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sam cannon macht gif-kunst aus weiblichen körperteilen

Vorab zu ihrem Talk dieses Wochenende haben wir mit der 24-jährigen Videokünstlerin über GIF als Kunst und die Rolle von Weiblichkeit in ihren Arbeiten gesprochen.

von Severin Matusek
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23 August 2016, 9:35am

Die 24-jährige Videokünstlerin Sam Cannon ist mit animierten GIFs berühmt geworden. Als sie als Fotografie-Studentin am Rochester Institute of Technology damit anfing, war es vor allem ein nützlicher Weg, um kurze Videosequenzen mit anderen schnell zu teilen. Als Sam das Format kurz darauf auch künstlerisch nutzte und ihre GIFs auf Tumblr stellte, ging alles sehr schnell: Ihre GIFs wurden tausende Male geteilt und Marken wie Veuve Cliquot, Perrier oder Banana Republic klopften an, um Sam für Kampagnen und Fashionshows zu engagieren.

Heute benutzt die in New York lebende Künstlerin vor allem 15-Sekunden-Videos für ihre Animationen. In Endlosschleifen rotierend befassen sich ihre Arbeiten mit der Darstellung und Manipulation weiblicher Körperteile, nicht zuletzt ihrer eigenen. Wir haben Sam in New York getroffen und mit ihr über ihren Werdegang, das Internet und die Kunst des 15-Sekunden-Videos gesprochen.

Das GIF als Kunstform ist ein ziemlich neues Medium. War es schwer, am Anfang damit ernst genommen zu werden?
Ja, es war schwierig am Anfang und es ist noch immer schwierig. Als ich anfing, dachten die meisten Leute, dass ich Banner-Werbungen oder Memes mache. Jetzt gibt es schon ein größeres Verständnis, was das Potential von GIFs betrifft, aber es ist noch weit entfernt davon, ein richtiger Trend zu sein.

Welche Rolle spielt das Internet für dich?
Wir haben eine Hassliebe zueinander. Einerseits gibt mir das Internet einen Raum, um meine Arbeiten zu teilen. Außerdem inspiriert die Art und Weise, wie wir als Gesellschaft mit dem Internet umgehen meine Arbeit sehr stark. Auf der anderen Seite finde ich es oft ermüdend und unbefriedigend, online zu sein. Das ganze Scrollen und Suchen und Vergleichen ist mit unglaublich viel Ablenkung verbunden.

Nach deinen Erfolgen mit animierten GIFs hast du dich in Richtung Video weiter entwickelt. Wie hat sich deine Arbeit in diesem Prozess verändert?
Beschränkungen können den kreativen Prozess inspirieren, ihn aber auch blockieren. Ich habe keine wirklich andere Herangehensweise an Videos oder GIFs, aber Videos geben mir mehr Möglichkeiten, meine Gedanken auszudrücken.

Was ist die Kunst des 15-Sekunden-Videos?
Viele Menschen benutzen kurze Clips, um eine lineare Geschichte zu erzählen, zum Beispiel auf Vine. Ich bin mehr daran interessiert, Momente in Endlosschleifen zu verwandeln. Diese sind sehr kurz, scheinen aber ewig zu dauern. Ich möchte, dass meine Zuseher aufhören zu scrollen und hypnotisiert sind von dem, was sie da sehen.

Ein Element, das deine letzten Arbeiten verbindet, sind Körperteile. Warum?
Ich bin sehr daran interessiert wie Körperteile, vor allem weibliche Körperteile, in den Bildern, die wir online und in Print sehen, manipuliert und isoliert werden. Die Veränderungen, die da vorgenommen werden, zum Beispiel schmalere Hüften oder größere Brüste, verändern den Blick auf unsere Körper. Ich möchte den Körper in einer für mich interessanteren Art und Weise nutzen.

Welche Rolle spielt Weiblichkeit in deinen Arbeiten?
Die Hauptrolle spiele ich selbst und meine Erfahrungen als Frau. Viele meiner Arbeiten sind Selbstporträts. Meine Erfahrungen beeinflussen wiederum, wie ich mich selbst portraitieren möchte. Aber auch die Körper von anderen. Ich versuche nicht, Weiblichkeit darzustellen, aber mein Blick auf die Dinge ist natürlich anders als der von einem Mann.

Kreierst du auch Arbeiten, die du nicht online teilst?
Ja, die ganze Zeit. Dafür gibt es drei Hauptgründe: Die Arbeit ist in einer Ausstellung und ich möchte sie exklusiv dafür verwenden. Oder die Arbeit beinhaltet viele nackte Körperteile und ich möchte Kontrolle über den Kontext behalten, in dem sie angesehen wird. Oder die Arbeit ist wirklich schlecht.

Wenn du eine Sache auf der Welt ändern könntest, welche wäre das?
Ich würde in der Zeit zurückreisen und dafür sorgen, dass CompuServe das GIF mit einem harten G ausspricht (Anmerkung der Redaktion: In den USA spalten sich die Geister, ob GIF als GIF wie im Deutschen oder als „Tschiff" ausgesprochen werden soll. Sam ist wohl eher für die erste Version.)

@samcannon

Sam Cannon wird am 27. August beim 2016 EyeEm Festival in Berlin über GIF-Kunst und ihre neuesten Arbeiten sprechen. Mehr Informationen findest du hier

Credits


Text: Severin Matusek
Foto: Screenshot von Sam Cannon via Instagram