als new yorker den trump tower gestürmt haben

Jeremy Liebman hat die Proteste gegen den neu gewählten US-Präsidenten für uns dokumentiert.

von Alice Newell-Hanson
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11 November 2016, 8:26am

Michael Moore ist am Abend der Wahl aus der Masse am New Yorker Union Square herausgestochen. Das lag zum einen daran, dass er im November kurze Hosen trägt und seine blassen Beinen im Regen und in der Dunkelheit für jeden sichtbar waren. Zum anderen lag es aber auch daran, dass er älter war als die vielen Tausenden Demonstranten, die sich dort versammelt hatten, um zum Trump Tower zu ziehen. Und: Michael Moore war eine der wenigen, der diesen Ausgang vorausgesagt hat.

„Großbritannien hatte seinen Brexit und das war unser Brexit", sagte er einer Gruppe von Schaulustigen, die sich um ihn herum mit ihren Telefonen versammelt hatten. „Aber Großbritannien hat für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt; Amerika hat für den Austritt aus Amerika gestimmt." Dann hat er sein Telefon hochgehalten, um diesen Abend live auf Facebook zu streamen und festzuhalten, wie die Welle an Demonstranten Richtung Broadway läuft. Es wurden Schilder in die Höhe gehalten, auf denen „Dump Trump" oder „Black Lives Matter" stand, und die Menschen sind auch Arm in Arm und Hand in Hand gelaufen. Wir haben „Pussy greift zurück!" und „Hey ho, Donald Trump muss weg!" und „Nicht unser Präsident!" geschrien. 

„Ich hoffe einfach, dass die Menschen das sehen", sagt Monica, eine Demonstrantin neben mir. „Ich hoffe, dass die Nachrichtensender das auch übertragen und es nicht wie 2004 oder 2000 ist, wo wir vergessen wurden. Wir lassen unserer Wut freien Lauf. Wir werden weitermachen." Ihr Freund Ben sagt mir, dass er hier sei, um den Leuten zu zeigen, dass sie nicht irre sind, wenn sie sich unwohl und falsch verstanden fühlen.

Nördlich von Madison Square versucht die Polizei, an ihren Gürtel hängen Plastik-Handschellen, die Demonstration auseinanderzutreiben, der Zug bahnt sich seinen Weg durch 30th Street zum Broadway. Elizabeth, 26 Jahre alt, mit einem neongrünen Schild und einem Nasenring, sagt mir: „Wir dulden keinen rassistischen, homophoben, sexistischen und ausländerfeindlichen Bigotten im Weißen Haus. Nur weil er die Wahlen gewonnen hat, werden nicht nicht mehr nicht auf die Straße gehen und gegen all das kämpfen, wofür er steht."

Wie so viele andere, mit denen ich gesprochen habe, ist ihr wichtig, dass dieser Protest nur der Anfang sei. „Wir werden von heute an bis er das Weiße Haus verlässt, aktiv bleiben", sagt sie.

Am Herald Square sehe ich, wie ein junger Mann mit einem Beanie und Stan Smith-Sneaker von einem Polizisten auf dem Boden festgehalten wird. „Hier gibt es nichts zu sehen", schreien die Polizisten zu den Demonstranten, die diese Szene mit ihren iPhones aufnehmen. Eine Frau mit silbergrauen Haaren und einen Regenmantel in Leoparden-Print fragt die Polizisten, wo in der Nähe die nächste Bushaltestelle ist. Ein älteres Paar, ganz in Pelzmäntel gekleidet, bahnt sich seinen Weg durch die Masse und ruft „Junge Leute", ganz so wie die Bösewichte in einem Cartoon.

Weiter in Richtung Uptown, wo die Geschäfte schon die Weihnachtsdeko herausgeholt haben und alles funkelt, versucht die 20-jährige Faith ihre Angst in Worte zu fassen. „Ich habe eine Freundin und ich habe Angst davor, dass in den nächsten zwei Jahren die Homoehe wieder abgeschafft wird. Diese Gedanke ist schrecklich. Ich habe Freunde, die Einwanderer sind, ich habe Angst davor, dass ihre Familien das Land verlassen müssen", sagt sie mir. „Alles, wofür Trump steht, ist konträr zu dem, wofür die Millenials stehen. Wir sind die nächste Generation politischer Führung. Wir verdienen so eine Zukunft nicht."

An der Kreuzung 5th Avenue und 54th Street stoppt der Zug. Der Trump Tower, 56th Street, wird von der Polizei geschützt. Wir halten an, wir schreien und wir singen. Eine Frau mit freiem Oberkörper und einer schwarzen Skimaske steht über einem Kanaldeckel. Ihr Oberkörper ist voll mit roter Farbe und sie ballt ihre Faust in den Himmel, als die Masse „Hey ho, weg mit sexueller Gewalt" ruft. Andere Leute klettern auf Baugerüste. Eine Gruppe von Frauen, eine davon trägt ein „Queer as in fuck you"-Schild, trommeln und singen. Sie versprechen, dass sie nicht eher aufhören werden zu demonstrieren, bis nicht „eine echte Revolution anfängt."

„Er hat es nicht verdient, unser Land zu führen. Er repräsentiert nicht unser Land. Er ist ein Stück Scheiße", sagt Alicia, die die Sprechchöre mit dem Megafon anführt. Sie fügt noch hinzu, dass sie eine Botschaft der „Liebe" aussenden will. „Amerika steht geschlossen und Amerika wird durch diese beschissene Zeit kommen und zusammenwachsen", erklärt sie weiter. „Die Zukunft wird besser."

Credits


Text: Alice Newell-Hanson
Fotos: Jeremy Liebman

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