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ein (umfassender) youtube-crashkurs in sachen 90er-mode

Die 90er waren das Jahrzehnt, das uns die Supermodels und die Micro-Bikinis gebracht hat. Wenn du über Mode in den 90ern Bescheid wissen willst, dann solltest du dir diese Clips online anschauen.

von Rory Satran
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10 Januar 2017, 3:20pm

Still from 'Unzipped' via YouTube

Für jeden, der die 90er noch selbst miterlebt hat, ist die Vorstellung, dass die Mode von damals bereits in Archiven schlummert und kategorisiert wird, absurd. Doch das Thema war aber eines der beliebtesten Themen auf Google im letzten Jahr. Crop Tops sind heute vielleicht noch beliebter als sie es jemals in den 90ern waren. Natürlich ist das Jahrzehnt mehr als Clueless und die Spice Girls. Die Haute Couture erreichte am Ende des Jahrzehnts durch Meister wie John Galliano und Jean-Paul Gaultier neue kreative Höhen (auch buchstäblich gemeint). Rei Kawakubo und Yohji Yamamoto haben in diesen Jahren ihre ganze Schwarz-weiß-Ästhetik entwickelt.

Es war ein Jahrzehnt der Widersprüche: „internationale" Trends wie Kimonos und Chinoiserie erlebten einen Boom während die Globalisierung an Fahrt aufnahm, doch kulturelle Aneignung wurde nicht diskutiert. Unser Motto lautete Girl Power, auch wenn wir uns wie kindliche Lolitas gekleidet haben. Aber die Modewelt hat auch dafür gesorgt, dass das Thema Safer Sex sexy wurde, TLC haben sogar schließlich Kondome getragen. Die Riot Grrrl-Bewegung sorgte dafür, dass es OK ist, ja sogar angesagt ist, sich so anzuziehen, wie man sich selbst fühlt. Wir präsentieren euch die besten Onlineclips, die ihr euch über die Mode der 90er anschauen könnt.

Alaïa gab Frauen einen Körper (1990)
Wie Cher Horowitz mal gesagt hat: „Azzedine Alaïa ist ein wirklich wichtiger Designer". Das ist heute noch so wahr, wie es schon in den 90ern wahr war, als der tunesisch-französische Designer seine cleane Herbst/Winter-Kollektion 1990 aus formgebenden Kleidern präsentierte. Man sollte den Einfluss dieser hohen und strengen Pferdeschwänze und die Kleider aus Spitze nicht unterschätzen, siehe Kim Kardashian.

Die Supermodels singen „Freedom! 90" auf dem Versace-Catwalk (1991)
Naomi, Cindy und Christy performten ausgelassen den Hit des verstorbenen George Michael auf dem Catwalk von Gianni Versace, ein „Fashion-Moment biblischen Ausmaßes", so Tim Blanks. Diese Modenschau war nicht nur der Schauplatz der Geburt der Supermodel-Ära, sondern sorgte auch für den einzigartigen Style der Zeit: einfarbiges Power Dressing, große Schulter und viel Schwarz, oder „ein sehr, sehr glückliches Schwarz", wie es der legendäre Designer im Clip sagt.

Comme des Garçons machte die Avantgarde tragbar (1993)
Ein junger, etwas streng dreinblickender Calvin Klein nannte diese Fashionshow „perfekt". „Ich weiß, was es braucht, um so etwas auf die Beine zu stellen", so der amerikanische Designer. Rei Kawakubo entwirft—so wie heute noch—durch und durch avangardistische Kreationen, mit denen man aber auch in eine Bar gehen kann. Ihre weißen Looks aus mehreren Schichten sind während der 90er in Kollektionen anderer Designer auf die ein oder andere Weise immer wieder aufgetaucht.

Sonic Youth sorgte mit „Sugar Kane" für die Grunge Fashion (1992/1993)
Das Musikvideo hat, wie der ein Jahr davor erschienene Roman American Psycho von Bret Easton Ellis, eine eher widersprüchliche Beziehung zur Mode. Auf der einen Seite gibt es eine ironische Ebene, wie das Backstage-Material von Marc Jacobs' bahnbrechender „Grunge"-Kollektion für Perry Ellis und seine Entwürfe zeigen. Aber die Band macht trotzdem mit, ihr Style ist großartig und wir lernen außerdem eine noch unbekannte Schülerin und Praktikantin Chloë Sevigny kennen.

Anna Sui zeigt uns auch Grunge (1993)
Was bei der ganzen Berichterstattung über Marc Jacobs' „Grunge"-Kollektion immer untergeht: Anna Sui hat für die Saison Frühjahr/Sommer 93 ebenfalls eine Grunge-Kollektion gezeigt. Sui, eine enge Freundin von Jacobs, hat die Vibes der Musikszene in Seattle auch gespürt und von Vintage inspirierte Kleidung entworfen: Schuhe im Doc-Martens-Style, Beanies und Choker. Damals sagte die Designerin: „Es geht nicht um den Status oder darum, durch die Kleidung zu zeigen, wie viel Geld man hat. Es geht darum, zu zeigen, was man fühlt und was man ausdrücken möchte."

Isaac Mizrahi wurde mit Unzipped zum größten Star in der Modewelt (1994)
Der Star einer der besten Modedokumentationen aller Zeiten, Isaac Mizrahi, personifizierte eine bestimmte Art von unschuldigem, tragbaren American Chic, dazu zählen auch die Designer Todd Oldham und Cynthia Rowley. Eine Zeit, in der man Marlboro Light noch ungestört in New York rauchen konnte, und die Stadt voller Kreativität war. In diesem Youtube-Clip versucht der Designer, die großen Namen davon zu überzeugen, dass sie mitmachen und sich auf dem Catwalk ausziehen. „Was?", fragt Kate Moss und trägt einen violetten Cardigan, eine sehr beliebte Farbe in den 90ern.

X-Girl mit Chloë Sevigny (1995)
Es ist kein Zufall, dass Chloë mit dem Film zum zweiten Mal auf dieser Liste vertreten ist. Sie verkörpert wie keine andere die 90er-Mischung aus Minimalismus, Second-Hand-Exzentrik und High Fashion, bestes Beispiel ist ihr Auftritt mit einem BH-Oberteil auf der Miu Miu-Fashionshow 1996. Dieser Modefilm, unter der Regie von Phil Morrison entstanden, war seiner Zeit weit voraus. Junebug stammt ebenfalls von ihm. Es ist eine Nouvelle Vague-Reise durch Downtown New York. Chloë und Rita Ackermann haben in den simplen T-Shirts und Kleidern aus der Linie von Kim Gordon so cool und besonders ausgesehen.

Tom Ford bringt die Sexyness zurück auf den Catwalk (1995)
Für seine Show zur Herbst-/Winter-Kollektion 1995 hat Tom Ford seine BFFs Amber Valleta und Shalom Harlow mit dem Look auf den Laufsteg geschickt: eine Satinbluse, natürlich aufgeknöpft bis unter den Busen, kombiniert mit Samthosen und Cabanjacken aus Angora. Heutzutage fühlt sich nicht sehr revolutionär an, aber damals war es eine Sensation. Kirsty Hume hat ein pechschwarzes Kleid und rote Pumps getragen, als ob sie direkt aus einem Catherine-Deneuve-Film kommt. Dieser als The Look bekannte Style wurde von Madonna und Gwyneth Paltrow auf den roten Teppich getragen und damit sahen sie noch nie so sexy aus.

DIY wurde zu einer Frage von Leben und Tod
Während ihrer Live Through This-Tour verarbeitete Courtney Love die Tode von Kurt Cobain und der Bassistin von Hole Kristen Pfaff, der an einer Überdosis starb. Beide Verluste sind in diesem Konzertvideo spürbar. In dieser Performance von „Violet" sehen wir eine Frau, die sich durch ihren Schmerz hindurch singt. Der Look ist könnte nicht mehr Courtney sein: ein Satinoberteil aus dem Second-Hand-Laden, knalliger Lippenstift und ein rosafarbener Gitarrengurt von Built By Wendy, ein Label, das bei allen weiblichen Garage Band-Mitgliedern beliebt ist. Wenn kreative Girls, die knapp bei Kasse sind, Courtney etwas zu verdanken haben, dann eines: dass man mit genug Ideen und Einfällen einen ganzen Look kreieren kann, und nicht danach shoppen muss.

Aaliyahs Tommy-Hilfiger-Werbespot (1996)
Wir wollen nicht übertreiben, aber Aaliyah war ein Engel auf Erden. Bevor sie im Alter von 22 Jahren zu früh von dieser Welt gegangen ist, hat sie uns drei Alben, zwei Filme und einen originellen Style geschenkt, der nicht nur von jungen Mädchen überall auf der Welt kopiert wurde, sondern auch von Designern wie Tommy Hilfiger. Dieser Hilfiger-Clip zeigt den weiblichen R 'n'B Star in ihrem Signature Look: Tomboy trifft auf Femme fatale, aus einem Schlauchoberteil, Sixpack, Unterhosen und Baggy Jeans. Ihr selbstbewusstes Spiel mit Geschlechterrollen war seiner Zeit voraus.

Die verspielte Absurdität von Chanels Micro-Bikinis (1996)
Erinnerst du dich noch an Pogs? Die kleinen runden Dinger, die in den 90ern einen kurzen Hype erlebten, waren zwar bestimmt keine Inspiration für die Frühjahr-/Sommerkollektion 1996 von Chanel, aber trotzdem nannte jeder diese extrem kurzen Bikinioberteile trotzdem „Pogs". Karl Lagerfeld hat den Bikinis eine neue Absurdität verpasst und so für eine Diskussion über angemessene Kleidung gesorgt. Die Debatte wird bis heute geführt, siehe #freethenipple. Außerdem hat er durchsichtig cool gemacht, ein doppelter Gewinn. 

Gallianos Wunderwerk bei Dior (1996 und später)
Es bedeutet nicht, dass man Gallianos umstrittene Aussagen gutheißt, wenn man seine Kreationen für Dior zwischen 1996 und Anfang der 2000er anhimmelt. Dieser Zusammenschnitt mit Entwürfen, die sein Können und sein Genie zeigen, enthält nicht nur eine Inspiration nach der anderen, sondern ist auch das perfekte Tutorial, um sich in eine Drag Queen zu verwandeln. Das Make-up von Pat McGrath, ihre Farbauswahl und die Dramatik, ist ein gutes Beispiel dafür, dass Mode Spaß machen sollte.

Pradas einflussreicher Minimalismus (1996)
Eine Prada-Show herauszusuchen, die die Mode der 90er geprägt hat, ist vergebliche Liebesmühe, denn sie taten es alle. Die Saison Herbst/Winter 96 war aber besonders. Neben den beigefarbenen und grauen Pullover, die für ein Hauch Carolyn Bessette Kennedy Bürgerlichkeit sorgten, überzeugte sie mit Prints aus den 70ern, die so falsch wie genial waren. Und als ob das nicht schon genug wäre, präsentierte sie mit den Kleidern mit Pailletten, besonders das in Violett, einfach nur pure Schönheit. Uma hat auch ein ähnliches Kleid getragen.

Missy Elliotts Musikvideo zu „Supa Dupa Fly" (1997)
Die Missy der 90er war eine der ersten Künstlerinnen, die über sich selbst bestimmte. Sie trug eben einen aufgeblasenen Müllsack als Jumpsuit und hat immer das gemacht, was sie wollte. Mit ihrem unter der Regie von Hype Williams entstanden Video präsentierte sie einen Style, der andere Frauen ermutigt hat, zu sich selbst zu stehen. Lederhandschuhe? Kein Ding. Neongrüne Tracksuits? Was für eine Frage. Der Clip ist ein vierminütiger Überblick über den Style der 90er, Lil Kim trägt Chanel-Strapse und Puff Daddy überzeugt mit einem weißen T-Shirt und diamanten Ohrringen.

Alexander McQueen (1999)
Zwar wird seine düstere wie brillante „Highland Rape"-Kollektion von 1995 oft dafür gelobt, das narrative Element in die Mode eingeführt zu haben, aber seine Frühjahr/Sommer-Kollektion 1999 hat das Jahrzehnt auf einer sehr nachdenkliche Art und Weise geschlossen. Zwei Roboter besprühen das weiße Kleid von Shalom Harlow, die noch dazu tanzt. Was bedeutet in der Modewelt eigentlich am Ende des 20. Jahrhunderts noch Urheberschaft und Kreativität? Was macht ein Kleid, einen Designer aus? Was macht die Person oder das Gerät, das ein Kleid herstellt, oder die Person, die es trägt, aus? Und spielt das überhaupt eine Rolle? Das sind die Fragen, die diese Kollektion aufgeworfen hat, und die im Laufe der Jahre noch an Bedeutung gewonnen haben.

Credits


Text: Rory Satran
Foto: Screenshot aus dem YouTube-Video „Unzipped | 'Bra & Panties' (HD) - Kate Moss, Naomi Campbell | MIRAMAX" von Miramax

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