heji shin erzählt über ihr shooting echter paare beim sex für eckhaus lattas neue kampagne

Heji Shin hatte bereits Miley Cyrus, Zootier oder aber auch kopulierende Jugendliche vor ihrer Linse. Die deutsch-koreanische Fotografin hat mit i-D über die Auswahl der Models gesprochen und darüber, warum es gut ist, dass manche Leute ihre Arbeiten...

von Hannah Ongley
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10 April 2017, 11:50am

eckhaus latta spring/summer 17 by heji shin

Mike Eckhaus und Zoe Latta sind begeisterte Befürworter der Authentizität. Die Avantgarde-Marke des Duos erweckt seine Kollektionen mithilfe von Freunden und Familie sowie einer immer weiter wachsenden Community aus allen möglichen Leuten wie New Yorker Art Kids oder älteren Bewohnern Chinatowns zum Leben. Eckhaus Lattas Spring/Summer 17-Kollektion zeigt echte Paare, die Sex haben. Die unterschiedlichen Pärchen, sowohl heterosexuell als auch queer, wurden von der koreanisch-deutschen Fotografin Heji Shin fotografiert. Die Kampagne spielt mit der Idee von „Sex sells" und zeigt dem jungen Publikum der Marke aber gleichzeitig auch, dass Sex unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe und sexueller Orientierung immer etwas Besonderes und Wunderschönes ist.

Hejis Ausgangspunkt war ein deutsches Sexualkunde-Buch für Jugendliche, für das sie 2011 Fotos gemacht hatte. Ihre bisherigen Motive waren berühmte Models, Stars wie Miley Cyrus oder auch Zootiere, aber mit diesem Projekt wollte sie unbedingt die Gelegenheit nutzen, mal etwas völlig anderes und vor allem nicht jugendfreies, aber dennoch sehr Schönes zu machen. Die deutsch-koreanische Fotografin teilt Eckhaus Lattas Einstellung, dass die Menschen ebenso wichtig sind wie das Produkt selbst. Außerdem mag sie echte Herausforderungen. i-D hat mit Heji über Pubertät und Castings gesprochen und darüber, warum es ihr egal ist, wenn Leute ihre Arbeiten geschmacklos finden. 

Wie bist du auf die Idee gekommen, für die Kampagne echte Paare beim Sex zu zeigen?
Die Idee hatte ich, weil ich vor ein paar Jahren an einem deutschen Sexualkunde-Buch gearbeitet hatte. Mit Eckhaus Latta haben wir über das Verhältnis zwischen Sexualität und Modewerbung gesprochen und wollten es für diese Kampagne mal anders angehen. In der Modewerbung wird meistens stark mit Sexualität gespielt, wir aber wollten Sex auf so natürliche und direkte Weise wie im Kontext von Werbung nur möglich darstellen. Die Idee erschien uns wirklich interessant, weil man sie auf viele unterschiedliche Arten interpretieren kann — ironisch, kritisch oder einfach nur voyeuristisch. Als uns die Idee gekommen ist, wussten wir noch nicht mal, ob sie umsetzbar wäre, es hat also tatsächlich eher als Experiment begonnen.

Wie seid ihr bei dem Casting für die Kampagne vorgegangen? War es sehr schwierig, Models dafür zu finden?
Sam Muglia, ein Freund von Mike und Zoe, hat sich um das Casting gekümmert. Ein Paar haben wir über Craigslist gefunden. Als wir erstmal angefangen haben, war es relativ einfach.

Wie bist du ans Styling der Spring/Summer 17-Kollektion herangegangen? Der Strickpulli sieht ziemlich heiß aus!
Da alles so natürlich wie möglich aussehen sollte, habe ich einfach viele verschiedene Kleidungs-Kombis innerhalb eines Shoots ausprobiert. Die Fotografierten waren ja keine professionellen Models, für sie war es also auch sehr aufregend. Im Endeffekt war es wichtiger, dass die Paare sich wohlgefühlt haben und dass wir sie nicht unnötig unterbrechen mussten. Oft haben die Models selbst ausgesucht, welche Teile sie anziehen wollen. 

Worin unterscheiden sich deine traditionellen Fotoshoots von gewagteren Projekten wie diesem?
Projekte wie das Buch sind eine ganz andere Erfahrung und auch eine Art Experiment. Das Ergebnis ist wichtig, aber der Prozess ist viel spannender. Traditionelle Mode-Shootings haben immer diesen professionellen Aspekt und man kann die Infrastruktur der Branche nutzen. Außerdem ist Mode immer viel mehr ein Team-Projekt, was mir sehr gefällt. Das Shooting der Eckhaus Latta-Kampagne war also wirklich toll, weil es beide Aspekte in sich vereint hat.

Was hat dich daran gereizt, Fotos für ein Sexualkunde-Buch für Teenager zu machen?
Es war für mich eine Herausforderung, als man mich dafür angefragt hat. Damals hatte ich keine bestimmten Erwartungen, und an einem Sexualkunde-Buch zu arbeiten, fand ich wirklich cool. Am meisten wollte ich aber einvernehmlichen Sex in so vielen unterschiedlichen Formen wie möglich zeigen. Die Fotos dann zu schießen, war aber eindeutig der interessanteste Teil des Ganzen. 

Warum ist Sex-Positivität für junge Leute so wichtig?
Es ist einfach toll, wenn die Leute sich nicht unterdrückt fühlen und allgemein eine positive Einstellung zum Thema Sex haben. Wie Mike und Zoe gesagt haben, die Pubertät ist eine Zeit der Orientierung, vor allem wenn es um Sex geht. Für junge Leute kann Sex sehr verwirrend sein. Man kann vor allem online auf sehr stark vereinheitlichte Darstellungen von Sex oder aber auf sehr puritanische Ansätze treffen.

Wie waren die Reaktionen der Jugendlichen auf das Sexualkunde-Buch?
Das ist schon eine ganze Weile her, aber ich erinnere mich daran, wie Eltern mir erzählten, dass die Bücher immer wieder verschwunden waren, obwohl die Kids zuerst nicht allzu großes Interesse gezeigt hatten.

Welchen Einfluss auf junge Menschen erhoffst du dir von deinen Projekten, die eine positive Einstellung zu Sex zeigen?
Ich verfolge mit diesen Projekten keine bestimmten Ziele. Wenn sie als Sex-positiv aufgenommen werden, finde ich das toll. Ich habe online aber auch viel negative Kritik auf die Eckhaus Latta Kampagne gesehen, aber wenn Leute sie moralisch verwerflich und geschmacklos finden, ist das auch in Ordnung. Ich habe keine Erwartungen daran, „wie" die Leute sie zu finden haben.

Wie war deine eigene Pubertät und welchen Einfluss hat diese besondere Zeit auf deine spätere Arbeit gehabt?
Als Teenager war ich sehr frei und rebellisch. Ich war viel mit älteren Typen unterwegs und wollte so schnell wie möglich raus aus der Schule. Danach habe ich lange Zeit gar nichts gemacht. Dann habe ich meine Meinung geändert und wollte doch nochmal zur Schule und auch studieren. Ich denke, dass ich durch diese Zeit bei meinen Projekten immer versuche, die Dinge so offen wie möglich zu lassen.  

Credits


Text: Hannah Ongley
Fotos: Heji Shin