Ein Blick hinter die polierte Fassade: Diese Fotos zeigen die Unschuld und Wut der finnischen Jugend

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Jouko Lehtola entstanden, bringt der finnische Designer hinter dem Newcomer-Label Aalto International Tuomas Merikoski einen Bildband mit seinen Lieblingsfotos des verstorbenen Fotografen heraus.

von i-D Staff; Fotos von Jouko Lehtola
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06 Juni 2016, 2:25pm

"Ich habe Jouko Lehtolas Fotografie 2008 entdeckt, als ich über ein Bild aus seiner 'Young Heroes'-Serie gestolpert bin. Ich habe sofort angefangen, mehr über ihn zu lesen und habe dadurch Jouko Lehtolas Finnland gefunden. Mich hat die Ehrlichkeit in seinen Fotos gefangen genommen. Endlich gab es jemanden, der die Jugend Finnlands so darstellt, wie sie ist und wie auch meine Jugend damals war. Sehr direkt, unschuldig, aber extrem. Natürlich schwingt bei den Bilder eine gewisse Nostalgie mit, dennoch bin ich mir sicher, dass es heutzutage nicht viel anders ist. Genau das möchte ich auch mit Aalto zeigen. Lehtolas Fotos beeinflussen uns stark, sie sind Teil der DNA von Aalto.


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Zur Wahrheit gehört auch, dass sich viele Leute in Finnland lange Zeit für diese Bilder geschämt haben, weil sie die hässliche Schönheit und ungeschminkte Realität zeigen. Erst seit Kurzem erhält seine Kunst die Anerkennung, die sie verdient. Als ich Aalto gegründet habe, wusste ich, dass ich seiner Kunst helfen wollte, indem ich zeige, wie relevant und schön all seine Bilder auch heute noch sind. Das ist auch der Grund hinter dem Buch über die finnische Jugend, das wir kuratiert haben und herausgeben.

Wir sind nach Helsinki gefahren und haben alle Leute der Stiftung getroffen, um uns ihre Geschichten anzuhören, weil wir herausfinden wollten, was Jouko mit den Bildern erzählen wollte. Außerdem waren wir im geheimen Archiv, um ein Gefühl für die originalen Kunstwerke zu bekommen. Wir wollten den Fokus auf die Jugend legen und die Jungs und Mädels zeigen, die für uns die finnische Gesellschaft widerspiegeln. Pure Emotionen, für die die dargestellten Menschen stehen. Und weil das Buch eine Hommage an die Arbeiten dieses großen Fotografen ist, musste es sehr hohen Ansprüchen genügen: das Cover, das Format, das Layout und der Druck. Ein Freund von uns, der Art Director Daniel Baer, hat uns bei der Umsetzung geholfen. Wir mussten im Laufe des Projekts mehrere der Leute auf den Fotos kontaktieren und dabei kam heraus, dass viele von ihnen so alt sind wie ich. Ich habe wirklich zur selben Zeit die gleichen Erfahrungen wie sie gemacht. Jouko hätte mich auch fotografieren können. Es war wirklich so wie auf den Bildern.

Unterscheidet sich die finnische Jugend von den Jugendlichen aus den 80er und 90ern auf den Fotos? Grundsätzlich, glaube ich, ist die Erfahrung als Teenager noch dieselbe, aber natürlich ändern sich im Laufe der Zeit einige Dinge. Wir wurden alle viel globaler, was natürlich alle beeinflusst. Aber was die finnische Jugend so einzigartig macht: Dass sie die Dinge immer noch auf ihre Weise macht, die Tabus, die Freiheit und die Primitivität. In den 80ern und 90ern war die Freiheit aber realer. Es gab keine Handys und auch kein Internet, was auch Dinge in den entferntesten Regionen dokumentiert. Damals konnte man sich lächerlich machen und das war OK, heutzutage wird aber viel zu viel über Social Media dokumentiert."

"Finnish Youth / Jouko Lehtola" ist hier und beim Berliner Store do you read me?! erhältlich.

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