Tammy Volpe

Mit surrealen Porträts gegen die Fetischisierung asiatischer Frauen

Elizabeth Gabrielle Lee rechnet in ihrem neuen Buch mit Stereotypen ab.

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Sep. 25 2017, 10:45am

Tammy Volpe

Die Arbeiten der 23-jährigen Fotografin Elizabeth Gabrielle Lee lassen einen träumen: Das Licht und der Fokus sind weich gesetzt, ihre Motive hauptsächlich Frauen und die Farben zart und malerisch. Was ihre Arbeiten von anderen Fotografen ihrer Generation unterscheidet, ist ihre übergreifende Perspektive und Erzählart. Lee, die chinesische Wurzeln hat und in Singapur aufgewachsen ist, fotografiert asiatische Frauen, um ihre Darstellung in den Medien offen infrage zu stellen.


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"Es war mir sehr wichtig, die Fehlvorstellungen rund um diese als andersartig gesehenen Gruppen in meinen Fotografien anzusprechen." Mit ihrem neuesten Projekt XING , einem Buch, das sie kuratiert und selbst veröffentlicht hat, setzt sich Lee mit genau diesen Themen auseinander. In XING sind Fotografien von zehn internationalen Fotografen zu sehen — vom Künstler Lin Zhi Peng aus Peking bis hin zur japanischen Fotografin Mayumi Hosokura —, deren Arbeiten die klischeehaften Vorstellungen über asiatische Frauen und ihre Körper aufbrechen wollen. "Es ist wichtig, diesen rosaroten Stereotypen über asiatische Frauen ein Ende zu setzen", sagt Lee. "Nicht alle Asiatinnen sind unterwürfig, ruhig, schüchtern und demütig."

Foto: Mayumi Hosokara

Hast du das Gefühl, als Asiatin in London stärker fetischisiert zu werden als in Singapur?
Ich bin in Singapur aufgewachsen, das hat meine Weltsicht also natürlich stark geprägt. Erst als ich nach London gezogen bin, bin ich mir der Diskriminierung bestimmter ethnischer Gruppen bewusst geworden. Es ist eine merkwürdige Erfahrung, fetischisiert zu werden — und es gibt nur einen schmalen Grat zwischen der Tatsache, allgemein für seine Schönheit gelobt oder nur aufgrund seiner Hautfarbe, der Gesichtszüge oder der Figur begehrt zu werden.

Foto: Tammy Volpe

Wie thematisiert XING diese Fetischisierung? Welche Vorstellungen wollt ihr vor allem aufbrechen?
Viele Fotos in XING setzen auf die Mimik, wodurch die Bilder die bestehenden Klischees über asiatische Frauen persiflieren und sie hinterfragen. Asiatische Identitäten sind sehr vielfältig und man kann nicht alle Frauen auf eine Vorstellung reduzieren. Asiatinnen haben es aufgrund ihrer intersektionellen Identitäten in vielerlei Hinsicht schwer — sie werden als das schwächere Geschlecht abgetan, noch dazu sind sie PoC. Viel zu oft wird der Körper asiatischer Frauen durch exotisch-erotische Merkmale stark romantisiert. Geht man bis in den Orientalismus zurück, sieht man, dass Frauen damals schon als Objekte betrachtet wurden, die nach Belieben des Betrachters geformt werden können. Indem das Buch diese Stereotype direkt anspricht, wiederholt es bestehende Vorstellungen und macht sie sich zu eigen.

Foto: Takuya Nagata

Wenn das Ziel ist, Stereotype aufzubrechen, warum sind dann Aktfotos und erotische Bilder mit dabei?
Die Assoziierung zwischen Sex, Sexualität und asiatischen Frauen ist so gut wie untrennbar; der Körper der asiatischen Frau wird unglaublich stark und oft fetischisiert und zum sexuellen Objekt gemacht. Im Buch haben einige der mitwirkenden Fotografen dieses Problem der Machtlosigkeit direkt angesprochen, indem sie ihren Motiven erlaubt haben, ihre Identität sowohl als Frau als auch als Person asiatischer Herkunft zurückzufordern und die Vorstellungen, die der Großteil der Welt über Asiatinnen hat, zu entmystifizieren. Es war ein angemessener Ausgangspunkt, das Projekt in weiten Teilen auf Sexualität basieren zu lassen, um weitere Diskussionen anzuregen.

Foto: Lin Zhipeng

Hast du ein Lieblingsfoto im Buch?
Takuya Nagatas Foto der beiden jungen Frauen aus seiner Reihe Umegoyomi spricht mich sehr an. Sie tragen traditionelle Kimonos und nicht mehr. Das Foto gefällt mir besonders gut, weil es zwar die eigene Tradition und Kultur ehrt, gleichzeitig aber nicht archaisch ist. Außerdem betont es die besondere Beziehung zwischen Frauen. Diese Mischung aus Schwesternschaft, Tradition und Gewagtheit finde ich sehr interessant.

Foto: Takuya Nagata

Was sollten Leute deiner Meinung nach über asiatische Frauen im Jahr 2017 wissen?
Es ist wichtig, anzuerkennen, dass asiatische weibliche Jugendliche heute sehr unabhängig und modern sind, und dass sie alle unterschiedlich sind. Ich hoffe, dass XING für junge Asiatinnen ein Zeichen setzen kann, und ihnen bewusst macht, wie wichtig Tradition, Zugehörigkeit und Sexualität sind.

Fozo: Vivian Fu

Foto: Elizabeth Gabrielle Lee

Fozo: Elizabeth Gabrielle Lee

Foto: Elizabeth Gabrielle Lee

Foto: Vivan Fu

Foto: Vivan Fu

Foto: Ronan McKenzie

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.