Foto mit freundlicher Genehmigung von OTOCYON

Diese russischen Modedesigner solltest du dir merken

Wir waren auf der Fashion Week in Moskau und haben mit dem Nachwuchs über Schönheitsideale und Matrix Reloaded gesprochen.

von i-D Staff
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17 April 2019, 8:06am

Foto mit freundlicher Genehmigung von OTOCYON

Denkt man an Russland schießen einem sofort Dinge wie das legendäre Bolshoi Theater, die feministische Band Pussy Riot und die Underground-Party Kisloty in den Kopf. Leider kommen unweigerlich auch negative Assoziationen auf: Schlagzeilen über korrupte Oligarchen, Homofeindlichkeit und diskriminierende Haltungen. Doch Hindernisse regen oft dazu an, kreativ zu werden. Zumindest zeigt das die diesjährige Mercedes-Benz Fashion Week Russia, die eine neue Welle russischer Designer ins Scheinwerferlicht rückt – auch wenn der Weg dorthin nicht unbedingt einfach war.

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Foto mit freundlicher Genehmigung von Hovanskie

"Junge Designer in Russland haben Schwierigkeiten, selbst etwas auf die Beine zu stellen", sagt das Designer-Duo Hovanskie, das erst 2017 von den Zwillingen Ilya und Nikita Hovanskie gegründet wurde. Ihr ironisches, genderneutrales Label lässt sich mit seiner 2000er Ästhetik irgendwo zwischen Matrix Reloaded und modernem Büro Chic verorten. Eine Ästhetik, die sich auf die eigene Kindheit und Jugend der Brüder zurückführen lässt. "Wir haben unsere Mutter damals beobachtet, wie sie sich fertig gemacht hat", erzählen die beiden. "Und nie wirklich verstanden, wie sie es geschafft hat, so schön auszusehen, während sie uns großzieht und gleichzeitig noch arbeiten geht." Hypnotisiert von MTV und Sendungen wie America’s Next Topmodel wollte das Duo seine eigene Vision von Schönheit in die Welt tragen.

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Foto mit freundlicher Genehmigung von OTOCYON

Doch wenn es um die Vorstellung von Schönheit geht, spalten sich bekanntlich die Meinungen. "In Russland gibt es sehr idealisierte Schönheitsideale", erzählt Lesya Volchok-Rusakovich, Modedesignerin hinter dem Label OTOCYON. "Das Klischee, russische Frauen seien die besten Hausfrauen der Welt und sehen dabei auch noch wunderschön aus, ist leider immer noch weit verbreitet." Diesem Stereotyp möchte die 26-Jährige mit ihrer Kollektion BODY entgegenwirken. Eine Armee von Anti-Models zwischen 14 und 62 stürmten in beigen Bodysuits den Laufsteg. "Je älter ich werde, desto mehr versuche ich, zu verstehen, was mit meinem Körper passiert", so die Designerin.

Lesya geht es um Sisterhood. Um eine Gemeinschaft, die mit ihrer "zusammen gegen den Rest der Welt"-Attitüde ein Zeichen setzt. "Du musst wirklich daran glauben, was du machst", fährt die Russin fort. "Es geht nicht einfach nur um Kleidung, sondern um die Botschaft dahinter."

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Foto mit freundlicher Genehmigung von Alkhanashvili

Dass Schönheit kein universelles Konzept ist, weiß auch die russische Modedesignerin Luiza Alkhanashvili. Ihre brutalistische Menswear-Kollektion ugly erinnert an eine Mischung aus dekonstruiertem Post-Punk und Edvard Munch – und fordert den Beobachter heraus, mehr über das Konzept von Schönheit nachzudenken. "Dinge, die im echten Leben als hässlich abgestempelt werden, können durch die Kunst, durch die Augen von jemand anderem, plötzlich in ein komplett neues Licht gerückt werden", erklärt die junge Designerin. "Für mich existiert das Konzept von Schönheit nicht, weil alle für sich entscheiden, was als schön wahrgenommen wird und was nicht."