dieses kollektiv aus queeren künstlerinnen bewegt etwas in new york

BUFU, aka By Us For US, hat eine verlassene Lagerhalle in Brooklyn in einen Ort für Künstler und Organisationen geschaffen, damit sich dort People of Color organisieren und treffen können.

von Blair Cannon
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04 Juli 2016, 10:00am

​Photography Yeelen Cohen

By Us For Us, aka BUFU, ist ein Kollektiv aus queeren Femme-Künstlerinnen aus Brooklyn, das sich dem Diskurs um die Solidarität unter Schwarzen und Asiaten verschrieben hat. Es geht um Solidarität zwischen Minderheiten. Die Studentinnen und Aktivistinnen Jazmin Jones, Tsige Tafesse, Katherine Tom und Sonia Choi haben eine verlassene New Yorker Lagerhalle in einen Ort für Künstler und Organisationen aus dem PoC-Spektrum verwandelt. Mit Jam-Sessions, Filmen über Bürgerrechtler wie Yuri Kochiyama und Richard Aoki und Vorlesungen über Spannungen zwischen ethnischen Minderheiten und Spiritualität möchte BUFU neue Wege für interkulturelle Solidarität erkunden. Wir haben die vier Aktivistinnen getroffen und mit ihnen darüber gesprochen, wie sie die Kunst nutzen, um Brücken zu bauen und Verständnis zu entwickeln.

Was ist BUFU? Und wie habt ihr euch gegründet?
Tsige: BUFU ist ein dezentrales Multimedia-Dokuprojekt, das die kulturellen und politischen Beziehungen zwischen Schwarzen und Asiaten zeigt. Erst war es nur eine Dokumentation, doch wir haben jetzt ein Ort gefunden, an dem aus der Dokumentation handfeste Diskurse manifestieren können.
Katherine: Die Dokumentation ist eine Art Erweiterung unserer eigenen Werke und als politische Arbeit für die Solidarität zwischen Schwarzen und Asiaten zu verstehen, besonders im Umfeld der „Black Lives Matter"-Bewegung. Eine unserer Gründerinnen, Jiun Kwon, hat sich sehr dafür engagiert. Sie ist letzten Oktober völlig überraschend gestorben und wir wussten nicht, ob wir das Projekt überhaupt weiterführen sollen. Aber bei den ganzen Sachen, die gerade passieren, hatten wir das Gefühl, dass diese Debatten nötiger denn je sind. Und viele Leute fühlen sich nicht ausreichend darüber informiert.

Yellow Jackets Collective. Foto: Yeelen Cohen.

Tsige: Ich habe mich lange im Widerstand engagiert, wie dem Black-Live-Aktivismus. Mich hat auch einfach persönlich interessiert, wie wir unter People of Color Solidarität entwickeln können. Die Geschichte zwischen Schwarzen und Asiaten in diesem Land—und global—war schon immer kompliziert. Sie verbindet etwas, aber das ist oft sehr angespannt. Wir teilen nicht dieselbe Sprache. Das gilt einmal wortwörtlich und dann im übertragenen Sinn: Wir wissen nicht, wie wir uns begegnen sollen. Auch wenn Asiaten und Schwarze beide Opfer von Rassismus wurden, war es jeweils eine andere Form des Rassismus. Deshalb fällt es uns schwer, miteinander zu sprechen und Brücken zwischen unseren Communitys zu bauen.
Jazmin: Wir sagen nicht: Das ist der goldene Weg zu mehr Solidarität zwischen Schwarzen und Asiaten. Alles, was wir sagen: So sehen die Erfahrungen der Leute aus und alle haben ihre Berechtigung."

Im Juni habt ihr den Black and Asian Futurity Month veranstaltet. Wie habt ihr das Programm gestaltet?
Katherine: Jeder Tag stand unter einem anderen Motto. Der Sonntag stand zum Beispiel unter dem Motto „BUFU Heals". Morgens gab es ein Capoeira- und Qigong-Übungen, dann Zeit für Mediation und Diskussionen und danach gab es Yoga.
Jazmin: Für die erste Staffel der Dokumentation haben wir über 50 Interviews in mehr als fünf Sprachen aufgenommen. Montags fanden Transkription-Partys statt. Wir haben Tutorials darüber gegeben, wie man professionell transkribiert. Im Gegenzug wollten wir Unterstützung beim Übersetzen von Japanisch, Koreanisch und Französisch.
Katherine: Dienstage standen unter dem Motto BUFU Eats: Beim Abendessen fanden von unterschiedlichen Organisatoren Diskussionen statt. Wir haben dafür mit verschiedenen Catering-Diensten zusammengearbeitet und die Leute gebeten, selbst was mitzubringen. Mittwochs war die Filmnacht, BUFU Films.
Jazmin: Donnerstags war der Tag für BUFU Sessions: politische Lesegruppen, die Studios der Künstler im Residency-Programm standen offen und es gab offene Bühnen. Freitags wurden bei den BUFU Talks Workshops und Podiumsdiskussionen abgehalten. Der Samstag war für Partys und Performances reserviert.
Tsige: Das meiste passierte in Kooperationen, denn es gibt viele Leute, die diesen Diskurs bereits führen.

Foto: Benjamin Lundberg

Wer gehört zu den Partnern?
Katherine: Das Yuri and Malcolm Project. Die haben einen Workshop veranstaltet, wie man politische Briefe schreibt. Und sie arbeiteten an einem Wandgemälde, um die Beziehung zwischen Yuri Kochiyama und Malcolm X zu würdigen. Daneben die CAAAV, die Coalition of Asian Americans Against Violence, das Yellow Jackets Collective, ein Kollektiv aus queeren, asiatischen Femme-Künstlern kuratierte eine Ausstellung. Außerdem das Active Archive of Afro-Asian Solidarity and Kinship, die um Rahmen von BUFU Eats Events präsentierten.
Tsige: Viele Leute haben uns gesagt, dass es keine Orte mehr wie diesen gibt: Orte, an denen sich People of Color organisieren können. Dieser Ort steht allen queeren People of Color offen. Es gibt Künstler-Residency-Programme. Skateboardrampen wären noch cool. Man kann das machen, was einem gefällt. Wir haben für jeden etwas. Ob man über Spiritualität diskutieren möchte. Ob man während einer Jam-Session mit anderen zusammen Musik machen will. Oder ob man am Wochenende feiern will. Ich finde, dass Partys gute Ansatzpunkte sind, um Diskurse zu starten.

bufubyusforus.com

Credits


Text: Blair Cannon
Fotos: Yeelen Cohen
Styling: SoFly Butterfly

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