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die 11 schönsten emo-momente

Es gab Hochs, es gab Tiefs und es gab Jordan Catalano. Wir präsentieren euch die 11 definitiven Highlights in der Geschichte von Emo.

von Dan Martin
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14 Juli 2015, 12:30pm

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und Sunny Day Real Estate
Herauszufinden, ob man ein wahrer Emo ist, ähnelt der mittelalterlichen Praxis des Hexen-Ertrinkens. Ein Künstler behauptet, nicht Emo zu sein (egal wie viele Mädchen mit Haarspangen und Sesam-Straßen-Rücksäcken zu ihren Konzerten erscheinen), ein untrügliches Zeichen, dass er Emo ist. Emo als Genre entstand Mitte der Achtziger als Ableger der Punkszene in Washington D.C. Den weicheren Ableger, so wie wir Emo heute kennen, lässt sich vielleicht am ehesten auf Sunny Day Real Estates Album Diary aus dem Jahr 1994 zurückdatieren. Man nehme die Hauptmerkmale von DC Punk, spüle sie weich und nett und voila eine Generation von mürrischen jungen Männern hatte einen neuen Soundtrack für ihre Gefühle und Emotionen. Einer aus Sunny Day Real Estate spielt jetzt in einer Band namens Foo Fighters.

Neutral Milk Hotel sind wirklich Emo
Der Song war auf dem Album, um hauptsächlich diese Indie-Typen zu vergraulen, die in Scharen aufkreuzten, um dem Heiligen Gral des Geschmacks zu huldigen. Höre dir „Oh Comely" aus dem Album In The Aeroplane Over The Sea an und sage mir, dass das nicht Emo ist, auch wenn sie das E-Wort wie der Teufel das Weihwasser vermieden haben.

Jimmy Eat Worlds Bleed American und Durchbruch.
Man kann ziemlich genau sagen, wann Emo aufhörte ein Vorband-Phänomen zu sein und zu einem Multimillionengeschäft wurde. Das war 2001, als eine ganze Generation zum dritten Album Bleed American der amerikanischen Band Jimmy Eat World lernte, was eine Fist Pump ist. Die Songs „The Middle" und „Bleed American/Salt Sweat Sugar" durften auf keiner Studenten-WG-Party fehlen. Das Album erlangte so einen Status, dass es nach den Anschlägen vom 11. September aus Angst, dass einige Leute den alten Albumtitel als Aufforderung falsch verstehen könnten (Bleed, American) einfach als Jimmy Eat World neu herausgebracht wurde. 

Deja Entendu von Brand New
Weil Emo nichts ohne Individualität wäre, werde ich einfach unverschämterweise eines meiner Lieblingsalben aller Zeiten miteinbauen. Das Album markiert das Ende der Band aus Long Island als Shorts-und-Skater-Typen und den Beginn als Gruppe aus hochinnovativen und emotionalen Erwachsenen, die den Film Die Fabelhafte Welt der Amelie und das Schiffsunglück der FV Pelican im Jahr 1951 zitieren.

Das Album enthält wahrscheinlich auch den einzigen Song über das Tourleben als Musiker, der nicht komplett scheiße ist: „I won't see home this spring. Oh, I would kill to be inland but I am paid to make girls panic while I sing".

Panic At The Discos zweites Album
Stellt euch folgende Situation vor: Euer Debütalbum verkaufte sich mehr als zwei Millionen mal und ihr seid die Aushängeschilder eines Genres, das gerade die Welt dominiert. Was macht ihr? Genau, ihr hört euch viele alte Platten von den Kinks und den Zombies an und ihr macht aus eurem Nachfolgealbum eine 60er-Psych-Rock-Platte, die kaum oder gar keine Chance auf Anklang bei eurem jungen Publikum finden wird. Fantastisch.

Jared Leto hat auch Gefühle.
Aus zwei Gründen. Weil er erstens ein instrumentaler Bestandteil der in Emo-Kreisen geheiligten Fernsehserie Willkommen im Leben war und seine ewige Assoziation mit dem Genre aufgrund dieser Serie es zugelassen hat, dass seine lächerliche Band 30 Seconds to Mars zum größten Aushängeschild und zu den größten Stars von Emo werden konnten, obwohl die Band klingt wie U2, nur verdünnt und einfach viel zu viel. Nebenbei: Wie bekomme das kostenlose Album von U2 nochmal von meinem iPhone? Hilfe in den Kommentaren ist sehr erwünscht.

Der Schnuckel von Dashboard Confessional
Stehe endlich dazu, dass du oberflächlich bist, das gehört zum widersprüchlichen Dasein eines wahren Emo. Dashboard Confessional aka Chris Carraba - ein Emo-Rockstar aus der Mitte der 2000er - erwähnen wir hier nur aus einem Grund: er sieht so gut aus. Wir können uns an keinen Song erinnern, aber ist er nicht schön? Außer vielleicht sein Song mit Juli, ja den deutschen Juli. 

Schottischer Emo
Natürlich hat der nördliche Teil von Großbritannien nicht so viel mit dem Kurze-Baggyhosen-lasst-uns-über-unsere-Probleme-reden-Emo zu tun, aber die Hauptstützen der Rockszene des Landes - Biffy Clyro zum Beispiel - stehen genau für die Mischung aus problem-bejahenden US-Bands mit tiefergestimmten Akkorden und schottischer Folkmusik. Siehe auch Sucioperro, Aereogramme, letztlich jede Band mit einem unergründlichem Namen.

The War On Emo
The War On Emo war eine lose Ansammlung von Events 2006 - schnell von mir zusammengewürfelt -, um eine gute Überschrift zu rechtfertigen. Die aufstrebenden Bands des Genres My Chemical Romance und Panic! At The Disco wurden auf dem Reading Festival mit Feindseligkeit begegnet. Unterdessen erschien in der Daily Mail eine lustige Warnung für Eltern über dem dunklen Selbstmord-Kult, der gerade die Jugend im Griff hat, und die Kontroverse erreichte neue Ausmaße. Es ist ein Wunder.

Auf MySpace fanden Solidaritätsbekundungen statt, es gab sogar Demonstrationen und eine wütende Leserbrief-Kampagne von Jugendlichen, die darlegten, dass diese Musik sie tatsächlich vor Depressionen und Selbstverletzungen schützen würde. NME packte Emo aufs Cover und dann konnte jeder wieder sein Leben weiterleben.

Paramore go Pop!
Niemand nahm die christlichen, künstlich gezüchteten Teenies von Paramore sonderlich ernst, außer den Hunderten und Tausenden von hormonell gesteuerten christlichen Teenies, die der Band nach ihrem Song zum Twilight-Soundtrack folgten. Es wurde richtig hässlich und politisch, die Hälfte der Mitglieder verließ die Band, Hayley Williams und ihre Boys entschieden sich fürs Weitermachen und schrieben den Popklassiker „Still Into You" und die Band wurde verdammt gut.

Laura Jane Grace outet sich
Against Me! aus Florida war eine gefällige, nicht besonders erwähnenswerte Gruppe von politisch angehauchten Punks aus der machohaften, abgeranzten Ecke. Das war allerdings bevor Frontmann Thomas Gabel 2012 zu Laura Grace wurde. Sie wurde zur ersten offen lebenden Transfrau einer kommerziell erfolgreichen Rockband und zu einer Zeit, als Transgender noch nicht en vogue war und die Tabus noch zahlreich. Die Band zeigte noch mehr Flagge und machte Graces Verwandlung zum zentralen Thema ihres Albums aus dem Jahr 2014 Transgender Dysphoroa Blues.

Credits


Text: Dan Martin

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