cakes da killa will nicht mehr nur auf seine sexualität reduziert werden

Gestern hat Cakes da killa noch auf unserer ersten i-D Germany Party gespielt und heute spricht er mit uns über seine Arbeit mit No Name Produzenten, sein Modestudium und warum Homosexualität 2015 anscheinend für manche immer noch ein Problem ist.

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08 Juli 2015, 11:05am

Drei Mixtapes, Touren in Europa und Australien und sogar einen ihm gewidmeten Dokumentarfilm kann der erst 24-jährige Rapper Cakes da Killa bereits vorweisen. Sein Sound ist so verschieden wie seine Meinungen differenziert: mal sanft, mal tanzbar, oft sexy und nur umstandsbedingt politisch. Der in New Jersey aufgewachsene Rashard Bradshaw sagt trotzdem von sich, er sei „ein Ofen, keine Mikrowelle". Das erzählt viel von seinen Ansprüchen an sich selbst. Oder doch von dem Druck, den New York auf seine Einwohner ausübt? Schließlich seien alle und ihre Mütter hier, so Cakes. Wie man sich durch dieses Dickicht schlägt und sich nicht gänzlich in den Projektionen anderer verliert, erklärt er im Interview.

Erzähle mir etwas über die Produzenten, mit denen du zusammenarbeitest. 
Viele sind Newcomer, die ich auf Soundcloud finde. Ich mag es, mit jungen Produzenten zusammenzuarbeiten, weil sie anders klingen als das, was im Radio läuft. Ich bin kein Fan von Musik, die gerade trendy ist. Also folge ich diesen jüngeren Produzenten auf Soundcloud, sie schicken mir ihre Sachen, und so kommen diese Kollaborationen zustande.

Das klingt sehr modern. Hat das Internet deiner Karriere auch anderweitig gut getan?
Genau wie das Leben in New York hat es sein Für und Wider. Das Internet ist süß, weil es mir die Möglichkeit gibt, mich mit Menschen auf der ganzen Welt in Verbindung zu setzen. Gleichzeitig ist das auch ein Nachteil, weil natürlich jeder diese Möglichkeiten hat. Es gibt viel Konkurrenz und das kann nerven. Aber immerhin muss man nicht mehr rumsitzen und auf ein Label warten, dass einen veröffentlicht.

Es verschafft einem auch ein wesentlich größeres Publikum.
Mit einer deutlich kürzeren Aufmerksamkeitsspanne.

Du hast an der Montclair State University Mode studiert. Hast du auch Ambitionen, das weiter zu verfolgen?
Ich habe früher auch Vorbereitungskurse am FIT belegt und mich sehr für Design interessiert. Ich dachte immer, dass ich Designer oder Journalist werde und über Mode und Musik schreiben werde. Dann bin ich irgendwie ins Rappen hineingestolpert und das zahlt sich jetzt aus. Ich glaube nicht, dass ich es in dieser anderen Industrie unbedingt geschafft hätte. Wenn ich genug Geld habe, eröffne ich vielleicht ein kleines Modegeschäft. Zur Zeit kommt mir alles sehr überfüllt vor. Es müssen erst mal ein paar Leute damit aufhören, bevor ich damit anfange.

Dein Hintergrund in Mode zeigt sich auch in deinen Videos.
Es ist auf jeden Fall mehr eine Leidenschaft als ein Karrierewunsch. Oftmals blockiert es mich mental, mich auf meine Vollzeitbeschäftigung als „meine Karriere" zu konzentrieren. Ich stelle mich gerade mit Musik darauf ein, aber bisher war das für mich einfach was mir Spaß macht.

Der Moment, in dem deine Leidenschaft zu deinem Job wird, ist auf jeden Fall merkwürdig.
Ja, diese Professionalisierung ist komisch. Und sich mit all diesen Meinungen rumzuschlagen zu müssen! Wenn Leute an dich glauben, meinen sie alle genau zu wissen, was du als nächstes machen musst, und wie du das angehen sollst. Ich hasse es, wenn mir Leute sagen, was ich machen soll. Als ob es nur einen richtigen Weg zu deinem Ziel gibt! Ich denke mir dann immer: Solange diese Leute keine etablierten Rapper sind, sollen sie nicht tun als wäre ihre Meinung ein Klumpen Gold und ihr Wort das Gesetz. Ich habe schon viel erreicht. Irgendwas mache ich offensichtlich richtig.

Die Regisseurin Ja'Tovia Gary portraitiert dich in ihrem Film „No Homo". Im Trailer sagst du, dass du keine politische Agenda mit deiner Musik verfolgst...
Genau. Viele Leute hätten mich gerne als Aktivisten, aber für mich geht es viel mehr um einfache Sichtbarkeit. Ich möchte, ich sein können, und nicht gleich aufgrund meiner Sexualität diese radikale Person sein müssen.

Sich in jedem Interview deiner Sexualität widmen zu müssen, ist auch nur Exotismus, oder?
Auf jeden Fall! Es ist auch so langweilig. Ich identifiziere mich nicht mal als queer. Ich habe Respekt für die Queer-Community, aber das ist etwas ganz anderes, als was ich mache. Oft glaube ich, dass bestimmte Medien meine Musik nicht mal wirklich anhören.

Deine Texte sind relativ explizit.
Das liegt an der Natur von HipHop. Es ist nun mal sehr sexuelle Musik. Als ein schwuler Künstler in HipHop denke ich immer wieder: Wenn Pharrell einen ähnlich sexuellen Song macht, stellt ihm niemand Fragen über sein Sexleben. Das zeigt, dass auch 2015 Homosexualität immer noch ein Tabu ist. Besonders schwule, weiße Medien in New York wollen mit mir nur über Sex reden. Dabei geht es in meiner Musik um so viel mehr. Oft sehen meine Gegenüber in Interviews nicht aus wie ich. Sie verstehen schwarze Musik nicht. Und für schwarze Medien ist es leider immer noch ein empfindliches Thema.

Du hast dieses Jahr bereits die EP #IMF veröffentlicht, die von weit mehr als nur Sex handelt.
Genau. Im Prinzip hat mir dieser Junge das Herz gebrochen und ich wollte über Liebe sprechen. Ich wollte ein Konzeptalbum machen, dass über seine Tracks eine ganze Geschichte erzählt. Es fängt also damit an, wie ich ihn treffe und erzählt dann von meiner Erfahrung mit jemandem zusammen zu sein, der nicht offen schwul ist. Es gibt so viele Songs über Frauen, die von ihren Männern betrogen werden und umgekehrt. Man findet für so gut wie alle heterosexuelle Szenarien relativ schnell den passenden Song. Aber es gibt keine Songs über den Typen, der nicht offen schwul lebt, aber trotzdem schwul ist. Ich wollte darüber schreiben, weil diese Typen natürlich meist lieber offen mit ihrer Homosexualität umgingen, aber nicht bereit sind, mit dem sozialen Stigma zu leben, das leider immer noch existiert. Ich wollte etwas schreiben, womit sich meine Freunde identifizieren können.

Du warst nicht dabei, willst Cakes aber auch einmal live erleben. Dann auf zum Melt! Festival, wo er spielen wird.Mehr Infos findest du hier. 

@cakesdakilla

Credits


Interview und Text: Bianca Heuser
Fotos: Paul Aidan Perry