jeff hahn porträtiert in seinem neuen buch moderne weltbürger

„Ich habe ‘Port Yarin‘ gemacht, um die Third Culture Kids dieser Welt zu zelebrieren, und für diejenigen, die sich nirgends richtig zugehörig fühlen, einen Ort schaffen. Mir geht es dabei darum, den ethnischen Schmelztiegel aus verschiedenen Einflüssen...

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Jan. 16 2017, 2:35pm

Mit seinen zarten Farben und seinen durchdachten Bildkompositionen wurde Jeff Hahn nach seinem Uniabschluss schnell zum Liebling der Londoner Modeszene und fotografiert seitdem für die Magazine, die die Modewelt bedeuten. Nebenher hat er aber nie aufgehört, seine eigenen Projekte zu verfolgen. Nach seinem ersten Bildband The Next Best Thing to Loving You, der schon eine Weile zurückliegt, hat er nun Port Yarin veröffentlicht, in dem es um ethnische Identität dreht. In in­timen Bilder, die mit seiner gewohnt verträumten Bildsprache überzeugen, erkundet er, was das Thema für ihn persönlich bedeutet. Weil uns die Fotografien sofort gefesselt haben, haben wir den jungen Fotografen zum Gespräch getroffen und uns mit ihm über die Bedeutung der eigenen Herkunft unterhalten.

Du hast in einem Interview mal gesagt, dass Port Yarin für dich wie eine ausgedachte Stadt ist, mit der du das Thema ethnische Herkunft erkunden kannst. Was meinst du damit genau?
Mich hat das Thema ethnische Identität schon immer interessiert. Ich bin selbst eurasiatisch und habe in der Schweiz in einem kleinen Bauerndorf gewohnt, ich bin in Hongkong auf eine deutsche Schule mit einem britischen Schulsystem gegangen, ich habe in Taipeh in Expat-Communitys gelebt, ich habe im neuseeländischen Auckland Maori-Traditionen praktiziert und bis vor Kurzem habe ich in einem chassidischen Viertel in London gelebt. Ich war in all diesen Orten aber immer nur Gast und stand außerhalb der dortigen Gemeinschaft. Auch wenn ich durch den Wohnort oder durch meine Geburt mit diesen Orten verbunden war, so war ich doch immer ein Außenseiter. Ich habe Port Yarin gemacht, um die Third Culture Kids dieser Welt zu zelebrieren, und für diejenigen, die sich nirgends richtig zugehörig fühlen, einen Ort schaffen. Mir geht es dabei darum, den ethnischen Schmelztiegel aus verschiedenen Einflüssen zu feiern und eine neue Identität zu kreieren.

Wie definierst du selbst ethische Identität?
Das ist Port Yarin für mich.

Deine persönlichen Arbeiten sind sehr sinnlich und intim. Was bedeutet Intimität für dich?
Dass man jemanden in sein Innerstes lässt und dass man dieser Person seine emotionale Zerbrechlichkeit offenbart.

Welches Männerbild möchtest du mit deinen Bildern vermitteln?
Ich versuche nicht bewusst, ein bestimmtes Männerbild—oder Frauenbild—zu vermitteln. Aber ich caste oft Männer, die über eine bestimmte effeminierte Qualität verfügen, und Frauen, die etwas Starkes und eine gewisse Härte vermitteln. Einige meiner männlichen und weiblichen Lieblingsmodels sehen auffallend ähnlich aus. 

Worin unterscheidet sich Port Yarin von deinem ersten Bildband? 
Mein Interesse bei meinem ersten Bildband The Next Best Thing to Loving You galt der Grauzone zwischen Fantasie und Realität beim Fotografien. Einige Fotos zeigen eine inszenierte Intimität, andere wiederum echte Intimität und dann gibt es Bilder, die weder das eine noch das andere zeigen. Mich hat das Konzept interessiert, dass eine Kamera zu einer Plattform wird, durch die eine Verbindung zu einer Person aufgebaut wird, und wie sehr real diese Verbindung werden kann. Zwar ist Port Yarin ein fiktionaler Ort, aber die Ideen dahinter sind sehr real. Man könnte auch sagen, dass es ein dokumentarisches Projekt über einen fiktiven Ort ist. 

Warum bringst du das Buch jetzt heraus?
Weil jetzt ein günstiger Zeitpunkt ist, um über die Bedeutung von Hautfarbe, ethnischer Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung—allem eigentlich— zu sprechen. Port Yarin ist eine Antwort auf die Polarisierung der Meinungen, die durch die politischen Entscheidungen der Mächtigen dieser Welt entstanden sind. Oder anders gesagt: das Buch ist eine Reaktion auf die neue Realität der Welt mit Brexit und Trump.

Würdest du, wenn du auf deine Karriere zurückschaust, etwas anders machen? Und was sind deine Pläne für die Zukunft?
Das Schwierigste am Leben als Kreativer ist es, dass man davon leben muss und deswegen immer Kompromisse hinsichtlich der eigenen Integrität und der eigenen Vision eingehen muss. Rückblickend muss man sagen, dass ich mir wünschen würde, dass ich mir selbst und meiner inneren Stimme treuer geblieben wäre. Das muss sich allerdings erst entwickeln. Ich möchte zukünftig mehr meiner Liebe für die Fotografie nachgehen und mehr persönliche Projekte umsetzen. 

jeff-hahn.com

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni
Fotos: Jeff Hahn