Fotos: Svenja Trierscheid

So sieht die Transformation vom Teenager zur Drag Queen aus

Das südafrikanische Model Brandon Browne erzählt, welchen Chancen und Herausforderungen junge Queens begegnen.

von Dana Hajek
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09 Juli 2019, 10:34am

Fotos: Svenja Trierscheid

"Eden Coxx hat ihre eigene Persönlichkeit. Wir sind derselbe Mensch – und doch komplett anders", erklärt Brandon Browne." Ich wünschte, ich hätte Edens Selbstvertrauen, komplett sie selbst zu sein." Schon mit 16 Jahren entdeckte das südafrikanische Model sein Interesse für die Kunst der Verwandlung. "Die Rocky Horror Picture Show war meine erste Begegnung mit der Drag-Kultur", erzählt Brandon, "danach war Manila von Teez meine Inspiration und gab mir den Mut, endlich vor Menschen zu performen." Doch bis es soweit war und Brandon offiziell als die geheimnisvolle Eden Coxx in Kapstadts Nachtleben eintauchte, verging fast ein Jahr.


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Die Transformation dauert jedes Mal mehrere Stunden – sitzt er an einer komplizierten Frisur, kann sie sogar einen kompletten Tag lang dauern. "Make-up, lange Nägel, Perücken, High-Heels und Tucking (dt. den Schritt abschnüren) sind manchmal eine echte Tortur", sagt Brandon. Hinter einer Drag-Performance steckt unglaublich viel Geschick und aufwendige Arbeit: "Ich verbringe bis zu einer Woche damit, Konzepte auszudenken, das Lipsync vorzubereiten und eine Routine zu finden." Besonders wichtig ist es ihm dabei, mit den bestehenden Klischees aufzuräumen. "So viele Leute denken, dass Queens ein ganz bestimmtes Bild von Weiblichkeit darstellen müssen. Dass du deine Beine rasieren, Nagellack oder eine Perücke tragen musst. Es ist sexistisch, anzunehmen, dass alle Frauen genau so aussehen müssen."

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Foto: Svenja Trierscheid

Aber Brandon muss sich nicht nur gegen Diskriminierung wehren, wenn er als Drag unterwegs ist, sein gesamter Alltag wird davon bestimmt. "Es ist unvorstellbar schlimm für QPOC, durch Kapstadt zu laufen. Erst letzte Woche wurde ich auf der Straße mehrere Male als 'Schwuchtel' beschimpft", erzählt er. Wegen seiner queeren Identität blieben Brandon viele Chancen verwehrt. In Südafrika ist Homofeindlichkeit noch immer tief in den Köpfen der Menschen verwurzelt. Die Frustration darüber findet in seiner selbstbewussten Performance von Eden Coxx ihren befreienden Ausdruck.

Seine Drag Persona ist Teil einer queeren Underground-Szene, die immer mehr Wege und Orte gefunden hat, sich auszudrücken, zu existieren. Die Drag Queens von Kapstadt standen Brandon zu jeder Zeit, in jedem Moment bestärkend zur Seite. "Auch meine Freunde und Familie haben mich immer unterstützt", meint Brandon. “Meine Mutter ist mein größter Fan."

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Foto: Svenja Trierscheid

Damit kann sich der junge Südafrikaner glücklich schätzen, denn familiärer Support ist häufig keine Selbstverständlichkeit: Viele Queens bekommen keine Hilfe von ihren biologischen Familien, sondern erschaffen mit anderen Drags ein neues Zuhause, in dem sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen miteinander teilen können. "Jede Queen sollte ehrlich und freundlich sein", betont Brandon. "Güte und Herzlichkeit ist das, was die Community gerade mehr braucht als alles andere."

Fotografin Svenja Trierscheid hat Brandon in Kapstadt getroffen und ihn bei seiner Verwandlung begleitet:

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Foto: Svenja Trierscheid
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Foto: Svenja Trierscheid
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Foto: Svenja Trierscheid