Best of i-D Germany 2017

Und wieder einmal neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Um dich mit sentimentalen Gefühlsausbrüchen zu verschonen, zeigen wir dir lieber, was du im Alltagstrubel vielleicht verpasst haben könntest.

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Dez. 29 2017, 1:40pm

2017 ist einiges passiert, so viel steht fest. Vieles, was uns erschüttert hat, mindestens genau so viel, was uns berührt, und einiges, was uns sehr glücklich gemacht hat. Wir blicken auf ein weiteres Jahr i-D Germany zurück und zeigen dir, woran wir dieses Jahr alles gearbeitet haben.

Mode
Zum ersten Mal durften wir die Modenschau der UdK-Absolventen in Berlin kuratieren – von älteren Herren in Durchschnittskörpern über Cowboys bis hin zu viel Spitze war alles dabei. Anfang nächsten Jahres stellen wir dir die aufstrebenden Jungdesigner genauer vor, hier findest du bereits einen kleinen Vorgeschmack. Außerdem haben wir uns Tipps bei Sex and the City-Stylinglegende Patricia Field geholt, wie man es als junger Kreativer in der Mode zu etwas bringt – hier erfährst du wie. Die wohl beste Kampagne des Jahres landete Eckhaus Latta, die echte Paare beim Sex gezeigt und damit eine Mischung aus Empörung und Faszination in der Modewelt ausgelöst haben. Aber auch das Label und Kunstprojekt "Dead White Men's Clothing" hat es uns 2017 angetan, das Fragen auf den Grund geht wie "Was passiert, wenn man den Kontext von Kleidung ändert?" oder "Wie wird Wertigkeit geschaffen und wo liegt das Urheberrecht?".

Musik
Ja, wir geben zu, dass die Band Tokio Hotel dieses Jahr nicht nur einmal auf unserer Seite aufgetaucht ist. Die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz haben für uns ihre fragwürdigsten Looks von 2005 bis 2017 bewertet und uns erklärt, wie sie schon als Teenager gegen Genderklischees rebelliert haben. Und das ist noch nicht alles: Der Sänger hat uns seine neue Merch-Kollektion gezeigt, in der er das Berliner Nachtleben und Highsein neu interpretiert hat. Ein weiteres Highlight war die i-D Afternoon Stage auf dem Melt Festival. Wir haben mit MØ gelacht, uns von The Lemon Twigs erklären lassen, warum sie Schnitzel so lieben, und darüber diskutiert, warum wir Safe Spaces brauchen. Lordes unverwechselbares Interview über faszinierende und gleichzeitig abstoßende Dinge in ihrem Leben sollte in dieser Auflistung aber genauso wenig fehlen, wie die Crew rund um Rapperin Ace Tee, die uns mindestens genauso viel gute Laune bereitet hat wie ihr Hit "Bist du Down?".

Mixe
Multi-Instrumentalist Cid Rim hat uns mit einer Stunde Jazz-Funk der Extraklasse verwöhnt, Volvox dagegen mit Acid House und Techno Beats. Die Münchnerin Pyur ließ uns mit ihrem Mix in eine andere Welt eintauchen, in der wir uns nur allzu gerne verloren haben. Und dank Occupanthers music ... to take out the trash konnten wir uns endlich dazu aufraffen, den Müll rauszubringen – und hatten sogar Spaß dabei, danke dafür. Der Berliner DJ Tecture hat uns dagegen mit seinen wummernden Technotracks geradewegs auf die Tanzfläche geholt.

Junge Talente
Newcomer zu entdecken, ist quasi eine unserer Lieblingsbeschäftigungen. Umso schöner war es, dir unsere Class of 2018 zu präsentieren. Von Musikern und Fotografen über Filmemachern bis hin zu Magazin- und Shopgründerinnen: Wir haben dir 17 junge Kreative vorgestellt, von denen du nächstes Jahr noch einiges hören wirst. Nicht zu vergessen die deutschen Jungschauspieler von morgen, die im Zuge der Berlinale vor unserer Kamera über ihre große Leidenschaft gesprochen haben – mit dabei Louis Hofmann aus unserer aktuellen Lieblingsserie DARK.

Nachtleben
Es gibt nur wenige Großstädte mit einem so unverwechselbaren Nachtleben wie Berlin. Mit unserer Videoreihe Beyond Clubbing haben wir erforscht, was diese Underground-Szene so einzigartig macht. Dafür haben wir mit vier Schlüsselfiguren gesprochen, die mit ihrer Arbeit Grenzen aufbrechen und die Tanzfläche zu einem sicheren Ort für alle machen wollen. Aber auch Fotografen wie Camille Bokhobza haben uns die Berliner Undergroundparty-Szene roh und ungefiltert durch ihre Augen und Linse gezeigt.

LGBTQi
Literaturwunderkind Raziel Reid hat mit uns über die Angst des Mainstreams vor schwulem Sex gesprochen und uns exklusiv einen Auszug aus seinem Buch "Das Selfie" präsentiert. Der österreichische YouTuber und Autor Michael Buchinger hat uns dagegen im Zuge unserer Pride Week erklärt, warum wir im Jahr 2017 keine Coming Outs mehr brauchen. Und weil Themenwochen so schön sind, haben wir dir im Rahmen von Berlins New Drag das Kollektiv The Real Housewives of Neukoelln und ihren Trash-Drag vorgestellt. Aber auch der kurze Ausflug in die fantastische Welt der

Faux Real-Drag-Party

hat sich mindestens genauso gelohnt. Denjenigen, die ihre Abende lieber gemütlich auf der Couch verbringen, haben wir den Dokumentarfilm Mein wunderbares West-Berlin von Jochen Hicks ans Herz gelegt, der einen Einblick in das schwule Leben der damals noch geteilten Stadt gibt.

Film
Porno-Regisseurin Erika Lust sollte mittlerweile jedem ein Begriff sein. Die Schwedin will durch ihren Indie-Pornos erreichen, dass wir endlich aufhören, Angst vor unserer Sexualität zu haben. Wie das genau funktioniert, erfährst du hier. Der deutsche Film Jugend Ohne Gott war dagegen ein Blick in die nahe Zukunft und erinnerte bereits an unseren digitalisierten Alltag. Wir haben mit den Hauptdarstellern über mal verstörende, mal hoffnungsvolle Zukunftsaussichten gesprochen. Aber auch Fragility sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Die bewegende Dokumentation der schwedischen Regisseurin Ahang Bashi zeigt ein Leben mit Angstzuständen in all seinen Facetten und begibt sich auf die Suche nach dem Warum.

Meinung
Wir haben dir nicht nur ans Herz gelegt, wie du zu einem minimalistischeren Lebensstil wechselst, sondern auch zu einem nachhaltigeren. Nicht nur das, Fotografen, Musiker, Filmemacher, Grafikdesigner und YouTuber haben uns außerdem erklärt, wie sich Liebe und Beruf vereinen lassen, was Liebe heutzutage überhaupt noch bedeutet und welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt, die Liebe und den Beruf miteinander zu teilen.

Kunst & Kultur
Die Kuratorin der Ausstellung "Enjoy Your Life" von Juergen Teller hat uns verraten, welches Geheimnis hinter dem Erfolg des deutschen Fotografen steckt. Der chinesische Aktivist und Künstler Ai Weiwei hat uns dagegen erklärt, warum er noch nie das Gefühl hatte, nach Hause zu kommen, und wie sich das in seinem Film
Human Flow widerspiegelt. Aber auch die Collagen-Kunst der jungen Berliner Künstlerin Lara Minerva hat uns dieses Jahr mit Faszination erfüllt. Darin verarbeitet sie Vintage-Pornos zu Collagen, die unter die Haut gehen. Dass wir Subkulturen gerne näher beleuchten, ist auch kein großes Geheimnis. Grund genug Anfang des Jahres einen Blick auf die weibliche Skateboard-Szene zu werfen und die Girls zum Interview zu treffen.


Fotografie
Was bedeutet Schönheit für dich? Diese Frage haben wir jungen Fotografen gestellt, um Schönheit für einen kurzen Moment durch ihre Augen zu sehen. Wie subjektiv solche von der Gesellschaft konstruierte Konzepte sind, hat uns auch das Berliner Künstler-Kollektiv Curated By Girls mit ihrer Ausstellung New Masculinity gezeigt. Fotografen aus aller Welt wollten darin mit den gängigen Vorstellungen von Geschlechterrollen brechen – wie ihnen das gelungen ist, haben sie uns im Interview verraten. "Bodies that matter" ist ein weiteres Projekt, das uns dieses Jahr begeistert hat. Fotograf Guido Castagnoli gelingt, ein schillerndes Abbild der queeren Szene Berlins in unendlich vielen Grautönen abzubilden. Um dieses großartige Jahr abzuschließen, wollten wir von unseren Lieblings-Fotografen wissen, was sie sich für 2018 wünschen. Herausgekommen ist eine bunten Mischung aus guten Vorsätzen, einer Prise Humor und ernsthafteren Antworten. In diesem Sinne: auf ein mindestens genauso schönes neues Jahr!