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im studio bei olafur eliasson

Freunde von Freunden haben Olafur Eliasson in seinem Studio in Berlin besucht.

von i-D Staff
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10 September 2015, 12:30pm

Freunde von Freunden war bei Olafur Eliasson in seinem Studio zu Gast und beschreiben in diesem Ausschnitt ihren Besuch.

Wenn man die umgebaute Brauerei im Stadtteil Berlin-Prenzlauer Berg betritt, denkt man nicht sofort an ein Künstlerstudio. Das 5000 Quadratmeter große Gebäude mit den riesigen Fensterfronten erinnert mehr an eine Mischung aus Physiklabor und progressivem Lampengeschäft. Polyeder in verschiedenen Größen liegen in den Regalen und hängen von der Decke, daneben stehen Punktstrahler, bunte Glaskugeln, an den Wänden hängen technische Zeichnungen. Die Mitarbeiter sitzen an Schreibtischen, laufen die Flure entlang oder spielen Tischfußball, während Olafur Eliasson ruhig im Konferenzraum der Little Sun-Abteilung sitzt und mit einer Solarlampe aus gelbem Plastik spielt.

2012 haben Sie zusammen mit dem Ingenieur Frederik Ottesen Little Sun gegründet, eine Firma, die Solarprodukte entwickelt. Was ist Ihre Aufgabe in diesem Unternehmen?
Ich bin ein Teil des Teams, aber um ehrlich zu sein, bin ich vor allem gut darin, zu erkennen, worin ich nicht gut bin, und hole dann Leute, die diese Aufgaben für mich erledigen. Deshalb arbeiten auch etwa 90 Leute hier. Bei Little Sun bin ich für das Design verantwortlich und für ein paar andere Aspekte.

Was hat Sie dazu bewegt, Little Sun zu gründen?
Licht und Sonne haben mich im Rahmen meiner künstlerischen Arbeit schon immer interessiert. Als ich den Solaringenieur Frederik Ottesen kennengelernt habe, zeigte er mir, dass es möglich ist, Sonnenenergie aufzufangen und sie im übertragenen Sinn in der Hand zu halten. Damals bin ich gerade aus Äthiopien zurückgekehrt, wo ich viele Leute getroffen hatte, die keinen Zugang zu Strom hatten. Was mich besonders erstaunt hat, war, dass es in Afrika südlich der Sahara keine Abenddämmerung gibt. Die Sonne verschwindet ganz plötzlich. Als ob jemand das Licht ausknipst und - boom! - es ist stockfinster. Das fand ich sehr faszinierend und gleichzeitig hat es mir deutlich gemacht, wie sehr wir auf Strom angewiesen sind. Das versteht man erst so richtig, wenn man es selbst erlebt hat.

Solarprodukte herzustellen und zu vertreiben scheint weit entfernt von Ihrer üblichen Tätigkeit als Künstler zu sein. Man würde erwarten, dass Sie Ihre Erfahrungen aus Afrika in Kunstwerke einfließen lassen, statt eine Firma zu gründen …
Ich habe einige Aspekte dieser Erlebnisse in Ostafrika auch in meiner Kunst verarbeitet. Aber wenn man Kunst macht, versetzt einen das oft in eine Blase. Die Kunstwelt - so gesellschaftlich akzeptiert und anspruchsvoll sie auch ist - kann sehr utopisch und realitätsfern sein. Ich wollte sehen, ob ich meine Kreativität auch außerhalb der Kunstwelt anwenden kann. Ich betrachte Little Sun als Kunstprojekt. Vielleicht sagt das mehr über die Kunstwelt aus als über die reale Welt, denn für die meisten Leute geht es bei dem Projekt nur um Licht und Energie. Wenn ich sage, dass es dabei auch um Kunst geht, verleiht es dem Projekt ein gewisses nicht-quantifizierbares Erfolgskriterium. Die Leute fragen dann „Wieso ist es ein Kunstprojekt?", und ich sage ihnen: „Es geht auch um Kunst, um Kreativität und Dinge, die wir infrage stellen". Die meisten finden das gut.

Hier geht es zum ganzen Interview, das bei Freunde von Freunden erschienen ist. 

freundevonfreunden.com

Credits


Text: Kitty Bolhoefer
Fotos: Philipp Langenheim