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ben khan interessiert sich nicht für den scheiß der anderen

Der 22-jährigen Produzenten/Singer-Songwriter Ben Khan redet nicht gerne über seine Musik und lässt seinen wundervollen Synthie-Soul lieber für sich selbst sprechen. Am 04. April kannst du ihn live im Bang Bang Club in Berlin sehen.

von Nardene Scott
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02 April 2015, 6:40am

Seine Debüt-EP 1992 umfasst zwar nur vier Tracks, die es mit ihren wachrüttelnden Tunes über Liebe und das Leben aber in sich haben und die man so schnell nicht wieder vergisst. Obwohl er auf YouTube und Soundcloud mehrere zehntausend Follower hat, weiß man immer noch relativ wenig über Ben Khan …

Wieso die Geheimniskrämerei?
Naja, es gab nie einen magischen Moment, an dem die Musik einfach da war. Es hat sich allmählich entwickelt, wie jeder eben eine Leidenschaft für irgendetwas entwickelt. Als ich jünger war, gehörte ich zu den Glücklichen, die ziemlich genau wussten, was sie machen wollen. Mit 12 begann ich zu realisieren, dass ich Musik über alles liebe. Ich habe nur Gitarre gespielt und mich kaum mit was anderem beschäftigt. Ich war kein Wunderkind oder so was. Ich habe einfach mein Ding gemacht und mit 16 war ich 100 Prozent davon eingenommen. Jetzt bin ich 22.

Du bist auf sozialen Plattformen nicht besonders aktiv, ist das Teil der Geheimniskrämerei?
Nicht wirklich, ich bin einfach kein großer Fan von sozialen Netzwerken. Mich interessiert der Scheiß von anderen nicht wirklich. Es ist eine Schande, dass jemand, der großartig sein könnte, sich in einem Instagram-Bild oder einem Tweet zum Affen macht. Aber natürlich hat es seine positive und negative Seite.

Was inspiriert dich?
Alles! Leute zu beobachten ist toll, ich liebe das. Es macht Spaß und du kannst dich leise über sie lustig machen. Es klingt abgedroschen, aber alles im Leben inspiriert mich, so läuft es eben. Das schrägste Zeug kann dich inspirieren. Filme sind immer für mich wichtig.

Wenn du irgendein Filmcharakter sein könntest, welcher wäre das?
Blade Runner fällt mir ein, aber das ist auch etwas komisch, also sagte ich Jef Costello aus einem alten französischen Film, den ich kürzlich gesehen habe: Le Samourai. Jef ist einer dieser Neo-Noir-Antihelden. Er war eine Inspiration für viele Filme, die man heute sieht, zum Beispiel Drive. Ich weiß nicht, ob ich mich darin wiedererkenne, aber ich wäre manchmal gerne so badass wie der Typ und würde Leute einfach heimlich umbringen.

In welcher Zeit würdest du gerne leben und warum?
Um ehrlich zu sein, bin ich mit dem Jetzt und Hier ziemlich glücklich. Oder einfach in der Zukunft. Warum eigentlich nicht. 

Wie weit in der Zukunft? Gibt es schon Raumschiffe?
Ich weiß nicht, wann es in der Zukunft Raumschiffe geben wird. Das könnte schon in zehn Jahren soweit sein. In 20 Jahren vielleicht. Ich stelle mir vor, wie dann krasser Scheiß abgeht. Ich hätte gerne Hoverboards; ich möchte mein Hoverboard schnappen und einfach rumcruisen. 

Wie in Das fünfte Element?
Ja, das wäre nicht schlecht, solange ich ein Babe wie Milla Jovovich an meiner Seite habe. 

Was ist deine früheste Erinnerung?
Wie die die Deko von einem Schneeman abgebissen habe, ich bin fast daran erstickt. Ich war super jung und ich wusste nicht, was ich tat.

Hast du wiederkehrende Träume?
Ich scheiße auf Traumdeutungen!

...
Es klingt schräg, scheiß drauf, ich erzähle dir von einem Traum. Ich renne durch den Wald, schneller als ich jemals in meinem Leben gerannt bin. Dann komme ich auf eine Lichtung auf einem großen Hügel, alles ist dunkelblau und das Gras ist lila. Ich realisiere, dass ich von einem riesigen Mann verfolgt werde, sein Kopf ist eine Mischung aus Luchs und Wolf und er hat einen großen Dolch. Er wirft mich zu Boden und kratzt mit dem Dolch meinen Rücken auf. Sobald er in mich reinrammt, wache ich auf. Nicht alle meine Träume sind so gewalttätig, aber der ist mir sofort eingefallen.

Wie warst du in der Schule?
Als ich jünger war, war ich ziemlich beliebt und hatte Freunde. Dann habe ich begonnen, Blödsinn zu machen, war ein Arschloch, habe zuviel rumgefickt und die Leute haben begonnen, mich nicht mehr zu mögen. Ich war das Kind, das immer für alles verantwortlich gemacht wurde, obwohl es nicht immer alles meine Schuld war. Dann wurde ich wieder ruhiger und habe einfach mein Ding gemacht. Ich ging auf mehrere Schulen, hatte aber trotzdem Spaß. Ja, so war das. 

Wolltest du jemals was Anderes machen?
Na klar. Ich würde gerne ein paar andere Sachen machen, aber für mich geht es gerade darum, mich auf eine Sache zu konzentrieren und diese dafür wirklich gut zu machen.

Wenn du irgendeinen Moment in deinem Leben noch einmal wiederholen könntest, welcher wäre das?
Das wäre wahrscheinlich einer aus meiner Kindheit, wenn man sich noch um nichts Sorgen machen muss: ein toller Tag im Park oder so. Etwas relativ Normales, das einfach nett ist. 

Wie sollen die nächsten fünf Jahre werden?
Ich will ein deutliches Selbstverständnis von dem, was ich mache, entwickeln. Ich bin mir bei vielen Dingen noch nicht sicher. Ich will ein Album machen, das beständiger ist und ernst genommen wird. In fünf Jahren will ich zufrieden mit meiner Musik und meiner musikalischen Entwicklung sein. Ich hoffe, dass ich etwas zur musikalischen Landschaft betragen kann. Ich möchte einfach kreativ sein und mich keinen Strukturen unterwerfen müssen. 

@benkhan

Credits


Text: Nardene Scott