dieser fotograf hat in der hochzeit von aids die bunte welt der gay prides dokumentiert

Alan Light hielt in den 80ern und 90ern die Christopher Street Days in Los Angeles, San Francisco und Chicago fest. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was sich seitdem verändert hat. Und zeigen euch die besten Fotos von den CSD-Demos.

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Juli 18 2017, 8:40am

Am Samstag findet in Berlin der Christopher Street Day statt. Aus diesem Anlass steht diese Woche bei i-D ganz im Zeichen der Pride Week.

Am Wochenende gehen in Berlin wieder Hunderttausende aus der queeren Community auf die Straße, um auf dem Gay Pride das Leben und die Liebe zu feiern. In den Achtzigern — einer Zeit, in der die Aids-Panik die Schlagzeilen bestimmte — hat der Fotograf Alan Light die großen Pride-Paraden in Los Angeles, San Francisco und Chicago dokumentiert. Die Aufnahmen zeigen den Stolz und den Geist der Community nah und ungefiltert. Wir haben es uns vor dem CSD in der deutschen Hauptstadt nicht nehmen lassen, uns mit ihm darüber zu unterhalten, was sich seit den 80ern verändert hat und wer die Leute auf den Fotos sind.

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Du warst Ende der 80er und Anfang der 90s auf vielen CSD unterwegs. Warum hast du dort fotografiert?
Weil es dort viele interessante Menschen und Dinge zu entdecken und zu fotografieren gab. Viele von ihnen waren sehr attraktiv oder haben sich bunt angezogen, für einen Fotografen ein Traum. Ich war nie Teil der schwulen Community, aber habe sie als Fotograf begleitet.

Wer sind die Menschen, die du fotografiert hast? Waren das Freunde oder Fremde?
Das waren meistens Fremde, auch wenn ich manchmal auch mit Freunden hingegangen bin und sie auch fotografiert habe, als Urlaubserinnerungen. Aber zum Großteil waren es Fremde, die ich in interessanten Situationen fotografiert habe.

Du hast die Pride-Paraden in mehreren amerikanischen Städten fotografiert. Inwiefern haben sie sich unterschieden?
Die Menschen auf dem in Chicago waren freundlicher als die auf den Gay Prides in Kalifornien. In San Francisco waren sie wiederum mutiger als woanders. Dort sind die Leute fast nackt oder sogar ganz nackt rumgelaufen und sie waren sexuell offener und auch politischer. Beim Pride in West Hollywood gab es viele muskulöse Männer und es kamen viele angehende Schauspieler und Models.

Wie hat sich Pride im Laufe der Zeit verändert?
Die Demonstrationen dieses Jahr waren in ganz Amerika politischer. Es wurde gegen Donald Trump protestiert. Die USA haben mit Donald Trump gerade einen sehr gefährlichen und autoritär denkenden Mann als Präsidenten und viele machen sich deswegen Sorgen. Wenn ich mir die Aufnahmen aus den späten 80ern und frühen 90ern wieder anschaue, dann überrascht mich immer, wie wenig Männer damals tätowiert waren. Tattoos waren noch nicht so verbreitet und es war selten, dass man auch nur eine Tätowierung auf dem Körper eines Mannes sieht. Heutzutage sind viel mehr tätowiert. Gerade bei den Fotos aus den 80ern frage ich mich natürlich unweigerlich, wie viele Männer später an Aids gestorben sind. Ich bin mir sicher, dass viele davon heute nicht mehr leben. Wie jemand mal gesagt hat: Die Schönsten hat es am härtesten getroffen, weil sie diejenigen waren, die am meisten Sex hatten.

Wie war die Stimmung in der Community damals im Vergleich zu heute? Hat sich etwas verändert?
Ich glaube, dass es heute noch so ist wie damals. Die Leute gehen immer noch auf die CSD-Paraden und Partys, um Spaß zu haben, auch wenn sich immer mehr und mehr politische Ängste darunter mischen. Das war gerade dieses Jahr der Fall.

Credits


Text: Michael Sader
Fotos: Alan Light
Titelfoto: Alan Light | Flickr | CC BY 2.0