Die verrücktesten Punk-Frisuren der letzten 20 Jahre

In einer neuen Ausstellung sind nun erstmals die jungen Punk-Rebellen zu sehen, die die Jugend des früheren Pro-Skateboarders und Fotografen Ed Templeton geprägt haben.

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19 März 2018, 3:33pm

Als Ed Templeton Mitte der 80er das Skateboarden für sich entdeckte, war er bereits Teil einer subkulturellen Jugendkultur: der Punk-Szene.

"Durch das Skateboarden habe ich den Zugang zu den Kids bekommen, die ich davor immer gemieden hatte. Das waren richtige Badasses, die mich richtig eingeschüchtert haben", sagt Ed Templeton über die Punks von Huntington Beach. "Plötzlich haben sie mich gefragt, ob ich nicht mit ihnen abhängen will und mir Tapes von Bands wie den Dead Kennedys gegeben.So hat alles angefangen.


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Die neue Ausstellung Hairdos of Defiance in Los Angeles zeigt die extremen Frisuren dieser Subkultur. An eine Begebenheit erinnert sich Ed besonders gut: Einer seiner jungen Punk-Freunde, Ron Hanstein, sei in die Schule mit einer Stachel-Frisur gekommen. Als er ihn fragte, wie er das hinbekommen hätte, antwortete er nur 'Eiweiß und Gelatine' – er wurde noch am gleichen Tag von der Schule geschmissen.

Das Besondere an Eds Fotografien ist die Mischung aus Humor und Empathie, mit der er die exzentrischen Alltagsmomente so gekonnt einfängt. Wir wollten mehr wissen und haben uns mit dem Fotografen über Punk und Iros unterhalten.

Warum hast du eine Ausstellung nur über Iros gemacht?
Ein Freund von mir, Mike Burnett, ist Fotograf beim Thrasher Magazine. Wir haben einmal ein paar Kids mit Iros gesehen und Mike sagte 'Schau dir die an, das sind Frisuren des Widerstands [Anm. d. Red.: engl. Hairdos of Defiance]'. Ich fand das klasse und habe diese Bezeichnung nicht mehr aus meinem Kopf bekommen. Als ich in meinem Foto-Archiv gestöbert habe, fiel mir auf, dass ich im Laufe der Jahre immer wieder Menschen mit Iro-Frisuren vor der Kamera hatte – auch wenn es nie geplant war, daraus eine Fotoserie zu machen.

Viele deiner Fotografien sind spontan und auf der Straße enstanden. Die Leute darauf wirken überhaupt nicht so, als ob du sie fotografierst.
Ich bin eigentlich nicht mutig, aber ich habe meine Mittel und Wege, um den Leuten näher zu kommen. Ich bin nicht gut im Smalltalk. Ein paar der Aufnahmen sind tatsächlich spontan und im Vorbeigehen entstanden. Doch generell ist es eher schwierig, ein gutes Fotos von einem Punk mit Iro zu schießen, wenn sie nicht stillstehen. Man darf nicht vergessen, was das für eine Überwindung für mich war, auf die Punks zuzugehen und nach einem Foto zu fragen. Schließlich komme ich aus einer Generation, in der der Iro noch Angst auslöst.

Als ich 1985 mit dem Skateboarden anfing und Punk hörte, bedeutete ein Iro gleichzeitig immer auch 'Lass mich mit deiner Scheiße in Ruhe'. Heute ist es eher so 'Hey, schau mich an und schenk' mir Beachtung'. Einige der Leute sahen auch beängstigend aus, aber ich habe schnell begriffen, dass viele von ihnen auch fotografiert werden wollten, deshalb verbringen sie auch so viel Zeit mit ihren Haaren.

Würdest du sagen, dass es ein kultureller Code von Iros ist, Autoritäten zu irritieren, ohne dabei etwas sagen zu müssen?
Das war schon immer die Bedeutung von Iros. Die amerikanischen Ureinwohner haben sie getragen, um den Gegner im Kampf einzuschüchtern. Es hat im Zweiten Weltkrieg ein amerikanisches Bataillon gegeben, in dem sich alle Soldaten einen Iro schneiden ließen, um verrückt auszusehen. Als die Londoner Punks diesen Look in den 70ern übernommen haben, war es das ultimative Anti-Mainstream-Verhalten. Es war ein "Fickt-euch", das jeder sehen konnte.

Hast du selbst mal etwas Verrücktes mit deinen Haaren gemacht?
Nein. Ich glaube aber auch, dass ich deswegen so an diesen Kids interessiert bin. Ich würde es nämlich nie tragen. Für mich ist Punk das Gegenteil vom hochgestellten Iro. Ich komme aus der Fugazi-Tradition. Da ging es eher darum, nicht groß darüber nachzudenken, was man anzieht und wie man seine Haare trägt. Ich bin aber auch nicht selbstbewusst genug, um einen Iro zu tragen. Ich bewundere aber die Leute, die das jeden Tag aufs Neue können. Ich könnte das nicht.

"Ed Templeton – Hairdos of Defiance" kannst du dir noch bis zum 21. April in der Galerie Roberts Projects anschauen. Der Begleitkatalog erscheint bei Deadbeat Club und enthält einen Essay von Ed Templeton.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.