Raul Lopez und LUAR setzen für SS22 auf queere softness

Der Gründer des New Yorker Labels LUAR und Hood By Air spricht über seine neueste Kollektion und seine pre-Tumblr Punk Inspirationen.

von Mahoro Seward
|
30 Dezember 2021, 11:18am

Diese Geschichte ist aus i-D’s Out Of The Blue issue, no. 366, Winter 2021. Hier bekommst du dein Exemplar.

Kaum ein Label verkörpert das wahre New York besser als LUAR. 2011 von Raul Lopez - neben Shayne Oliver einer der Gründer von Hood By Air – gegründet, vereint es Sportswear, asymmetrische Schnitte und Denim und ist stets eine Ode an die Stadt, in der Raul geboren und aufgewachsen ist. Nach einer zweijährigen Auszeit kehrte er mit LUAR in der letzten Saison zur New Yorker Fashion Week zurück, worüber er mit uns gesprochen hat.

raul lopez trägt Shorts und ein Top, er trägt außerdem eine Diamantenkette
Raul trägt ein Tanktop von CALVIN KLEIN, Shorts LUAR, Schlumberger® Ohrringe mit Diamanten und 18k Gold, Diamantarmband aus 18k Gold und Platinum, Diamantkette aus der Blue Book Collection und Diamantring mit über sechs Karat von TIFFANY & CO

Lass uns als Erstes über die Rückkehr von LUAR zur New Yorker Fashion Week sprechen. Selbst über den Bildschirm konnte man die Energie während der Show fühlen.

Aww! Genau das wollten wir vermitteln, auch für alle, die nicht physisch dabei sein konnten. Es war so ein fantastisches Gefühl, rauszugehen und alle endlich wieder zu sehen. Die Leute haben geweint! Es war der Wahnsinn, so etwas habe ich noch nie erlebt.

Alle Leute, mit denen ich gesprochen habe, meinten einstimmig, sie hätten echte Elektrizität in der Luft gespürt.

So habe ich mich innerlich auch gefühlt. Es war irgendwie von einer Auster inspiriert - ich bezeichne mich auch selbst gern als Auster. Ich habe dieses harte Äußere, viele Leute fühlen sich durch meine Kleidung oder mein Auftreten eingeschüchtert, aber wenn man mich wirklich kennt, weiß man, dass ich im Inneren sehr weich bin. Durch die Pandemie musste ich eine Zwangspause einlegen und hatte am Anfang richtig Panik, denn ich habe seit 2005 und dem Beginn von Hood By Air keine mehr gemacht. Deshalb war ich auch so aufgeregt, endlich wieder an einer neuen Kollektion arbeiten zu können.

Lass uns noch weiter über die Kollektion sprechen, was war dein Ausgangspunkt für diese Saison?

Ich wollte vor allem meine Kindheit verarbeiten. Ich bin in einer wirklich schwierigen Gegend von New York aufgewachsen, in der es nicht cool war, queer oder dunkelhäutig zu sein. Ich musste mir ein hartes Image aufbauen, weil ich so viel Angst hatte, beleidigt zu werden. Mit der Kollektion will ich zeigen, dass man jede noch so düstere Situation überwinden und zu einer wunderschönen Perle werden kann. Während meiner Pause war ich an einem Abend mit Shayne zusammen und er meinte: “Fuck everybody! Sie werden uns nie kriegen. Wir müssen uns selbst treu bleiben. You’re a cha cha girl, you’re Latina! You need to be that girl who just owns your own self.” Ich weiß nicht, ob er sich daran noch erinnert, aber es hat wirklich etwas in mir ausgelöst.

LUAR verbindet man instinktiv mit New York. Wie würdest du das New York beschreiben, in dem das Label entstanden ist?

Ich bin in New York geboren und aufgewachsen und habe immer versucht, in jede Gruppe zu passen. Ich bin im Ghetto aufgewachsen und war eines dieser Kids, das von Williamsburg nach Downtown über die Brücke lief, weil die Leute dort wo ich wohnte, nichts verstanden haben. Wir fuhren den West Side Highway hinunter, wenn wir meine Großmutter in der Bronx besuchten und ich sah all diese queeren Kids und Transfrauen und dachte: "Oh mein Gott, was zum Teufel ist das?" Aber ich wusste, dass ich diese Szene eines Tages finden würde und so war's dann auch. Irgendwann habe ich die Kunst- und Modeszene für mich entdeckt. Shayne habe ich in der Christopher Street kennengelernt, als wir beide noch Teenager waren. Telfar habe ich mit ungefähr siebzehn das erste Mal getroffen, wir kennen uns also alle seit zwanzig Jahren. Das war vor Blogspot, vor Tumblr… Die meisten Leute, die ich kenne, habe ich einfach auf der Straße angesprochen und ihnen gesagt: "Du siehst gut aus!“

Als ich noch in der Schule war, habe ich versucht, zu all den Gothic und Punk-Kids zu passen und verschiedenste kulturelle Genres in meine Garderobe integriert. Ich trug also Jordans oder ein Paar Timberlands, Hosen, die irgendwie punkig waren, eine übergroße Hoodie und eine Chanel-Tasche. All das zusammen ergibt auch den Vibe von LUAR. Das Label ist ja mein Name rückwärts buchstabiert. Es ist wie ein Spiegelbild meiner selbst.

Kannst du uns abschließend noch sagen, was dich an der Mode im Moment am meisten reizt?

Ich liebe es, Menschen zu beobachten, vor allem die neue Generation. Es gab eine Zeit, in der sich die Kids sehr brav angezogen haben, viele schienen richtig Angst davor zu haben, sich herauszuputzen. Aber jetzt gehen viele richtig aus sich heraus. Ich liebe das, ich habe mich schon immer so angezogenen, dass sich die Leute davon provoziert gefühlt haben. Schon als Kind habe ich gesagt: "Wenn niemand über mich lästert, gehe ich wieder nach Hause und ziehe mich um!" Ich finde es toll, dass wir das jetzt wieder zu sehen bekommen - it’s giving me life.

Credits


With thanks to Tiffany & Co.

Photography Mario Sorrenti
Fashion Alastair McKimm

Hair Bob Recine
Make-up Frank B at The Wall Group
Nail technician Honey at Exposure NY using Chanel
Photography assistance Kotaro Kawashima and Javier Villegas
Digital operator Chad Meyer 
Fashion assistance Madison Matusich, Milton Dixon III, Jermaine Daley and Casey Conrad
Tailor Martin Keehn
Hair assistance Kazuhide Katahira
Make-up assistance Elle Haein Kim
Production Katie Fash, Layla Néméjanki and Steve Sutton
Production assistance William Cipos
Casting director Samuel Ellis for DMCASTING

All jewellery worn throughout Tiffany & Co.

Tagged:
Fashion
Hood By Air
luar