wie diese lgbt-prominenten pionierarbeit geleistet haben

Vom ehemaligen Bürgermeister Berlins bis hin zur weltweit beliebtesten Comedian: Wir haben für euch eine Liste über Männer und Frauen aus der LGBT-Community zusammengetragen, die etwas bewegt haben—sowohl in ihrem jeweiligen Bereich als für die...

von Max Migowski
|
25 November 2016, 2:05pm

Vor wenigen Tagen wurde einer Handvoll amerikanischer Bürger und Bürgerinnen eine große Ehre zu Teil: US-Präsident Barack Obama empfing im Weißen Haus rund 20 prominente Musiker, Sportler und Schauspieler, um sie mit der Presidential Metal of Freedom auszuzeichnen, der höchsten zivilen Auszeichnung für Amerikaner. Zu den diesjährigen Ausgezeichneten gehört auch die offen lesbisch lebende Talkshow-Moderatorin und Schauspielerin Ellen Degeneres. Für ihre außerordentlichen Leistungen im Unterhaltungsbereich—besonders für ihr öffentliches Coming-out 1988 vor einem Millionenpublikum in der Fernsehserie Ellen, das auf der ganzen Welt beachtet wurde—wurde ihr die Auszeichnung verliehen, zusammen mit einer persönlichen Dankesrede vom US-Präsidenten. Die 58-Jährige zählt zweifelsohne zu den einflussreichsten und erfolgreichsten Frauen auf der Welt und das nicht zuletzt aufgrund ihres Engagements für die Rechte der LGBT-Community. Für uns mehr als Anlass genug, euch noch weitere Männer und Frauen aus der LGBT-Community vorzustellen, die nicht nur in ihrer jeweiligen Branche, sondern weit darüberhinaus etwas bewirkt und den Dialog angeregt haben.

Ellen DeGeneres, Fernsehen
Wie weiter oben bereits erwähnt, hat Ellen DeGeneres Ende der 90ern mit ihrem öffentlichen Coming-out weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Selbstverständlich ist sie zu dieser Zeit nicht die erste oder einzig offen lesbisch lebende Schauspielerin. Allerdings war für den Großteil der damaligen Fernsehzuschauer Homosexualität noch kein Thema, über das man öffentlich spricht. Das hat dazu geführt, dass viele Werbepartner plötzlich absprangen und die Serie eingestellt werden musste. Die damals Mitte 30-Jährige nutzte die Diskussion, um auf die hohe Selbstmordrate unter schwulen und lesbischen Teenagern aufmerksam zu machen und sie machte sich wiederholt stark gegen Homophobie. Fast 20 Jahre später und Ellen DeGeneres zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Frauen im Unterhaltungsgeschäft und ihr mutiges Coming-out  ist bis heute hoch merkenswert und zählt zu den wichtigsten Meilensteinen der Popkultur.

Auch auf i-D: Das queer forward Kollektive Room4Resistance macht den Club zu einem sicheren Ort für alle

Caitlyn Jenner, Popkultur 
Man kann sie lieben oder man kann sie hassen. Was man Caitlyn Jenner aber nicht streitig machen kann, ist, dass sie wie kaum eine andere Person jemals zuvor, den Diskurs über Transgender und Transsexualität zum Mainstream-Thema gemacht hat. Früher bekannt als ehemaliger Olympia-Gewinner und männliches Familienoberhaupt des Jenner/Kardashian-Clans Bruce Jenner, stand Caitlyn schon lange vor ihrem Coming-out im Rampenlicht und war stetig in den Medien. Als schließlich die Gerüchte um ihre äußerliche Angleichung immer lauter wurden, outete sie sich schließlich in einem Fernsehinterview als Transgender. Für einige Zeit war sie das beherrschende Thema: Als Coverstar der Vanity Fair. Damit stellte sie sich zum ersten mal als Caitlyn der Welt vor. Auch wenn sie schon vielfach aus nachvollziehbaren Gründen kritisiert wurde, darunter auch ihre politische Orientierung, hat Caitlyn Jenner eine weltweite Debatte über alle Altersgrenzen hinweg über Transgendersein ausgelöst, wie es vor ihr keine oder keine jemals bisher geschafft hat. 

Thomas Hitzelsperger, Sport
Thomas Hitzelsperger ist ehemaliger Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft und im Allgemeinen ein erfolgreicher und bekannter Sportler. Als er sich aus dem aktiven Sport zurückzog, outete er sich in einem Interview mit der Zeit als schwul. Was sich zunächst als nichts Besonderes anhört, hat erneut für viel Aufmerksamkeit rund um das Thema Homosexualität und Leistungssport gesorgt. Gerade im professionellen Sport wie Fußball scheint es immer noch ein international geltendes Tabu zu sein, schwul zu sein oder sich überhaupt zu seiner sexuellen Orientierung zu bekennen. Die Dunkelziffer Ungeouteter im Profisport ist verhältnismäßig hoch. „Ich äußere mich zu meiner Homosexualität. Ich möchte gern eine öffentliche Diskussion voranbringen — die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern", erklärte der 34-Jährige, der nach wie vor der erste und einzige deutsche Profifußballer ist, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt hat. Die deutsche Presse und Politik sowie internationale Medien haben Hitzelspergers Coming-out zum Thema gemacht und gelobt. 

Klaus Wowereit, Politik
Klaus Wowereit ist den meisten wohl als Regierender Bürgermeister von Berlin ein Begriff. Was ihn aber wirklich zu einem Pionier für die LGBT-Community macht, ist seine Rede aus dem Jahr 2001, in der er sich vor ganz Deutschland als schwuler Mann geoutet hat—mit einem Satz, der bekannter geworden ist als der Mann: der sie ausgesprochen hat: „Ich bin schwul - und das ist auch gut so!" Sein Coming-out war ein Befreiungsschlag und hat anderen deutschen Politikern den Weg geebnet, zu ihrer Sexualität zu stehen. Erst kürzlich hat Wowereit erklärt, dass dieser Satz die wichtigsten Worte seines Lebens gewesen seien.

Freddie Mercury, Musik
Die Songs und Stimme des Frontsängers von Queen, Freddie Mercury, zählen wohl zu den bekanntesten auf der Welt. Mindestens genauso bekannt ist die Sexualität des 1991 an Aids verstorbenen Musikers gewesen. Er selbst hat sich kaum dazu geäußert. Nie hat er sich öffentlich zu LGBT-Anliegen geäußert oder diese direkt unterstützt. Darum gehört er aber trotzdem in diese Liste: Er war und bleibt einer der größten Stars unserer Zeit. Sein Privatleben und seine Karriere trennte er immer strikt voneinander und weigerte sich, zum Mittelpunkt einer öffentlichen Diskussion über gleichgeschlechtliche Beziehungen zu werden. Er wollte sich nicht von der Öffentlichkeit analysieren lassen oder sich für irgendetwas rechtfertigen müssen, blieb sich aber gleichzeitig in seiner Kunst und Selbstdarstellung bedingungslos treu. Diese Art damit umzugehen sei, so John Marshall  in der Gay Times, Mercurys Weg gewesen, um den Leuten zu sagen: 'Ich bin was ich bin! Na und?', und das alleine schon sei ein Statement für sich. Nicht zuletzt seine genderfluide Performance im Musikvideo zu „I Want to Break Free" unterstreichen genau das. Bis heute gilt sein tragischer Tod als Warnung vor ungeschütztem Sex, HIV und Aids, leider immer noch ein relevantes für die LGBT-Community. 

Credits


Text: Max Migowski
Foto: via Vanity Fair

Tagged:
LGBT+
gay
LGBTQ
Caitlyn Jenner
Musik
schwul
Ellen Degeneres
Politik