistert, als ich dieses Instrumentalstück auf meinem Balkon in Lissabon spielte. Mir gefiel die Einschränkung, meine Emotionen nur mit Gitarrenmelodien auszudrücken. Da begann ich mehr über die Kraft einer starken Melodie in der Musik nachzudenken, und dass all meine üblichen Klangschichten nicht so notwendig sind, wenn ich mich nur darauf konzentriere. Das Lied und das ganze Album wurde zu einem persönlichen Test meines eigenen Songwritings — um zu sehen, ob die Songs immer noch funktionieren, wenn sie komplett minimalisiert sind."

Will tourt derzeit durch Deutschland, alle Infos findest du hier.