Was macht uns aus? Worüber definieren wir uns? Darüber haben wir mit Anuthida  Ploypetch gesprochen

In den letzten Jahren hat sich bei Anuthida viel verändert. Uns hat sie erzählt, wie es zu diesem Wandel gekommen ist.

von Julika Reese
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07 April 2022, 7:49am

Die eigene Identität wirkt auf andere oft wie ein kompliziertes Puzzle, für das man auch mal Teile zusammensetzen muss, die auf den ersten Blick nicht zueinander passen. Genau damit setzt sich die neue „Always Original“ Kampagne von adidas auseinander und zelebriert Weiblichkeit und ist eine Hommage an unsere Originalität. Wir haben mit der angehenden Schauspielerin und Fotografin Anuthida Ploypetch, einer Protagonistin der Kampagne, über Selbstwert, ihre Ausbildung zur Schamanin und überraschende Lieblingsorte in Berlin gesprochen.

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Identität ist das Gegenteil von eine Rolle spielen, wer sich nicht immer nur mit anderen vergleicht, lernt wirklich etwas über sich selbst. Was hast du in den letzten Jahren über dich gelernt?
Dadurch, dass ich in Bangkok geboren bin, meine Eltern Thais sind, ich aber in Deutschland groß geworden bin, bin ich mit zwei Kulturen aufgewachsen, die eigentlich überhaupt nicht zueinanderpassen und oft kollidieren. Lange Zeit habe ich mich in der Mitte von beidem und etwas zerrissen gefühlt, bis ich mich für die europäische Seite entschieden habe, weil ich mich mit den Werten mehr identifizieren konnte. Thailänder sind sehr beschützend, es gibt viele Regeln und oft wenig Bewegungsfreiraum. In der letzten Zeit versuche ich, mich der Kultur trotzdem wieder mit Liebe, Verständnis und Neugier zu nähern. Was mir dabei geholfen hat, war Thailand im Winter mit meinem Freund das erste Mal auch außerhalb von Bangkok zu erkunden. Ich kannte bis dahin nur die Großstadt, mit all den Hochhäusern und überfüllten Straßen – manchmal hatte ich das Gefühl, dort keine Luft mehr zu bekommen.

Die Natur hat also dein Verhältnis zu Thailand geheilt?
Als wir in Hua Hin waren, haben wir Tempel besucht, lagen viel am Strand herum und sind mit dem Scooter durch die Gegend gefahren - dabei haben wir uns uns ganz intuitiv leiten lassen und Orte entdeckt, die man nicht mal bei Google Maps findet. Die Naturbezogenheit der Menschen hat mich beeindruckt und auch mit Thailand versöhnt. Obwohl ich mich gerade im Politischen mit vielem nicht identifizieren kann, bin ich dort eben trotzdem verwurzelt. Ich versuche jetzt zu schauen, was ich aus dieser Verbindung mache.

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Was ist deine persönliche Auffassung von Originalität? Wie würdest du das für dich definieren?
Originalität heißt, dass du etwas Ursprüngliches aus dir selbst manifestierst und zu deiner eigenen Essenz findest. Wer bin ich ohne gesellschaftliche Normen, die mir aufgezwungen werden? Ich habe mich in den letzten Jahren von vielen Etiketten befreit und versuche, ein Leben ohne Angst und Scham zu leben.

Und was bedeutet Kreativität für dich?
Wir denken ja oft, kreativ ist nur, wer ein großes Kunstwerk erschafft, aber ich versuche auch in alltäglichen Handlungen Kreativität zu sehen. Für mich kann ein gutes Essen oder ein intensives Gespräch genauso mit Originalität und Fantasie zu tun habenEigentlich ist das ganze Leben ein Kunstwerk.

Das Schöne ist ja, niemand muss sich heute endgültig auf eine Identität festlegen, Grenzen sind fließend, man kann sich immer wieder neu entscheiden und definieren.
Genau, ich stelle immer wieder fest, dass mein Umfeld oft verwirrt ist, weil sich bei mir selbst in kürzester Zeit viel ändert: Ich ziehe um, trenne mich, fange mit einer Schule an, breche sie wieder ab, mache bald eine schamanische Ausbildung und merke, dass mich die Auseinandersetzung mit Spiritualität momentan viel mehr fasziniert, als irgendeine Fashion Week. Es gibt eben verschiedene Phasen im Leben, alles ist in ständiger Bewegung.

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Du hast dich ja in den letzten Jahren ja auch optisch verändert…
Die Waller-Waller-Mähne ist auf jeden Fall ab, das ist recht offensichtlich. Mit den langen Haaren hatte ich das Gefühl, in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden, in der ich überhaupt nicht sein wollte und mich so auch nicht gesehen habe. Dann hatte ich eine Kurzhaarfrisur, die viele mit einem 70s Style assoziiert haben, der auch nicht richtig gepasst hat. Eine Glatze wollte ich hingegen schon immer mal haben. Als ich meinen Kopf rasiert habe, konnte ich spüren, wie in dem Moment etwas Altes von mir abgefallen ist - viel mehr als nur Haare - und mich befreit hat. An dem Abend habe ich mir seit langem wieder wirklich in die Augen geblickt, auch weil es da nichts mehr gab, hinter dem ich mich verstecken konnte. 

Das klingt sehr ehrlich mit dir selbst.
Für mich kommt Style von innen nach außen und ist eher eine Attitüde, man kann den gleichen Pullover ja eher sexy oder eher nachlässig tragen – es kommt eben darauf an, was wir selbst in dem Moment empfinden. Meine Klamotten sortiere ich schon länger nach Farben, weil ich davor vollkommen reizüberflutet war, Outfits wähle ich übrigens nach den planetarischen Einflüssen aus.

Nach den planetarischen Einflüssen? Das musst du uns bitte genauer erklären.
Der Montag ist dem Mond gewidmet, deshalb trage ich an dem Tag eher milky colours wie Silber. Mittwoch gilt als Tag des Merkur, ich kleide mich daher eher blau und grün. Für mich ist das allerdings sehr spielerisch und nur ein Anstoß der Inspiration. Es geht mir schon lange nicht mehr darum, nur das hotteste Outfit anzuhaben, sondern vor allem etwas zu tragen, worin ich mich wohlfühle.

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Kannst du uns noch erzählen, wie du Erfolg definierst? Was bedeutet das für dich?
Es bedeutet, das Leben außerhalb von Materialitäten zu definieren, positive Lebensenergie zu haben und ist bestimmt nicht nur auf den Beruf fokussiert. Ich will mich nicht durch äußere Umstände definieren, sondern mit mir und meinen Mitmenschen im Einklang sein. Es ist auch kein Ziel, das man so einfach erreichen kann, sondern ein ständiger Prozess. In einem Satz: Erfolg bedeutet für mich, sich für sich selbst zu entscheiden. 

Du wohnst jetzt seit einigen Jahren in Berlin. Welche Orte inspirieren dich? Wo hältst du dich gerne auf?
In Pankow! Am liebsten bin ich dort im Botanischen Volkspark und obwohl ich keine große Caféhockerin bin, gibt es dort ein charmantes Gewächshaus, in dem auch ein Café ist, das mir gut gefällt. Ich bin die letzten Jahre beruflich so viel gereist und oft umgezogen, mein Leben war chaotisch und obwohl ich immer unter Menschen war, habe ich mich einsam gefühlt. Privat erforsche ich deshalb gern Orte, an denen man dem Großstadtdschungel und dem Lärm entfliehen kann und verschwinde tief in der Natur. Ich genieße die Ruhe, erkunde Seen, im Winter war ich sogar öfter Eisbaden. Früher bin ich auch in Clubs gegangen, aber been there, done that. Draußen zu sein, gibt mir ein Gefühl von Freiheit und Grenzenlosigkeit.

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