​2, 4, 6, 8 we appreciate … TĀLĀ

Wir wollten mehr über ihren unverwechselbaren und progressiven Sound erfahren und trafen TĀLĀ zum Mittagessen in der Nähe ihres Studios in Soho.

von Hattie Collins
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04 März 2015, 9:50am

Schon letztes Jahr liefen Tālās EPs The Duchess und Alchemy bei uns rauf und runter. Die in London lebende Singer-Songwriterin vermischt nahöstliche Einflüsse mit frischen, innovativen Beats und Melodien, die an den Streetsound der frühen 2000er erinnern. Ihr Sound ist einzigartig und schwer definierbar. Das ist genau das, was sie zu einem der aufregendsten neuen Pop-R'n'B-Talente macht. 

2 musikalische Einflüsse
1. Ihre multikulturelle Familie
„Ich bin in einem kulturellen Schmelztiegel aufgewachsen. Meine Mutter ist Engländerin, mein Vater ist Iraner und wir hatten oft Besuch von unserer Verwandtschaft aus Katar. Ich habe erst neulich realisiert, dass ich all diese Eindrücke, Sprachen und Klänge absorbiert habe und dass sie meine Musik massgeblich beeinflusst haben."

2. Ihre Kindheit und Jugend in London
„Zu meiner Schulzeit war UK Garage ein wesentlicher Teil der Popkultur. Wenn man in London aufwächst, dann wird man zwangsläufig davon beeinflusst. Der frühe R'n'B-Sound der 2000er war auch total angesagt: Timbaland, Missy Elliott und Ginuwine. Damals habe ich sie ständig gehört."

4 Schlüsselmomente in Tālās musikalischer Entwicklung
1. Klavierunterrricht
„Als ich ungefähr sieben Jahre alt war, habe ich mit dem Klavierspielen angefangen. Anfangs habe ich es auch gemocht, aber dann habe ich auf halber Strecke festgestellt, dass ich weder wirklich gut darin bin, noch richtig scheiße. Ich war so ein Mittelding. Ich wurde zu einem dieser schlecht gelaunten Teenager und es wurde mir egal."

2. Als sie die Musiksoftware Reason entdeckt hat
„Etwa zur gleichen Zeit entwarf ein Freund von mir Beats auf Reason und er sagte zu mir, dass ich es auch mal ausprobieren soll. Ich hatte bereits damit experimentiert, Songs auf dem Klavier zu schreiben, aber mit Reason konnte ich meine Ideen umsetzen und mit ihnen herumspielen. Die Möglichkeiten waren endlos."

3. Die Aufnahme an der BRIT School
„Ich ging auf eine sehr kleine katholische Mädchenschule und es gab nicht viele, die sich mit Musik beschäftigsten. Von dieser winzig kleinen Schule auf die BRIT School zu kommen, war ein Schock, weil jeder Musik gemacht hat und auch jeder wirklich gut war. Ich dachte nur ‚Scheiße, ich muss sehr viel mehr machen!'"

4. Ihr erstes Beat-Tape
„ Vor The Duchess wollte ich eigentlich ein Beat-Tape auf Soundcloud veröffentlichen. Ich erinnere mich noch, wie hart ich daran gearbeitet habe und die Arbeit so befreiend fand, weil es nur um den Spaß am Prozess ging. Das war ein echtes Aha-Erlebnis. Dieses Beat-Tape wurde nie veröffentlicht, weil die Leute von Aesop das Tape vorab gehört haben und mich gefragt haben, ob ich für sie eine EP machen will. Aus drei Beats entwickelte ich dann drei Tracks, die auf meiner ersten EP erschienen sind." 

6 Produzenten, die sie respektiert
1. Timbaland
„Er hat HipHop auf ein neues Level gehoben. Seine Musik aus den frühen 2000er mit Aaliyah und Missy Elliot wird niemals alt werden. Stell dir vor, jemand bringt so etwas wie „Try Again" von Aaliyah jetzt raus. Wir würden alle nur denken: ‚What the fuck is this?!' Die Art, wie diese Timbo-Trommeln schlagen, ist einfach nur unglaublich."

2. Noah „40" Shebib
„Er arbeitet mit Drake zusammen. Ich erinnere mich daran, wie mich „The Calm" umgehauen hat. Der Song ist nicht das, was man erwartete. Der ganze Toronto-Sound hat das HipHop-Genre verändert. Es muss mit dem kalten Wetter zu tun haben, ich schwöre."

3. Four Tet
„Sein Remix von Ellie Gouldings „Burn" fasziniert mich. Man hört das Original gar nicht heraus. Sein Sound ist so markant und er weiß, wie man einer Nummer einen persönlichen Touch verpasst. Er ist nicht nur Producer, sondern auch Künstler."

4. Jai Paul
„Seine Musik ist ehrlich und geradeaus. Diesen Track, den er mit Big Boi gemacht hat, „Higher Res", war eine wirklich interessante Produktion und die Kollaboration war so unerwartet."

5. J Dilla
„Wie konnte ich Dilla bisher nicht erwähnen?! Ich kann die Musik immer wieder anhören und sie langweilt mich nie, weil es immer mehr als nur Songs sind. Seine Musik hat eine Message, sie ist emotional. Ich war ein bisschen zu jung für Dilla. Seine Musik später zu entdecken, war wie ein versteckter Schatz, den man plötzlich findet."

6. Madlib
„Ich mag, dass er interessante Sounds verschmilzt. Beat Konducta war eine große Inspiration für mich, weil ich nie daran denken würde, diese Sounds miteinander zu verschmelzen."

8 Dinge, die du über TĀLĀ wissen musst.

1. Ihr Name hat in unterschiedlichen Sprachen unterschiedliche Bedeutungen.
„Vor ungefähr vier Jahren sprach meine Tante in der Küche Farsi und ich hörte, wie sie ‚Tala' sagen. Ich weiß noch, wie ich in dieser Nacht das Wort nachgeschlagen habe und mir die Bedeutungen gefallen haben: in der indischen Kultur ist es ein bestimmter Rhythmus, in Sanskrit bedeutet es Palmenbaum und in Farsi bedeutet es gold. Da wurde mir klar, dass es mein Künstlername werden muss!"

2. Sie brachte kürzlich ein Video zu Alchemy heraus.

3. Einige wissen nicht, dass sie ihre Musik selbst produziert.
„Ich empfinde es als Kompliment, dass die Leute davon überrascht sind, dass ich meine Musik selbst produziere. Aber es ist auf jeden Fall etwas sexistisch. Mit bestimmten Rollen in der Musik bringen wir Männer in Verbindung und mit anderen Frauen. Viele denken ‚Das ist technisch und kein Mädchen würde das tun.' Mir sind solche Kommentare mittlerweile egal."

4. Trotzdem ist sie nicht das, was Männer von einer Produzentin erwarten.
„Weil das Produzieren eine Männerdomäne ist, denken die Leute, dass ich jungenhaft bin. Leute sagen zu mir: ‚Wow, du bist wie ein Mädchen.' Das stört mich mittlerweile aber auch nicht mehr. Es gibt immer mehr Frauen, die an vorderster Front Musik machen."

5. Ihr Song „Serbia" wurde vom berüchtigten Folterporno A Serbian Film inspiriert.
„Ich hatte A Serbian Film gesehen und er war so schrecklich. Ich konnte für ein paar Wochen nicht richtig schlafen. Nachdem ich den Film geschaut hatte, schrieb ich den dunklen Loop, der das Intro zu „Serbia" wurde. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein ganzer Song daraus."

6. Ihr Song „Everybody's Free" wurde von Baz Luhrmanns Romeo und Julia inspiriert.
„Ich finde diesen Film so nostalgisch: die Visuals, der Soundtrack, alles. Ich liebe die im Film vorkommende Version von „Everybody's Free". In einer Nacht hatte ich diesen Traum, dass ich meine eigene Interpretation aufnehmen würde. Also habe ich am nächsten Morgen versucht, das Geträumte zu Papier zu bringen."

7. Sie arbeitet mit der Londoner Künstlerin Kate Moross an der visuellen Umsetzung von Tālā.
„Kate ist einfach toll, weil sie begreift, was mir wichtig ist. Sie findet immer einen Weg und bringt Struktur in mein Chaos. Ich bin ziemlich zerstreut und meine Ideen schwirren umher. Sie ist dagegen so klar und direkt. Für The Duchess kamen wir auf die Idee, mit dem farbigen Siegel zu arbeiten. Es hat perfekt gepasst: etwas Altes und doch ist es modern, das für Gegensätze und kulturelle Unterschiede steht."

8. Sie ist eine verkappte Gamerin.
„Gaming war schon immer eines meiner Lieblingshobbys. Als Kind hatte ich einen Gameboy, den ich tatsächlich zum Songwriting genutzt habe, als ich mich durch die Level gespielt habe. Jetzt hat mein Freund eine PlayStation und eine Xbox und ich bin immer noch ein Gaming-Freak. Ich liebe es, spätnachts TeamvDeathmatch zu spielen."

@TalaOfficial

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Credits


Text: Hattie Collins
Fotos: Amber Grace Dixon

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