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class of 2015: die studenten der udk präsentieren ihre kollektionen

Im Zuge des Projektes „I am you and you are me too" sollten die Studenten, die im letzten Jahr vor ihrem Bachelor-Abschluss an der UdK stehen, ihre bisherige Arbeit hinterfragen, sich vielleicht umorientieren und, bevor sie in die große Modewelt...

i-D Staff

i-D Staff

Jardin des Singes

Warum denkst du, dass Berlin immer noch für viele Kreative eine solche Anziehungskraft hat?
Weil man in Berlin nirgendwo sonst die Menschen kennenlernen kann, die das Leben komplett auf dem Kopf stellen.

Hat das Projekt I am me and you are me too deine Arbeitsweise verändert? Bist du auf irgendetwas draufgekommen?
Es hat mir ganz neue Perspektiven eröffnet. 

Wie kann man etwas Neues schaffen, wenn schon alles einmal da war?
Beobachten und reflektieren.

Warum ist es gut, 2015 jung zu sein?
Es ist einfach immer gut, jung zu sein. Besonderes aber in Berlin, wo einem viele Türen offen stehen.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Glücklich und erfolgreich in meiner eigenen Firma.

@JardindesSinges

 Laura Stellacci, 23 Jahre, und Katharina Lutat, 24 Jahre

Warum arbeitet ihr zusammen?
In den letzten zwei Jahren sind uns gegenseitig Ähnlichkeiten in unserer Arbeitsweise und Gedankenwelt aufgefallen und es war klar, dass wir im Laufe unseres Studiums gemeinsam an einem Projekt arbeiten wollten. Deshalb ist dieses, unser letztes Projekt im Hauptstudium, eine gedankliche und emotionale Zusammenarbeit.

Worum geht es bei eurer Kollektion?
Unsere Kollektion heißt ‚Re: ein androgyner Moment?'
Seit Beginn unseres Studiums ist das Thema des sich wandelnden Körper- und Geschlechterbildes und wie es in der Bekleidung zum Ausdruck kommt für uns beide immer wichtig gewesen, bisher aber vor allem im theoretischen Rahmen. Besonders interessiert hat uns dabei die Untersuchung des zeitgenössischen Männerbildes und seines Ursprungs Ende des 18. Jahrhunderts. Uns faszinieren auch historische Beispiele extremer Körpermodifikation beider Geschlechter durch Bekleidungspraktiken wie Halskrausen oder verschiedenste Ausprägungen der Krinoline und des Korsetts.

Was nehmt ihr aus dem Projekt mit?
Hoffentlich einen Ausblick auf die Zukunft; uns kommt es nämlich so vor, als bewegen uns diese Ideen noch eine Weile länger.

Das ganze Interview und Auszüge aus ihrem Sketchbook findest du hier

André Törner, 25 Jahre, und Wanda Wollinsky, 25 Jahre

Warum denkt ihr, dass Berlin immer noch für viele Kreative eine solche Anziehungskraft hat? 
„The true man wants two things: danger and play." -Marco Reuss

Wie würdet ihr eure Kollektion beschreiben?
Unsere Kollektion ist für sexuell verirrte Frauen und Männer und Transgender und Hasen und Minions und Drake und Vladimir Putin. „With love, you should go ahead and take the risk of getting hurt because love is an amazing feeling." -Britney Spears

Hat das Projekt I am me and you are me too eure Arbeitsweise verändert? Bist du auf irgendetwas draufgekommen?
Wir haben so lang gespielt, bis uns die Sachen gefielen. Partnerarbeit ist sehr wichtig, da der Output mehr wird. „It's an okay thing to express yourself." -Britney Spears

Wo steht die Mode heutzutag?
„Fashion is that thing that saved me from being sad." -Miley Cyrus

Wie kann man etwas Neues schaffen, wenn schon alles einmal da war?
Wir glauben, dass man das nur durch genaue Beobachtung und sensible persönliche Wahrnehmung des Geschehens schaffen kann gepaart mit technologischer Neuentwicklung. „Maybe your weird is my normal. Who's to say?" -Nicki Minaj

Warum ist es gut, 2015 jung zu sein?
Wir erleben vielleicht den 3. Weltkrieg. Jungsein ist überbewertet.

Wo siehst du dich in 10 Jahren? Haus/Kind/Mann/Frau/Geld/Weltmeister/Hund/Hasen/Minions - mit Aperol Spritz… Wanda ist dick, Andre ein Klischee. „I'm pretty normal, you know?" -Britney Spears

@André Törner

@Wanda Wollinsky

Florian Máthé, 23 Jahre 

Warum denkst du, dass Berlin immer noch für viele Kreative eine solche Anziehungskraft hat? 
Berlin reizt viele so sehr, weil es immer noch so roh und unfertig ist. Ich bin selbst über die Atmosphäre, die nach wie vor hier herrscht, fasziniert. Man kommt leicht mit vielen interessanten Menschen in Kontakt - ich glaube das macht die Stadt als Modestudenten so lebenswert. Es ist großartig, dass Künstler/Designer hier einfach machen, ohne Angst zu haben, dass alles vielleicht in die Hose gehen könnte. So eine Spontanität findet man selten.

Wie würdest du deine Kollektion beschreiben?
„Kein Fehler im System" ist eine Parodie bzw. Kritik an die Nullfehlerkultur, verwirrend, humorvoll, konsequent. Dass ich zu meinen Fehlern stehe, war wohl die größte Intension für die Kollektion.

Hat das Projekt I am me and you are me too deine Arbeitsweise verändert? 
I am you and you are me too habe ich genutzt um meine Grenzen auszutesten, alle Materialen, Styles zu verwenden, die ich sonst nie verwenden würde und trotzdem mein eigenes Ding zu machen. Es hat mir eine Offenheit gegeben, sich nicht zu scheuen, Neues auszuprobieren. Nur durch diese Mischung entstehen interessante Looks. Außerdem ist mir endlich klar geworden, welche Richtung ich einschlagen werde. 

Wie hat das Internet Mode verändert?
Das Überangebot an Mode im Netz, mit dem man täglich konfrontiert wird, lässt einen schnell Vergleiche anstellen. Es wird mehr kopiert. Es ist so leicht geworden, zu zeigen, was man tut. Somit denke ich, dass das Internet essentiell und profitabel für die Mode geworden ist - speziell für Jungdesigner.

Warum ist es gut, 2015 jung zu sein?
Ich habe das Gefühl, dass die Arbeit junger Designer immer mehr Wert gewinnt. Die Branche braucht einfach das Jugendliche, um mit der Zeit zu gehen. Ich selbst genieße meine Jugend in vollen Zügen, ich will nicht zurückblicken und sagen müssen, ich hätte sie verpasst.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Ich wünsche mir nichts mehr, als irgendwann den Punkt zu erreichen, an dem meine Arbeit wertgeschätzt wird. In welchem Kontext kann ich nicht sagen, aber ich bin sehr geduldig und arbeite hart daran.

@FlorianMáthé 

Nicolas Stephan Fischer, 27 Jahre 

Warum denkst Du, dass Berlin immer noch für viele Kreative eine solche Anziehungskraft hat? 
Berlin bietet immer noch viel Freiheit, das zu tun,was man möchte. Hier kann jeder nach seinen eigenen Vorstellungen leben und findet durch die Größe der Stadt schnell Gleichgesinnte. Für mich ist Berlin wie ein Puzzle aus Mikrokosmen, die irgendwie ein recht freies Gesamtbild ergeben. Dabei fällt mir allerdings auf, dass sich viele Leute komplett neu erfinden und die Vergangenheit am liebsten ausblenden würden. Jeder bringt hier etwas mit, was zusammen dann irgendwie neu und aufregend wird.

Hat das Projekt I am you and you are me, too Deine Arbeitsweise verändert? Bist Du auf irgendetwas draufgekommen?
In diesem Projekt möchte ich eine mitfühlbare Ästhetik schaffen, die keiner großen Erklärung bedarf. Dabei bediene ich mich bewusst reisserischen Gestaltungsmitteln wie Glanzdruck, starken Farben, Glitzer und Kitsch. Ich möchte meine Arbeit zugänglicher gestalten und wirkliche Kleidung schaffen. Man soll die entstehenden Teile anfassen wollen. Sie sollen einfach Spaß machen.

Wo steht die Mode heutzutage?
Meiner Meinung nach fehlt es in der aktuellen Mode an Zugänglichkeit zu Emotion und Dramatik. Die konzeptuelle Arbeit sollte nicht in elitären Formen geschehen, sondern auf eine verständnisvolle Art und Weise. Ich denke, dass die Mode momentan den Konsumenten aus den Augen verloren hat und sich durch nicht mehr nachvollziehbare Referenzen narzisstischen Gedankenexperimenten hingibt. In einfachen Worten: die Mode ist arrogant geworden und überfordert den Betrachter mit nahezu kühl anmutenden Kollektionen oder bewusst inszenierten Schockmomenten.

Wie kann man neues schaffen, wenn alles schon einmal da war?
Meine Themen und Fragestellungen ergeben sich aus aktuellen Entwicklungen des Zeitgeistes und werden nur von mir formuliert. Somit sehe ich den Designer als Chronisten der Zeit. So wie der Künstler John Baldessari es in einem Interview formuliert hat: „Ich habe das Gefühl, dass die Welt etwas aus den Fugen und absurd ist. Ich berichte quasi darüber." Ich suche nach visuellen Belegen und bereits gedachten Ansätzen in der Vergangenheit und im aktuellen Diskurs und übersetzte das in mein eigenes, persönliches und subjektives Vokabular.

Warum ist es gut 2015, jung zu sein?
Ist es nicht immer gut, jung zu sein? Warum es genau heute besser ist, kann ich nicht sagen, denn ich war nie zu einer anderen Zeit jung und werde es auch zu keiner anderen sein. Somit fehlen mir da die Vergleichswerte.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Ich würde sehr gerne in einem größeren Team arbeiten und eine klare Vision gemeinsam vorantreiben. Dabei kann ich mir gut vorstellen, verschiedene Gestaltungsdisziplinen unter einem Dach zu versammeln und an einer Art gestalterischen Gesamtkonzept zu arbeiten. Wie genau dieses dann aussieht, steht allerdings noch in den Sternen, aber zehn Jahre sind ja auch noch eine mittellange Weile.

Kasia Kucharska, 27 

Warum denkst du, dass Berlin immer noch für viele Kreative eine solche Anziehungskraft hat? 
Arm aber sexy. 

Hat das Projekt I am you and you are me too deine Arbeitsweise verändert? Bist du auf irgendetwas draufgekommen?
Ich glaube, dass es meine bisherige Arbeitsweise eher gestärkt hat. Ich habe vorher Architektur studiert, wo man sehr „nach Plan" arbeitet und eine analytisch-logische Herangehensweise hat. Das ist eine Art zu Arbeiten, die eigentlich nicht meinem chaotischen Naturell entspricht, aber man erkennt, finde ich, weiterhin diese Strukturen in meinen Entwürfen. Ich stelle zu Beginn mit der Kollektionsidee sowas wie eine Gleichung auf, das Moodboard und das Skizzenbuch helfen mir dann eine Lösung zu finden. Ich habe in diesem Projekt auch mit mehreren Firmen zusammengearbeitet, die mich mit Know-how und Material unterstützt haben. Zudem hat mir eine Industrienäherei bei der Umsetzung geholfen, weil ich sehen wollte, ob die Kleidungsstücke auch serientauglich sind und die Konzeptidee auch praktisch Sinn macht. 

Wo steht die Mode heutzutage?
Im Newsfeed von Instagram.

Warum ist es gut, 2015 jung zu sein?
Ist es nicht immer gut, jung zu sein?

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
So weit will ich gar nicht denken. Ich denke eher in Monatsetappen. Ich möchte bald für ein paar Monate nach Warschau gehen, um für meine neue Kollektion zu recherchieren. Die Stadt verändert sich so rasend schnell und ich wäre im Moment gerne ein bisschen dabei.

@KasiaKucharska

kasiakucharska.com

Avigail Koren, 30 Jahre

Hat das Projekt I am me and you are me too deine Arbeitsweise verändert? Bist du auf irgendetwas draufgekommen?
Ich war dieses Semester Austauschstudentin an der UdK, also war alles sehr spannend. An einer neuen Universität zu lernen und in eine neue Stadt zu ziehen, hatte einen großen Einfluss auf meine Arbeit. Ich habe den Stoff für meine Kollektion selbst gemacht, habe mich mehr auf die Schnittführung konzentriert und auch die Farben sehr schlicht gehalten. 

Warum ist es gut, 2015 jung zu sein?
Die Welt ist voller Möglichkeiten, die wir einfach nur ergreifen müssen. Die Akzeptanz steigt und man kann einfach man selbst sein. 

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Irgendwo im Wald Dinge schaffend. 

Eric Schieler , 24 

Warum denkst du, dass Berlin immer noch für viele Kreative eine solche Anziehungskraft hat? 
Es sind die Menschen, die hier leben, die Berlin so besonders machen. Hier herrscht immer noch ein gewisser Freigeist, da die Stadt noch nicht so eingerostet ist wie andere europäische Städte. Hier hat man noch das Gefühl, Teil einer Entwicklung zu sein.

Hat das Projekt I am me and you are me too deine Arbeitsweise verändert? Bist du auf irgendetwas draufgekommen?
Ich habe in dem Projekt versucht, freier zu arbeiten und mich auch von meiner Intuition leiten zu lassen. Das war eine sehr interessante Erfahrung, da ich zuvor immer meine Entwürfe sehr genau geplant habe.

Wo steht die Mode heutzutage?
Leider habe ich das Gefühl, dass es an Innovationsreichtum und handwerklichem Fachwissen fehlt. Wirkliche Innovation sollte  von innen heraus passieren und das Äußere beeinflussen. Das ist vielleicht der Grund, warum mich Mode in letzter Zeit nicht mehr wirklich überrascht oder erfreut.

Warum ist es gut, 2015 jung zu sein?
Es ist immer gut, jung zu sein.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Gerade wurde mir mein Laptop und Schlüssel für meine Wohnung in Barcelona geklaut. Wahrscheinlich werde ich in 10 Jahren immer noch nach meinem verschwundene Laptop suchen. Ich hoffe, man versteht die Ironie.

@EricSchieler

Katharina Heckmann, 28 Jahre

Hat das Projekt I am me and you are me too deine Arbeitsweiseverändert? Bist du auf irgendetwas draufgekommen?
Ich habe gelernt, mir mein Abendessen mit Pfandflaschen zu finanzieren und, dass Klamotten nicht immer genäht sein müssen.

Wo steht die Mode heutzutage?
Auf der Schwelle zur Zukunft. 

Wie kann man etwas Neues schaffen, wenn schon alles einmal da war?
Es geht bei Mode gar nicht um Neuheit, es geht darum den Kontext zu ändern. 

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Hoffentlich im Atelier meines Labels. 

Tuan Nguyen, 24 Jahre

Hat das Projekt I am me and you are me too deine Arbeitsweise verändert? Bist du auf irgendetwas draufgekommen?
Ich denke, ich habe mich nicht nur als Mensch, sondern auch als Designer weiterentwickelt. Ich finde es ist immer gut, wenn man neues entdecken kann. Ich will auch etwas dazu lernen und mich nicht immer wiederholen. 

Wie hat das Internet Mode verändert?
Die Mode ist dadurch schnelllebiger und präsenter geworden. Durch Instagram, Facebook und dem ganzen Onlinehandel werden Trends und Looks schneller vermittelt und konsumiert.

Warum ist es gut, 2015 jung zu sein?
Wir leben in einer Generation, die häufig mit dem Namen "Generation Y" bezeichnet wird. Teil dieser Generation zu sein, wirft für viele Fragen zur eigenen Identität auf, die für viele nicht immer einfach zu beantworten sind. Wir sollten alles aufsaugen und uns immer neu zu definieren. 

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Credits


Fotos: Patrick Desbrosses
Haare & Make-up: Patrick Glatthaar
Models: Niklas und Eileen / PMA Models