Winona Forever: Ein Rückblick auf die Ikone der 90er

Das ist die Geschichte hinter einer der verführerischsten und prägendsten Schauspielerinnen unserer Zeit.

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Feb. 15 2018, 11:13am

heathers

Dank Netflix’ Stranger Things durften wir stundenlang in Winona Ryders große, braune Augen schauen. So wunderschön wir das auch fanden, wurden wir gleichzeitig daran erinnert, dass ihre Filmkarriere in den letzten Jahren eher lückenhaft gewesen ist. Ihr Höhepunkt war ein jeder Tag der 90er Jahre, eingerahmt von den Filmen Edward mit den Scherenhänden und Durchgeknallt.

Als das Jahrzehnt vorbei ging, war auch das goldene Zeitalter von Winona zu Ende. Seitdem war sie in Black Swan und als Spocks Mutter in Star Trek zu sehen, aber da war nichts, dass an ihren anhaltenden Erfolg in den 90ern angeknüpft hätte. Was ist passiert? Vielleicht hatte es etwas mit dem Ladendiebstahl von 2001 und dem Kampf gegen ihre Depression zu tun; oder auch damit, dass Hollywood sich weigert, Frauen über 25 gute Rollen zu geben. Wahrscheinlich war es ein bisschen von allem.


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Trotzdem wird Winona immer die Schauspielkönigin der 90er Jahre bleiben. Damals war sie das Vorzeigemädchen für Grunge, und wurde dank der düsteren, romantischen Vision von Tim Burton über Nacht weltbekannt. In Beetlejuice spielte sie den blassen Goth-Weirdo, der zu "Shake Senora" schwebte. Sie war geheimnisvoll und verkörperte die stille Außenseiterin, die sich mit Geeks identifiziert und Underground-Musik hört. Ihre Leinwand-Präsenz war einfach unwiderstehlich – für Burton, uns, und natürlich auch für Johnny Depp, mit dem sie verlobt war, als Edward mit den Scherenhänden 1990 in die Kinos kam.

Sie war gerade erst 19, als ihre Karriere durch die Decke ging. Abseits der Leinwand schrieb die Presse vor allem über Johnny Depps "Winona Forever"-Tattoo und die niedliche Jugendliebe der beiden. Auf der Leinwand wurde ihr Name hingegen schnell zum Synonym für alternatives Indie-Kino. Jugendliche auf der ganzen Welt konnten sich mit ihren Außenseiter-Rollen identifizieren, die voller Angst und gefühlvoller Romantik steckten.

Jeder kann sich an den Moment erinnern, in dem er sich das erste Mal in die Schauspiel-Ikone verliebt hat. Bei manchen war es die Szene, als sie in Edwards tiefschwarze Augen geschaut und ihn gebeten hat, sie mit seinen rasiermesserscharfen Fingern zu umarmen; für andere war es, als sie in Heathers eine Waffe an Christian Slaters Schläfe gerichtet hat. Bei mir ist es passiert, als sie in Jim Jarmuschs Night on Earth Kaugummi-kauend im Taxi durch LA gecruist ist. In dem Indie-Film aus den frühen 90ern hat sie ihr Cap verkehrt herum getragen, sich eine Zigarette angezündet und ans Steuer gesetzt. Dabei trug sie ein lockeres Flannel-Hemd, hatte fettige Haare und ölverschmierte Wangen. Sie sieht darin so aus, als wäre sie gerade von einem Pearl Jam-Konzert gekommen.

Sie hatte den Jahrzehnte prägenden Schlabberlook in diesem Film perfektioniert, doch kein Charakter verkörperte die Quarterlife Crisis der Generation X so gut wie Lelaina Pierce und ihre planlosen Freunde aus Reality Bites – Voll das Leben. Wer sich den Film als Mittzwanziger ansieht, hat definitiv das Gefühl, als würde Winona die eigenen Sorgen über die Zukunft, die schrecklichen Vorstellungsgespräche und die gescheiterten Beziehungen besser kennen als man selbst. Wer hätte gedacht, dass ein Film, bei dem Ben Stiller 1994 Regie geführt hat, die schauspielerische Darbietung hervorbringen würde, die Winonas Karriere krönen sollte? Er ist bewegend, romantisch, herzzerreißend und ehrlich.

Es fällt schwer zu glauben, dass damals im Mainstream Baywatch die höchsten Zuschauerquoten hatte und Alicia Silverstone für klingelnde Kinokassen sorgte. Wo genau war da Platz für eine Schauspielerin wie Winona? Wenn man nach "Schauspielerinnen der 90er" googelt, spuckt einem die Suchmaschine eine Reihe von Sternchen aus: Cameron Diaz, Carmen Electra und Silverstone sind nur einige wenige davon. Die dazu am wenigsten passende Person auf der Ergebnisseite ist Winona mit ihren kurzen, dunklen Haaren, ihrer schneeweißen Haut und ihren strahlenden Augen.

In den späten 90ern hat sie in Woody Allens Celebrity – Schön. Reich. Berühmt. eine Nebenrolle gespielt und in Alien – Die Wiedergeburt eine Androidin. Jeder Regisseur träumte davon, Winona in seinem Film zu haben. Doch sie hatte ihr eigenes Projekt im Kopf. Etwas, das sie schon seit Jahren machen wollte. Im Film Durchgeknallt, in dem sie als Produzentin und Schauspielerin mitgewirkt hatte, verwandelte sie sich in Susanna, eine stark depressive und einsame junge Frau, deren Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik ihr Leben für immer verändern sollte. Für Winona war das eine sehr persönliche Rolle, weil auch sie als Filmstar mit Einsamkeit und Depressionen bestens vertraut war. In einem Interview sprach sie über ihre lähmende Angst: "Ich dachte mir oft, dass ich nicht mehr hier sein will."

Auf die Frage, was sie an der Rolle gereizt hatte, erklärte sie: "Ich fand sie so fesselnd, wunderschön geschrieben, vertraut und intelligent." Was man über den Großteil ihrer Charaktere sagen könnte. Damals war Winona vieles – eine Stilikone, vielseitige Schauspielerin und einmalige Björk-Nachahmerin –, aber ihre Originalität lag in der sorgfältigen Auswahl ihrer Filmrollen und darin, wie diese die Facetten ihres eigenen Charakters widerspiegelten. Aber wir sind optimistisch. Nach Stranger Things und einer anstehenden Fortsetzung von Beetlejuice (bitte lass es gut werden) sieht es ganz danach aus, als würde eine Winonaissance unmittelbar bevorstehen.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.