wenn berliner underground auf schwedischen minimalismus trifft

Das neue Berliner Label SØDERBERG fasziniert nicht nur mit seinen Military inspirierten Looks, sondern auch mit den wenigen Informationen, die das Label von sich preis gibt. Wir haben es trotzdem versucht und den Gründer zum Interview gebeten.

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Juli 13 2017, 7:29am

"Utility Wear" ziert die Beschreibung des Instagram-Accounts von SØDERBERG. Der angegebene Link führt uns lediglich auf eine weiße Webseite, und doch schaffen es die wenigen Beiträge auf der sozialen Plattform, dass wir neugierig werden. Das Internet spuckt zumindest aus, dass der Macher von OBSCUR auch hinter SØDERBERG steckt. Der Schwede Richard Söderberg wollte mit seinem gleichnamigen Label etwas schaffen, das völlig frei von Grenzen ist und kein Richtig oder Falsch kennt. "Ich glaube, es war ein wichtiger Schritt in meiner eigenen Entwicklung. Manchmal ist es notwendig, die Dinge bis auf ihren Kern auseinanderzunehmen — eine Art kraftvoller Perspektivenwechsel", erklärt der Designer. Bei seinem neuen Label trifft Military-Ästhetik auf Praktikabilität — ein minimalistischer Mix aus viel schwarzem Leder, übergroßen Schnitten und von der Berliner Clubkultur inspirierten Harness-Elementen. Warum SØDERBERG mehr einer Bewegung gleicht, die Kleidung mit Kultur und Kunst verschmelzen lässt und was es wirklich mit seiner geheimnisvollen Aura auf sich hat, verrät er uns im Interview.  

Auch auf i-D: Wir haben die Berliner Clubszene genauer unter die Lupe genommen

SØDERBERG scheint geheimnisumwoben, da man im Internet kaum Informationen darüber findet. Ist das Absicht?
Es steckt kein bewusstes Konzept von Geheimnis dahinter, aber natürlich hat die freie und subjektive Interpretation der Dinge etwas Schönes an sich. Ich mag es nicht, den Leuten zu erklären, warum ich tue, was ich tue, aber es scheint in der heutigen Gesellschaft immer wichtiger zu sein, damit deine Stimme gehört wird.

Welche Stärke steckt hinter der angepriesenen Utility-Wear?
Neben der Tatsache, dass Utility-Wear extrem praktisch ist, gibt es auch eine starke Assoziation zu Zivilisationsepochen über die Jahrzehnte hinweg. Klassische Utility-Kleidungsstücke wurden für verschiedene Zwecke hergestellt und bis ins Unendliche vervielfacht. Es liegt etwas Kraftvolles hinter der perfekt-symmetrischen Armee und hinter den Tausenden von Industriearbeitern, die alle dieselbe Kleidung tragen. Das zusammen ergibt eine enorme Einheit von Stärke. Es ist zwar furchterregend, gleichzeitig aber auch faszinierend.

Du hast Nicholas von Herrensauna für die neue Kollektion fotografiert. Wie hast du ihn kennengelernt und gab es einen speziellen Grund, warum du dich gerade für ihn entschieden hast?
Ich hatte seit einiger Zeit das Gefühl, dass eine gewisse Magie verloren gegangen ist, was die Musikszene, die ich mag und aus der ich meine Inspiration ziehe, betrifft. Herrensauna ist die Art von Veranstaltung in Berlin, bei der ich das Gefühl habe, dass sie einen 90er-Vibe mit einem Gefühl der Liebe und Offenheit vermischt, der mich diese Magie wieder spüren lässt. Ich habe einige der beteiligten Leute kennengelernt und bin davon inspiriert, wie sie ihre Welt durch ihre Veranstaltungen und die Art, wie sie sich kleiden, definieren.

Was genau inspiriert dich?
Für mich geht es mehr darum, meine Umgebung einzuatmen, aufzunehmen, eine gewisse Art von Stimmung zu erzeugen, was auch immer für eine Gestalt, Form, welches Material oder welchen Ausdruck sie dann auch annimmt. Inspiration ist nie nur eine bestimmte Sache. Meine Augen werden aber vor allem von ungewöhnlichen Dingen und Veranstaltungen angezogen. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen schräg, aber ich habe wahrscheinlich Hunderte von heimlich aufgenommenen Close-up-Fotos von Menschen, Kleidung und architektonischen Details. In Berlin zu leben, hat sicherlich Einfluss auf mein kreatives Schaffen, aber ich versuche auch, darüber hinaus zu sehen.

Du kommst eigentlich aus Schweden. Wie würdest du die Modeszene dort im Vergleich zu Deutschland, insbesondere zur Berliner Underground-Szene, beschreiben?
Um ehrlich zu sein, bin ich mir da nicht so sicher, weil ich seit über fünf Jahren nicht mehr dort lebe. Schweden ist insgeheim ziemlich konservativ, und ich hoffe, das die angehenden Designer von heute versuchen, das infrage zu stellen, um mehr Herzlichkeit und Verständnis zwischen Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten zu kreieren. Auf der anderen Seite haben wir mit Berlin eine der wenigen — wenn nicht sogar die einzige — freie Stadt. Und ich finde, dass das in der Art und Weise, wie sich die Menschen hier kleiden, stark zu erkennen ist. Außerdem ist es offensichtlich, dass der Rest der Welt diesen Stil mehr und mehr anerkennt. Die Mode in Berlin wurde noch nie so sehr kommerzialisiert wie gerade, sowohl im guten als auch im schlechten Sinn.

@soderbergofficial

Credits


Text: Juule Kay
Foto: SØDERBERG