Der i-D Guide, um ein neues Leben in einem anderen Land anzufangen

Zu Hause ist alles langweilig und scheiße? Dann zieh doch in ein neues Land. Wie du das am besten anstellst, verraten wir dir hier.

von Viola Funk und Alexandra Bondi de Antoni
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26 September 2016, 7:10am

Du musst dich und deine Entscheidungen nicht verteidigen. Keiner weiß, wie und wer du bist.
Besonders in einem neuem Land wirst du oft abenteuerlustig und experimentierfreudig. Du warst Vegetarier und willst Fleisch essen? Du willst einen neuen Style ausprobieren, aber hast keine Lust, dass jeder dich darauf anspricht? In deinem neuen Leben hat niemand eine Vorstellung davon, wie du normalerweise bist oder wie du zu sein hast. Niemand hat Erwartungen an dich und niemand bemerkt Veränderungen. Denn keiner kennt dich und das kannst du zu deinem Vorteil nutzen. Probiere aus, was du möchtest. Tue, was du willst. Du musst keine einzige deiner Entscheidungen erklären oder verteidigen und kannst dich ungestört neu erfinden oder aber herausfinden, dass du bereits glücklich und zufrieden mit dir selbst bist.


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Nutze die fremde Sprache zu deinem Vorteil
Eine fremde Sprache zu sprechen, kann hin und wieder anstrengend sein. Doch die Vorteile, die du aus deiner neuen Sprache ziehen kannst, stellen diese Momente problemlos in den Schatten. Nicht nur wird jeder deinen Akzent hinreißend finden und dich gleich ins Herz schließen. Du hast mit jedem ein Smalltalk-Thema und kannst von deiner Heimat erzählen. Wirst du beim Schwarzfahren erwischt, erkläre mit gebrochenen Worten, dass du neu in der Stadt und vor allem ahnungslos bist. Du kannst in der Öffentlichkeit sitzen und ganz offen mit deiner besten Freundin über dein neues Sexleben (und die Tinderdates) sprechen. Und weißt du manchmal nicht, was du sagen sollst, kannst du es ganz einfach auf die Sprache schieben. Das Beste jedoch ist, dass du nach einer Weile eine zweite Muttersprache hast.

Tinder eröffnet dir ganz neue, vorurteilsfreie Welten
Während Tinder in deiner Stadt oftmals nicht mehr als ein langweiliges Handyspiel ist, das du nach ein paar Wochen durchgespielt hast, öffnet es dir in einer fremden Stadt ganz neue Türen. Denn anders als zu Hause, wo deine Freunde die Hälfte deiner Matches kennen und eine Meinung zu ihnen haben, und du die andere Hälfte schon mal auf einer Party betrunken in der Ecke liegen gesehen hast, ist hier plötzlich alles vorurteilsfrei. Du kannst dich auf alles und jeden einlassen, kennst keine Ex-Geliebten und hast die wohlverdiente Chance, jemanden unbefangen kennenzulernen. Noch dazu ist ein Date eine perfekte Gelegenheit, dir von einem Local die Stadt zeigen zu lassen und dient besonders in der Anfangszeit als ideale Gelegenheit, abends sozial zu sein, anstatt alleine auf dem Sofa zu sitzen.

Aber es ist auch vollkommen OK, wenn du ein bisschen allein und für dich bist
Der Schritt ins Neue ist aber auch eine gute Möglichkeit, einmal ein bisschen alleine zu sein. Lies jedes Buch, das du jemals lesen wolltest; geh alleine in der Nacht spazieren; schreibe dein Leben in ein Buch, mach es zu und schau ab dann nur mehr nach vorne. Du wirst Seiten an dir entdecken, die dir vorher nicht bekannt waren.

Leih dir die Freunde deiner Freunde aus
In einer neuen Stadt hast du unendliche Möglichkeiten neue Leute kennenzulernen, aber oft dauert es eine Weile, bis du die Freunde gefunden hast, die genau auf deiner Wellenlänge sind. Ein perfekter Weg, gleich zu Beginn an die Perlen deiner neuen Erfahrung zu gelangen, sind Freundesfreunde. Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Freunde ein gutes Urteilsvermögen haben, ist relativ hoch und so sind ihre Freunde oft auch deine Freunde. Besonders in einem fremden Land ist es hilfreich, sich diese Freunde auszuleihen. Die Sympathie beruht zudem meist auf Gegenseitigkeit, schließlich haben beide Seiten eine Schwachstelle für den einen gemeinsamen Freund. Das verbindet.

Du hast immer einen Ausweg: Dein anderes Leben
In ein neues Land zu ziehen, weit weg von Freunden und Familie, kann beängstigend sein. Doch diese Angst kannst du schnell überwinden, wenn du verstehst, dass du jederzeit in die Arme deiner Familie, in deinen sozialen Strukturen, in den echtes Leben zurückkehren kannst. Das gibt dir nicht nur Sicherheit und Selbstbewusstsein, es gibt dir zudem eine ganz neue Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Du kannst völlig befreit handeln. Die große Angst vor dem Versagen wird kleiner, die hohen Erwartungen an sich selbst und andere schrumpfen. Hier kannst du mit einer kindlichen Neugier alles erforschen und versuchen. Die sozialen und geistigen Grenzen, Muster und Gewohnheiten können hier einfach aufgebrochen und neu definiert werden. Und falls irgendetwas nicht klappt, kannst du immer in das andere Leben zurückgehen.

Also wenn es dir wirklich nicht gefällt, gibt es immer noch so etwas, was sich Zuhause nennt
Zurückkehren ist nicht schlimm, vielleicht ist Auswandern einfach nichts für dich und du merkst, dass es zu Hause doch am schönsten ist. Und wenn du nichts anderes auf deinem Trip ins Ungewisse gelernt hast, dann wenigstens das, was ja auch gar nicht so wenig ist.

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