männerpflege: the art of male grooming nach dan jones

Männer aufgepasst! Modejournalist Dan Jones erklärt euch, was es heutzutage bedeutet, ein Mann zu sein. (Und nein, es geht nicht nur darum, möglichst viele Frauen ins Bett zu bekommen.)

von James Anderson
|
22 Oktober 2015, 6:30am

Dan Jones war Shopping Editor bei i-D, bevor er Shopping and Style Editor bei Time Out und schließlich Senior Men's Editor bei ASOS wurde. Heute schreibt er als freier Autor für verschiedene Magazine und berät Firmen wie Lee. Außerdem hat er das Buch Man Made: The Art of Male Grooming auf den Markt gebracht, in dem er die Dos and Don'ts der modernen Männerpflege bespricht.

Vollgepackt mit Tipps und praktischen Hinweisen für Frisuren und Haarpflege, Bartmanagement, Schuhe, Mode, Vitaminversorgung, Gesichtspflege, Körpertraining, Wellness und sogar Tricks für die Intimrasur, ist das Buch der ultimative Guide für alle in ihr Spiegelbild vernarrten Männer, ob picklige Jugendliche oder den eleganten Gentleman von heute.

Wir stellten Dan ein paar Fragen und wollten wissen, was Mann tun kann, um sich gut zu fühlen und gut auszusehen.

Bist du eines Tages aufgewacht und hast realisiert, dass du ein Experte in Sachen Männerpflege bist? Oder war es eher ein Prozess mit Fehlern und Fehlgriffen?
Man könnte es ein lebenslanges Training in Falschmachen nennen. Mit 14 war ich ein hässliches Entlein. Ich hatte Akne, eine feste Zahnspange, eine Monobraue und eine Wet-Look-Frisur. Mit 15 habe ich meine zu lockigen Haaren nach hinten gebunden, was wie ein lockerer Beehive aussah. Das war mir aber damals noch nicht bewusst. Ich habe die B-52s geliebt. Dann habe ich den Björk-Style ausprobiert, Bantuknoten mit metallfarbenem, blauen Mascara - es waren die 90er - und alles Mögliche an Frisuren- und Bartmoden. Als Redakteur habe ich später alles gemacht, von traditionellen Nassrasuren bis einer Behandlung, bei der mein Gesicht mit Mikrowellenstrahlen behandelt wurde. Mein Buch ist also voller Erfahrungen und Ratschläge, die ich im Laufe der Jahre gesammelt habe. Ich habe das Schlimmste erlebt, damit andere es nicht mehr erleben müssen.

Wieso hast du dieses Buch geschrieben?
Ich hatte einfach den Eindruck, dass die gegenwärtigen Ratgeber für Männerpflege veraltet, ein bisschen langweilig und so komisch festgefahren sind. Es geht nur darum, wie man eine Frau ins Bett bekommt oder wie toll der Männerdutt ist. Außerdem wird ein unerreichbares Körperideal vermittelt, was die Mehrheit der Männer schlicht ignoriert. Das heißt zwar nicht, dass ich diese Ideen komplett außer Acht lasse, aber ich wollte ehrlich gemeinte Tipps und praktische Hinweise geben, die hoffentlich ein authentischeres Bild davon abliefern, was es heißt, ein gewöhnlicher, moderner Mann zu sein: Haare an unmöglichen Stellen, ein etwas schiefes Gesicht und Brustwarzen, die zwei Zentimeter zu niedrig sind.

Wie lange brauchst du jeden Tag im Bad?
Ich denke, dass ich es mittlerweile ganz gut beherrsche und den Großteil unter der Dusche erledige. 30 Sekunden - oder länger - sanft die Gesichtsreinigung oder das wöchentliche Peeling-Gel einmassieren, macht bereits einen Unterschied, besonderes Augenmerk auf die Stirn- und Nasenpartie legen und alle Furchen und Tiefen reinigen. Ansonsten reicht mir eine Feuchtigkeitscreme und ein wenig Haarpomade auf Wasserbasis, dann käme ich mir mit meinem „Do My Do Obama"-Kamm durch den Bart und ich frage mich, wie es wohl wäre, nur halb so cool wie er zu sein.

Gibt es No-Gos in Sachen Männerpflege oder ist alles erlaubt?
Heute ist alles erlaubt, egal was Clickbait-Artikel sagen, als ob sie ein uraltes Pflegestatut hüten würden. Es einfach halten, in ein paar gute Produkte investieren, gut essen und viel Wasser trinken. Es ist keine Zauberei.

Es gibt heutzutage viele Männer mit extrem gezupften Augenbrauen. Was ist deine Meinung dazu?
Ich muss etwas gestehen. Ich habe mir meine Monobraue jahrelang als Teenager gezupft und ich freue mich, berichten zu dürfen, dass ich jetzt dauerhaft zwei Augenbrauen habe. Ich bin kein Fan von übergezupften Augenbrauen. Es ist so schwer, sich die selber zu pflegen, ohne wie eine aufgeblasene Puppe auszusehen. Aber wenn es dich glücklich macht, dann tue es.

Bärte und Tollen sind allgegenwärtig geworden. Aber langweilen sie uns nicht schon?
Ich habe einen Bart und, ja, manchmal bin ich von ihm gelangweilt. Es ist kein Mythos, dass man in Bärten Dinge wie Krümmel und Bohnen findet. Aber ich mag die Tollen und Bärte, die in den letzten Jahren tonangebend beim Männerstyling wurden. Es hat dafür gesorgt, dass Männer ein bisschen kreativer mit ihrer äußeren Erscheinung umgehen. Das ist eine positive Sache.

Man Made gibt auch praktische Tipps zur Intimrasur. Hattest du jemals einen bösen Unfall da unten mit einem Einmalrasierer? Was ist dein Geheimnis, um gereizte Hoden und Tränen zu vermeiden?
Rasiert euch nicht euren Sack. Wieso sollte man mit einem Rasiermesser an seine besten Stücke wollen? Wenn man mal länger darüber nachdenkt, dann ist es einfach nur eine verrückte Idee. Aus Recherchegründen habe ich es selbst einmal ausprobiert, und es ist mehr als ein schwieriges Unterfangen. Man braucht ein superscharfes Rasiermesser, die besten Produkte, ein Bad danach und die Hilfe eines Herzchirurgen. Außerdem fühlt es sich komisch an. Erinnerst du dich noch daran, wie man als Kind die Hose von Actionfiguren herunterzog und da war nichts, absolut nichts? Das ist dasselbe.

Wir leben jetzt in Zeiten, in denen die Geschlechtergrenzen fließend sind. Sollte das Buch nicht auch praktische Hinweise für den Mann von heute bereithalten, wie er richtig Lippenstift und Mascara aufträgt?
Du hast recht. Leider thematisiere ich nicht wirklich, wie man Make-up richtig benutzt. Das ist nicht meine Expertise und mein Interessengebiet, auch wenn ich schon immer der Meinung war, dass ich umwerfend mit dem Chanel Pirate Lippenstift aussehen würde.

Wer ist für dich ein gutes Beispiel eines gepflegten und stilvollen Mannes?
David Lynch. Er ist vornehm und hübsch und er hat einen tollen markanten Style: düster, asymmetrische Anzüge, gekrönt von einer vollen, silbergrauen Eraserhead-Haarpracht. Das 90er-Model Tony Ward, Madonnas Verflossener sieht super aus und er hat die zweitbeste Tattoosammlung der Welt. Die beste hat Adam Goldberg. Der New Yorker Fotograf Karl-Edwon Guerre ist immer geschniegelt und gestriegelt. Er hat was von Willy-Wonka. Nick Wooster sieht auch immer super aus.

Wenn Männer deine Tipps aus dem Buch befolgen, haben sie dann mehr Sex?
Ja! Es gibt nichts und niemanden, dem ein Stück Seife und Wasser jemals geschadet hätten. Wenn man sich nicht sicher ist, dann am besten unter einen Wasserhahn halten - das pflege ich immer zu sagen.

Woran arbeitest du als Nächstes?
Meine Bauchmuskeln. Ich hatte mal welche, als ich Anfang 20 war und eine Woche Magen-Darm hatte. Sie sollen wieder zurückkommen. 

Man Made: The Art of Male Grooming ist bei Hardie Grant Books erschienen und ab sofort erhältlich.

Das könnte dich auch interessieren:

Credits


Text: James Anderson

Tagged:
Bücher
fashion interviews
male grooming
dan jones
männerpflege
the art of male grooming