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das a - z des pop

Von der Diskussion um Authentizität bis zu Zayn Maliks Haaren findest du hier deine Dosis Pop, zusammengestellt von popjustice.com's Features Editor Michael Cragg.

von Michael Cragg
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17 Februar 2015, 9:30am

A wie AUTHENTIZITÄT
Authentizität ist das Kryptonit von Pop. Sobald Popstars die magischen Worte „Ich schreibe meine eigenen Songs" über ihre Lippen gebracht haben, hat sie sie fest im Griff und wird auch als Schlagstock gegen sie benutzt. Von denen nämlich, die es besser finden, einer Aufnahme auf dem Diktiergerät in schlechter Qualität als einem perfekt arrangierten und von Experten produzierten Freudenspender zuzuhören.

B wie BEYONCÈ
Natürlich. Nicht nur aus Göttinnenverehrung, sondern auch was sie der Musikbranche gegeben hat: „Full Beyoncé". Der Begriff, neben „Partial Beyoncé" und „Fauxoncé", wurde von der Website Popjustice nach der überraschenden Blitzveröffentlichung ihres fünften Studioalbums im Dezember 2013 geprägt. Mittlerweile wurde diese Marketingstrategie zum Vorbild für andere Popstars. 

C wie CREDITS
Popfans interessieren sich für die Songcredits. Vor der Veröffentlichung zu wissen, wer was geschrieben hat, kann einem eine Ahnung davon geben, wie sich der Song anhören könnte. Wenn der Sänger (oder Sängerin) als Songwriter aufgeführt wird, und er (oder sie) nicht gerade für ihre textliche Begabung bekannt ist, schrillen die Alarmglocken. Ein Beispiel ist Britney Spears, die ihr achtes Album Britney Jean als „persönlichstes Album" veröffentliche - was es nicht war. Es war einfach scheiße.

D wie DELUXE EDITIONS
Oder die teure Variante eines Albums, die dazu neigt viel zu lang zu sein, manchmal jedoch das beste und interessanteste Material beinhaltet. Deluxe Editons tendieren dazu, andere Bilder auf dem Cover zu haben und wenn du immer noch zu denen gehören solltest, die CDs kaufen (LOL!), bekommst du sie vielleicht sogar in einer speziellen Verpackung.

E wie EVENTUELL MIT SIA ARBEITEN
Popstars der Welt, es passiert sowieso, also wehrt euch nicht. Irgendwann in eurer Karriere werdet ihr einen von Sia geschriebenen Song singen und es wird großartig. Ihr glaubt mir nicht? Dann fragt Beyoncé, Rihanna, Christina, Rita, Katy, Celine, Britney, Kylie, Shakira und, ähm, Cheryl Fernandez-Versini.

F wie FEATURES
Popstars sind auch einsam. Sie laden sich oft enge persönliche Freunde, ob Pitbull oder Nicki Minaj, ins Studio ein, wo sie eng miteinander arbeiten, um etwas Einzigartiges zu kreieren, was das beste in beiden hervorbringt. Oder sie klatschen noch einen Rapper mit in den Song, um einen Hit zu landen (Katy Perry), tun im Video einen auf Lesbe (J.Lo) und zehren von der Starpower der anderen Musiker in der Hoffnung, dass etwas davon an ihnen kleben bleibt (Jessie J. und „Bang Bang").

G wie GETTING OLD
Pop existiert in der Gegenwart, also macht es schon irgendwie Sinn, dass vieles in der Popbranche mit dem Alter zu tun hat. BBC Radio 1 entscheidet nach dem Alter der Fans, ob und was gespielt wird (Kylie ist draußen, Foo Fighters sind drin). Urteile werden härter, wenn ein (gewöhnlich weiblicher) Popstar ein bestimmtes Alter erreicht hat. Die treibende Kraft der Popmusik ist aber immer noch der Song, der das Alter nebensächlich macht, wenn er zum Klassiker wird (siehe „Believe" von Cher, „Hung up" von Madonna, „#Beautiful" von Mariah Carey und so weiter).

H wie HAARE
Ein Popstar muss tolles Haar haben, nicht umsonst heißt es „Star". Im Zweifelsfall: Setz einen Hut auf.

I wie INSTAGRAM
Früher haben sie sich auf Twitter zum Deppen gemacht, heute toben sie sich auf Instagram aus. Der Feed von Miley Cyrus ist eine Ansammlung von bunter Malen-nach-Zahlen-Kunst, Betten voller Hunde und skurrile halbnackte Selfies. Madonnas ansonsten so kontrolliertes öffentliches Image bekam einen Kratzer, als sie fast jeder historischen Figur schwarze Schnüre übers Gesicht retuschiert hat.

J wie JANET JACKSON
Bitte komm zurück.

K wie KEEPING IT UNREAL
Bitte kein „Mädchen/Junge von nebenan"-Getue mehr. Ich persönlich möchte nicht, dass mein Lieblings-Popstar wie ein Normalo im Supermarkt aussieht. Ich will, dass er lächerliche Outfits trägt, Unsinn von sich gibt und auf uns Sterbliche verächtlich hinunterschaut. Popstars sind dazu bestimmt, Aliens mit perfekter Maniküre zu sein. WARNUNG: Das funktioniert aber nur, wenn die Songs gut sind. Andernfalls sind sie nur Idioten mit einer Flamingo-Mütze im Supermarkt.

L wie LEAKS
Leaks sind einfach Teil von Popmusik im Jahr 2015. Es ist sogar nichts Neues. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, dass ich damals in den Unweiten des Internets nach der geleakten Version von Britneys „Gimme More" gesucht habe. Das ganze Thema wurde wieder aktuell, als vor Kurzem 34 Madonna-Demos im Internet aufgetaucht sind, die Mehrzahl sogar bevor sie ein neues Album angekündigt hat. Leaks passieren nun mal. Was heutzutage wichtig ist: Wie man damit umgeht.

M wie MANAGEN VON ERWARTUNGEN
Pop ist eine Klassengesellschaft. Es gibt die Megastars der alten Schule, wie Madonna, die immer berühmt sein werden, ungeachtet zurückgehender Verkäufe. Dann gibt es die modernen Megastars wie Rihanna oder One Direction, die gut verkaufen, Konzerte auf der ganzen Welt geben und deren Popularität auch in YouTube-Views, Twitter-Follower und Facebook-Likes gemessen werden kann. Darunter existieren die blog-freundlichen Popstars, die auf Straße kacken können und keiner würde es mitbekommen. Es ist einfach blöd, rumzujammern, dass Kylie keine Top-Ten-Hits mehr hat, sich darüber Sorgen zu machen, dass One Direction nicht mehr neun Nummer-Eins-Hits nacheinander produziert oder auszurasten, weil die neueste Kollaboration von Robyn es nicht in die Top 40 geschafft hat. Die Zeiten ändern sich nun mal. 

N wie NOSTALGIE
Die Show „Big Reunion" des britischen Senders ITV ist für vieles verantwortlich. Seit es die Show 2013 gibt, ist die Popnostalgie in vollem Gange. McFly und Busted haben sich als McBusted zusammengetan, S Club 7 bespielen wieder Arenen, All Saints erlebten ein kurzes Comeback und sogar Atomic Kitten sind auf Welttour (Welt bedeutet hier Deutschland und Großbritannien). Es ist wahrscheinlich die Zeit gekommen, das alles wieder aufhören zu lassen. Wenigstens bevor EYC wieder zurückkehren.

O wie das „ON-AIR-ON-SALE"-MODELL
Anfang 2011 in Großbritannien von den großen Labels eingeführt, sollte das Modell die Piraterie eindämmen, wurde aber nie zum Erfolg. Bereits im Sommer desselben Jahres verabschiedete Sony sich von dieser Herangehensweise, weil die Radiosender nur widerwillig Songs spielten, die nicht von ihnen groß gemacht wurden. Oder so in die Richtung. Es ist alles sehr verwirrend und keiner blickte so richtig durch. Einige Labels benützen On-Air-On-Sale immer noch, so zum Beispiel „Shake It Off" von Taylor Swift, das gleichzeitig erschien und gekauft werden konnte und wo es funktioniert hat.

P wie PRE-CHORUS
Der Pre-Chorus ist die Brücke zwischen Strophe und dem Refrain, die die Eindringlichkeit steigert und deinen Magen zum Drehen bringt. Es ist der akustische Feenstaub. Manchmal ist der Pre-Chorus wie der eigentliche Refrain (siehe „Dark Horse" von Katy Perry) und manchmal (siehe „Chandelier" von Sia) ist er so gut wie der richtige Refrain, der danach folgt.

Q wie QUARTALE
Die Musikindustrie findet es leichter, sich nach Quartalen auszurichten. Q1 (Januar bis März) war traditionell die stillere Zeit, in der bald-arbeitslose Künstler einen Top-10-Hit mit 600 verkauften Platten landen konnten. Q2 ist der Zeitraum, in dem gewöhnlich Nachfolgealben veröffentlicht werden, falls das erste Album leicht hinter den Erwartungen zurückblieb. Q3 wird eher von Bands dominiert, die auf Festivals spielen. Das vierte Quartal ist das Quartal, bei dem Popfans feucht werden, weil die richtigen Megastars ihre neuesten Werke veröffentlichen. Leider war Q4 2014 ein totaler Reinfall, hauptsächlich wegen Rihanna, die Q1 zum neuen Q4 gemacht hat.

R wie RIHANNA 
Siehe oben. Das waren wir: geduldig auf das neue Album wartend, während Rihanna auf Magazincover abgelichtet wird, über Shepherd's Pie redet, Clips aus dem Studio veröffentlicht und dann absolut nichts weiter gemacht hat. Aber sie darf sowieso alles, weil sie nun mal Rihanna ist, der definitive Popstar des letzten Jahrzehnts und die einzige Person, bei der Popstar-Sein wie der beste Job der Welt wirkt.

S wie zeitverSETZTE Veröffentlichungen (Habt Nachsehen)
Die Majorlabels scheinen mit Großbritannien ein Problem zu haben. Wir warten geduldig, während der Rest der Welt schon Monate im Voraus einen Song oder ein Album genießen darf. Sucker von Charli XCX zum Beispiel: In Amerika seit Dezember erhältlich, ist es in Großbritannien erst im Februar erschienen. Dasselbe mit Songs: Das aktuellste und lächerlichste Beispiel ist „Chandelier" von Sia. Die Premiere war im März letzten Jahres, aber die Single konnte erst im Juni in Großbritannien gekauft werden.

T wie TEASER
Von Video-Countdowns zu Song-Ausschnitten und zu Albumtitelenthüllungen auf Twitter - Pop kommt nicht oft auf den Punkt. Social Media hat dem Auf-die-Folter-Spannen des Publikum eine ganz neue Dimension gegeben (die ganzen Hashtags!). Die gewünschte Begeisterung wird durch die Tatsache negiert, dass die meisten Leute buchstäblich keine Zeit für den Scheiß haben.

U wie ULTRAVIOLENCE
So wie das Album der launischen Chanteuse Lana Del Rey. Das Nachfolgealbum zum Megaerfolg Born To Die ist hier aufgeführt, weil es für etwas steht. Manchmal kann ein Album so groß und so wichtig sein, dass ihm nur schwer etwas folgen kann. Entweder man schlägt genau denselben Weg ein und wird zur Karikatur oder man wandelt es leicht ab und macht ein Album, das einen als Künstler wieder neu bestimmt. Gerüchten zufolge soll Lanas nächstes Album Honeymoon wieder zu dem Noir-Sound ihres Debüts zurückkehren. Sie brauchte eben auch nur mal eine kleine Auszeit.

V wie VARIOUS ARTISTS
Albumverkäufe sinken, aber keine Sorge, denn die Liebe nach Einzelsongs hat zum Superstar-gefüllten Soundtrack-Album geführt. Letztes Jahr kuratierte Lorde den Tribute-von-Panem-Soundtrack und mit dabei waren Kanye, Ariana Grande und Charli XCX. Letztere singt auch auf dem Soundtrack zu einem Animationsfilm mit Rihanna, der bald erscheinen wird. Außerdem ist da ja auch noch die musikalische Begleitung zur S&M-Olympiade Fifty Shades of Grey mit Beyoncé, Ellie Goulding und Jessie Ware.

W wie WALKING
Der perfekte Popstar-Walk ist essentiell. Ein Popstar läuft so, als ob er nie etwas Anderes gemacht hat und er versprüht dabei einen fast illegalen Sexappeal.

X wie X FACTOR
X Factor hat der Welt Leona, One Direction, ähm … Olly Murs und warte … ja auch Alexandra Burke gegeben! Union J! Gab es da nicht noch Sam Bailey? Der Typ, der ein klassisches Weihnachtsalbum gemacht hat. Einfach gesagt: X Factor hat uns guten Pop gegeben. 

Y wie YAAAAAAAS
Dieser Beitrag dreht sich eigentlich um sogenannte „Stans" (Zusammensetzung aus Stalker und Fan), aber ich hatte schon den Beitrag unter „S" geschrieben. Sorry. Einfach gesagt ist „YASSSSS" der lang gestreckte Sound, den ein bestimmter Superfan (oder Stan) von Lady Gaga in ihre Richtung ruft. (Hier gibt es ein lustiges Video der besten YAAAS-Momente.) Es wurde zum Standard-Reply, wenn ein Popstar auf Twitter auftaucht, manchmal begleitet von „Slay", „Sit on my face", „Kill me and then bring me back to life and then kill me again" oder „Come to Brazil". Lasst uns ehrlich sein, es ist echt anstrengend.

Z wie ZAYN
Die Haare! Die Schmollstimme! Die zwei linken Füße! Schreckliche Tattoos! Zayn könnte in den nächsten Jahren der Underdog der Popmusik werden. Also achtet auf ihn!

Credits


Text: Michael Cragg
Foto: Mark Lebon
[ Aus The Sexsense Issue, No.15, Mai 1984] 

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