18+ ist ein band-projekt aus l.a., das die hüften großbusiger avatare schwingen lässt

18+ ist ein neues Band-Projekt aus Los Angeles, das Ende letzten Jahres viral gegangen ist. Wir trafen Justin und Samia nach ihrem Konzert beim CTM Festival in Berlin zum Interview und ließen uns erklären, wie man mit der Sexualisierung in der...

|
05 August 2015, 6:40am

„I've got a lot on my pussy / But I like you / I like you a lot ... All around then you fuck me dry / Then you fuck me dry / Then you fuck me…" - Justins und Samias Lyrics sind bei Weitem nicht jugendfrei. Begonnen hat alles vor vier Jahren mit dem Onlinestellen von Videos, in denen Second-Life-Avatare zu Lo-Fi-Beats, Justins Gerappe, Samias zarter Stimme, regelmäßigem Gestöhne und schwerem Atmen geschmeidig ihre Hüften kreisen lassen, mit ihren Brüsten und Ärschen wackeln und ganz eigene virtuelle Welten vor dem Auge des Betrachters entstehen lassen. 

Kennengelernt haben sich die Beiden während ihres Kunststudiums und im Laufe zahlreicher Skype-Konversationen kam ihnen die Idee, zusammen Musik zu machen. Damals noch unter den Synonymen Boy und Sis ihre Identitäten wahrend, stellten sie Videos ins Netz, die schnell zu kleinen Hits wurden. Ihr erster Song Drawl wurde von Prada in dem von Steven Meisel produzierten Kampagnenvideo für Autumn/Winter 11 verwendet. „Es ist verrückt, wie unbekannt wir damals noch waren. Wir hatten noch nicht einmal unser erstes Konzert gespielt, als die Anfrage kam. Man darf sich aber nicht vorstellen, dass wir das geplant hatten oder, dass das jemals ein Ziel von uns war. Es ist einfach passiert", erzählt Justin. 

Allgemein finden sie, dass Mode ein spannendes Medium ist, um sich auszudrücken. „Wir beschäftigen uns mit Mode und schätzen sie auch. Jeder Aspekt aus der Welt der „gemachten" Objekte ist für uns interessant und Kleidung ist ein großer Teil davon. Es ist ein Weg, ohne Worte zu kommunizieren." So haben sie zum Beispiel Outfits (Shirts und Badeanzüge, die mit Stills aus ihren Videos bedruckt sind) für eine Show in Los Angeles entworfen, die aber keine Bühnenoutfits sind, sondern ein Teil im 18+-Universum. Sie sehen ihre Mode als Objekt in Bezug auf die Marke 18+. Die Teile können getragen werden, müssen es aber nicht zwingend.

18+ soll eine Plattform sein, auf der sich die beiden Künstler frei ausdrücken und durch die sie mit anderen zusammenarbeiten können. Sie wollen eine Brand etablieren, die für sich steht und mit der bzw. durch die alles möglich ist. Eigentlich aus der visuellen Kunst kommend ist die Musik, in die sie zufällig hineingeraten sind, nur der Anfang. „Unsere Stärke ist, dass wir uns sehr gut anpassen können, wenn es um das Format geht. Wir sind immer offen für Kollaborationen", erklärt Samia. Ein Projekt das gerade ansteht, ist eine Mode-Fotoproduktion, in welcher sie mit der Idee spielen werden, Mode zum Objekt zu machen und deren Resultate sie dann in einem ihrer nächsten Videos verwenden werden.

Darauf angesprochen, wie sie ihre Musik selbst bezeichnen, kommt ein vages Elektro-Pop. In Wirklichkeit verbinden 18+ jedoch Synth-Klänge, Pop, R&B, Hip-Hop mit anzüglichen Lyrics, viel Gestöhne und ins Mikrofon hauchen. „Wir spielen in unseren Texten, Videos und Live-Performances mit Identitäten und Sexualität. Die Welt ist übersexualisiert und wir wollen in unserer Musik diese Problematik ansprechen und aus verschiedenen Perspektiven - unseren Lyrics und übersexuellen Videos - beleuchten. Wir sind von allem, was oberflächlich ist, fasziniert, aber auch von dem Dunklen, das darunter liegt", erklärt Samia.

Dunkel und einnehmend sind auch ihre Live-Sets. Das simple Setting besteht auf zwei Mikrofonen und Videos, die hinter ihnen auf die Wand projiziert werden. Durch die sexuellen Lyrics liegt eine gewisse Spannung in der Luft, die durch die provokanten Videos und die zurückhaltende Performance der Zwei doch verstärkt wird. Man sieht auf die Bühne und ist gefesselt, während man Justin und Samia, wie sie fast gegeneinander und dann doch miteinander singen, zusieht. Der Auftritt während dem CTM 2015 hat mehr von einer Kunstperformance als von einem Konzert. Und genau das ist es, was 18+ ausmacht: die Kunst und die Musik zu verbinden und den Zuschauer, der sich nicht ganz sicher ist, was er gerade gesehen hat, staunend zurückzulassen!

18+ haben eine Playlist für uns zusammengestellt und das ist dabei rausgekommen: 

@18+

Credits


Foto und Text: Alexandra Bondi de Antoni 
Vielen Dank an Generator Berlin Mitte