was haben nicolas ghesquière und iris van herpen mit kylo ren und han solo gemeinsam?

Von Londons jungen, wilden Designtalenten über Fast-Fashion-Riesen bis hin zu großen Sportmarken - alle sind im Star Wars-Fieber! Wir haben uns gefragt, was die Mode so sehr an George Lucas postmodernem Fantasy-Epos fasziniert und zeigen dir, was...

von i-D Staff
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15 Dezember 2015, 10:30am

„Ich glaube, Star Wars hat Märchencharakter, gleichzeitig ist es aber auch ein Spiegel unserer Gesellschaft, natürlich überspitzt ausgedrückt", erklärt die Berliner Designerin Malaika Raiss den anhaltenden Hype um die Saga. Kürzlich lancierte sie eine limitierte, 20-teilige Mode- und Echtschmuck-Kollektion ganz im Zeichen von Star Wars Episode VII ‚Das Erwachen der Macht' und machte so den Nerd-Kosmos mit 18 Karat Gelb- und Roségold High-Fashion-tauglich.

Natürlich ist sie nicht die Einzige, die so denkt, kommt man doch in der Mode kaum noch an dem Space-Thema vorbei. Von Highstreet bis zu High Fashion - alles und jeder scheint mitmachen zu wollen. Urban Outfitters bietet derzeit nicht nur witzige Star Wars-Gadgets an, sondern auch eine Star Wars-T-Shirt-Kollektion, von der man am liebsten alle mit nach Hause nehmen würde. Uniqlo macht es ihnen gleich und Adidas wartet mit noch mehr Optionen auf: Sneaker mit verschiedenen Charakter-Motiven und personalisierte Superstars. Auf die Spitze treibt es die mittlerweile dritte Capsule-Kollektion von Rita Ora für das Unternehmen aus Herzogenaurach, die unter den Titeln Planetary Power Pack, Space Shifter Pack und Cosmic Confession Pack mit modischen Elementen neuzeitlicher Raumfahrt spielt. Ein anderer Highstreet-Riese, H&M, setzt in seiner Studio-Kollektion lieber auf retrofuturistischen Glamour und zitiert mit satten, planetaren Farben die 60er-Jahre-Silhouetten der Star-Wars-Look der ersten Jahre. Die space-igen Teile waren natürlich binnen kürzester Zeit ausverkauft.

J.W. Anderson und Prinessin Leia und die Stormtrooper

Der Hype machte auch vor High Fashion nicht Halt. Kreative Neuinterpretationen und subtilere, intergalaktische Mode-Anekdoten finden sich in den Ready-to-Wear-Kollektionen der Saison Frühjahr/Sommer 2016 zu Genüge wieder. Iris van Herpen, die ohnehin eine Vorliebe für traditionelle Handwerkskunst und moderner Technologie hat, lässt Kleider aus Laser-Cut-Fischnetzen wie schimmernde Leichtmetall-Rüstungen für kosmische Amazonen aussehen. Ihr britischer Kollege Jonathan Anderson kreierte für Loewe und sein eigenes Label gleich zwei Mode-Galaxien: In der des spanischen Luxushauses finden sich beispielsweise großzügig aneinandergereihte Metallplättchen auf Pullovern und Hosen wieder, die an Chewys Metallgurt erinnern, während bei J.W. Anderson mit schlanken A-Silhouetten und Metall-Accessoires der Futurismus der 60er-Jahre wiederauflebt.

Nicolas Ghesqiuère setzt für seine neue Kollektion für Louis Vuitton weniger auf Retro. Mit Hosen, deren Prints sehr galaktisch wirken, und durch den Einsatz von schimmernden Oberflächen bringt er uns seine Sichtweise auf die neue, digitale Welt näher. Eine Mischung aus visionärer Cybermode und Zukunfts-Bohème-Chic, in dessen Look sich Han-Solo sicherlich wohl fühlen würde. Noch deutlicher wird es bei John Galliano für Maison Margiela: Sein gelungener Hybrid aus Beehive-Geisha-Alien zeugt nicht nur von Gallianos meisterlichem Kreativpotenzial, sondern auch vom unausweichlichen Einfluss der Star Wars-Saga auf die High Fashion.

Darth Vader und Louis Vuitton

Neben der kommerziellen Umsetzung durch die Highstreet-Ketten und den hervorragenden Designs der großen Modemacher wurde mit dem Star-Wars-Hype auch Gutes getan. Christopher Raeburn, Phoebe English, Thomas Tait, Peter Pilotto, Preen, J.W. Anderson, Nasir Mazhar, Claire Barrow, Agi & Sam und Bobby Abley entwarfen für den Londoner Store Selfridges in Zusammenarbeit mit dem Great Ormond Street Hospital Children's Charity eine limitierte Auflage von Sweat- und T-Shirts ganz im Zeichen von Star Wars: Das Erwachen der Macht. Zusätzlich kreierten alle Teilnehmer zwei vollständige Catwalk-Looks, die, wie die Shirts, ebenfalls online ersteigert werden konnten. Während andere Designer nur mit Referenzen arbeiteten, verwendete J.W. Anderson sogar ganze Szenen aus Episode VII als Print im Comic-Look. Im Interview mit The Guardian sprach der Designer über den Star-Wars-Effekt: Star Wars sei in unserer Kultur so verankert, dass man denken könne, es sei zu einem Teil der Realität.

„Die Story ist quasi zeitlos, mehrere Generationen können sich darin wiederfinden", lautet Malaika Raiss' Meinung dazu. George Lucas schafft es, eine Geschichte zu erzählen, die zeit- und kulturunabhängig ist. Der archetypische Held, der sich dem Kampf gegen das schier Unmögliche stellt: dieses Modell hat schon immer funktioniert und wird auch in den Episoden VIII und IX funktionieren. Die Flucht in die Vergangenheit und die Sehnsucht nach einer anderen Zukunft finden in Star Wars eine gleichwertige Befriedigung mit cineastischem Entertainment-Faktor.

Kommt dir das bekannt vor, lieber Modemensch? Schwingt die Mode nicht auch zwischen Nostalgie und Zukunftsträumen? Haben die Modenschauen und das übertriebene Verhätscheln der Modejournalisten nicht auch einen cineastischen Entertainment-Faktor? Star Wars und Mode liegen also gar nicht so weit, weit voneinander entfernt. 

Credits


Text: Cheryll Mühlen
Bilder Runway via Vogue.com / Mitchell Sams

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