Aufnahmen von langen, heißen Teenagernächten in Russland

Ein Lagerfeuer machen, in den Wäldern umherstreifen und im Dunkeln rumknutschen – die Fotos von Irina Yulieva halten die Schönheit und Eigentümlichkeit des Erwachsenwerdens in Russland fest.

von Alice Newell-Hanson
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01 Oktober 2015, 8:12am

„Das erste Mal habe ich eine Kamera mit 12 Jahren in die Hände genommen", erzählt Irina Yulieva. „Mein Onkel war Fotograf und er hat mir erklärt, wie das funktioniert. Dann habe ich so ziemlich alles fotografiert: meine Freunde, meine Familie, meine Katze." Nach der ersten Begeisterung hat Irina dann 20 Jahre lang kein Foto mehr geschossen, bis sie beschloss, in ihrer Heimatstadt Sankt Petersburg Fotojournalismus zu studieren.

Nachdem sie im Jahr 2010 ihren Abschluss gemacht hat, fotografiert sie weiterhin ihre Familie, nur dass dieses Mal ihre eigenen Kinder und deren Freunde vor der Kamera stehen. Geknipst wird in einem Dorf namens Bolshoy Sabsk in der russischen Provinz, wo Irina selbst ihre Schulferien verbracht hat und erste Versuche des Erwachsenseins unternommen hat. Ihre Fotos haben eine Gummo-ähnliche Intensität und eine für Kleinstädte so typische Verschrobenheit - sie fotografiert mit einer einfachen Kompaktkamera und lässt auch die Datumsanzeige stehen - , sie stecken aber auch voller Nostalgie für ihre eigene Kindheit. Irina arbeitet gerade daran, aus der Fotoserie, die sie „Tender Years" genannt hat, ein Buch zu machen. „Der Arbeitstitel ist Broken Knees", erzählt sie. „Es wird eine Geschichte über das Erwachsenwerden. Aber eigentlich geht es dabei um mich."


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