#hernamewasreeva: so reagiert das internet auf das urteil im fall reeva steenkamp

Netzaktivisten kämpfen darum, dass die Opfer von häuslicher Gewalt nicht vergessen werden.

von Wendy Syfret
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07 Juli 2016, 8:35am

Gestern wurde der südafrikanische Sportler und Paralympicssieger Oscar Pistorius für den Mord an seiner Freundin Reeva Steenkamp zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Er habe durch eine geschlossene Glastür vier Schüsse auf sie abgefeuert. Erwartet wurde eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren, die eigentliche Mindesthaftstrafe für Mord.

Das Netz hat auf die geringe Haftstrafe unter dem Hashtag #hernamewasreeva reagiert. Initiiert wurde der Hashtag von südafrikanischen Frauenrechtlerinnen, die damit öffentlich hinterfragen, warum Pistorius mit so einer vergleichsweise geringen Strafe für Mord davonkommen konnte und wie Missbrauchsopfer so oft durch das Rechtssystem fallen.

Jacqui Mofokeng von der Frauenabteilung des African National Congress sagte dem Guardian nach der Verkündigung: „Das Urteil ist eine Beleidigung von Frauen. Es sendet die falsche Botschaft." Berichten zufolge sind 40 bis 50 Prozent aller Frauen bereits Opfer von Gewalt durch ihre Partner geworden. Das ist eine konservative Schätzung, weil die wahren Zahlen eher noch höher liegen dürften. Viele Fälle werden gar nicht erst angezeigt. 

Vielen habe nicht nur mit der kurzen Haftstrafe Probleme, sondern auch mit der Art und Weise, wie Reeva in der ganzen Berichterstattung um das Verbrechen und den Prozess unter den Tisch gefallen ist. Im Zentrum stand Pistorius: welchen Einfluss sein Reichtum und sein Bekanntheitsgrad auf den Verlauf des Prozesses hatten, wie ernst er seine Trauer meint, sein Niedergang als nationaler Held und die Frage, ob ein Mensch mit einer Behinderung—Pistorius wurden mit 11 Monaten beide Unterschenkel amputiert—seine Strafe im Gefängnis oder in einem gesicherten Krankenhaustrakt absitzen soll.

Laura Richards, die Gründerin einer Vereinigung für Stalking-Opfer twitterte: „Reeva hatte keine Stimme, aber einem verurteilten Mörder wird von den Medien eine Bühne gegeben." Wie viele andere Kritiker auch, sagt sie, dass die Medien Pistorius durch ihre Besessenheit an seiner Person eine Plattform gegeben haben, mit der er den Ausgang des Verfahrens schon von Beginn an beeinflussen konnte.

Und wie sie oft in Fällen vom häuslicher Gewalt wird das Opfer vergessen. Reeva Steenkamp war Anwältin, Model und eine bekannte Person des öffentlichen Lebens in Südafrika. Doch sie wird auf ewig im Zusammenhang mit dem Mann stehen, der sie umgebracht hat. Jedenfalls wäre es in der Zeit vor Social Media so gekommen. Freunde, Bekannte und sogar Leute, die sie gar nicht kannten, engagieren sich dafür, dass Reeva für mehr als die Schlagzeilen in Erinnerung bleibt. Hoffentlich wird kommt damit endlich eine ernst gemeinte Debatte darüber in Gang, wie Opfer von Gewalttaten von der Gesellschaft im Stich gelassen werden und aufhören den Tätern eine medialen Plattformen zu geben.

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Text: Wendy Syfret
Foto: Imago

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