das neue album von marching church ist „ungewohnt melodisch und schon fast poppig“

Elias Bender Rønnenfelt hat mit uns nach seinem Berlin Auftritt über sein neues Marching Church Album „Telling it like it is“ gesprochen.

von Selina Bauer
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24 November 2016, 10:40am

Marching Church ist der Name eines in Kopenhagen ansässigen Rock-Ensembles rund um Sänger Elias Bender Rønnenfelt. Die Gruppe hat Mitte November endlich das heiß-erwartete Follow Up zu ihrer Debütplatte The World Is Not Enough herausgebracht. Aus diesem Anlass haben wir mit dem dänischen Schönling über die Bandgeschichte, die neue Platte und seine Beziehung zu Berlin gesprochen. 

Das neue Album „Telling it like it is" ist weniger melodramatisch und klingt viel harmonisch und dynamischer als das vorherige Album.
Unser vorheriges Album „This World is not enough" war viel improvisierter und ziemlich arhythmisch. Wir haben das Studio beim zweiten Album in einer völlig neuen Art und Weise genutzt. Bei „Telling it like it is" war die Arbeit viel fokussierter auf Harmonie und Dynamik. Die Songs sind stringenter und ungewohnt melodisch, schon fast poppig.

Kannst du den Sound von „Telling it like it is" mit fünf Wörtern beschreiben?
Groove, Glitter, Regen, Nacht und Garage.

Was ist dein Lieblingssong auf dem neuen Album?
Die Frage kannst du beantworten. Ich nicht! Ich habe das Album nach der Fertigstellung nicht mehr gehört. Das macht doch kein Künstler, oder? Ich zumindest nicht. Welcher ist dein Lieblingssong? 

Heart of Life".
Warum?

Der Song ist einfach ein Hit finde ich! Wahnsinnig eingängig und mein Ohrwurm seit Tagen. Gab es eine bestimmte Ästhetik die dich inspiriert hat?
Obwohl es einem leicht fallen müsste, genau zu sagen, wovon man inspiriert wurde, fällt es mir doch sehr schwer. Eine Stimmung oder Ästhetik, die mich beschäftigt hat und Einflüsse auf das Album hatte, kann ich nicht wirklich in Worte fassen. Außerdem möchten wir als Band uns sozusagen ein Mysterium um unsere eigene Arbeit erhalten. Das klingt jetzt vermutlich komisch, ist es auch. [Lacht]

Marching Church war ursprünglich als einmaliges Soloprojekt von dir geplant. Mit Album Nummer zwei seid ihr diesem Status aber entstiegen. Wie kam es dazu?
Es war kein geplantes Soloprojekt. Ich wollte sehen, was entstehen kann, wenn all diese unterschiedlichen Musiker zusammenkommen. Zu Beginn war nicht klar, dass daraus überhaupt eine Band entstehen wird. Das erste Album war auch einfach ein Experiment. Doch Marching Church hat sich natürlich weiterentwickelt. Für alle Bandmitglieder war schnell klar, dass der Sound, den wir kreiert haben, über ein Album hinausgeht.

Ihr seid erneut auf Tour. 
Das Tourleben hat seine Vor- und Nachteile. Auf Tour bin ich der Sklave meines eigenen Kalenders! Ich muss keinen Grund finden, um morgens aufzustehen oder mir Gedanken machen, wie ich mich den Tag über beschäftige. Es ist im Grunde jeden Tag das Selbe. Wirklich spannend ist es nicht! Eigentlich verbringe ich den Tag bis hin zum Konzert mit warten. Das nervt! Ein tolles Konzert zu spielen, ist der einzige Weg, meinen Tag glücklich zu beenden. Wenn mir das nicht gelingt, ist mein Tag ruiniert. 

Mir wurde gesagt, dass du zu der Zeit, in der du am letzten Iceage Album „Plowing into the field of love" gearbeitet hast, in einem unfassbar großen Apartment im Westen Berlins gelebt hast. Ist das wahr?
Ja, das stimmt. Ich habe förmlich meinen Verstand verloren, als ich wochenlang in der Wohnung vor meinen Texten saß. Musste mich ab und an mit Ausgehen ablenken.

Also kennst du Berlin ziemlich gut, oder?
Na ja, ich mag Berlin, aber ich würde nicht behaupten, dass ich die Stadt gut kenne. Ich habe einige Freunde hier.

Wo hältst du dich in Berlin gerne auf?
Es gibt da ein paar Orte, an denen ich mich tatsächlich oft aufhalte, aber ich bin kein Tourguide, so gut kenne ich die Stadt nicht. Es gibt da ein jamaikanisches Restaurant, mit deren Besitzer ich mich angefreundet habe, aber ich kann mich nicht an den Namen erinnern. Und ich gehe gern in diese eine Bar „mit der Rose" in Kreuzberg.

Das Rosis?
Ja, genau.

Was hörst du aktuell?
In letzter Zeit höre ich viel Disco. 

Was ist für dich der beste Song, der je geschrieben wurde?
Na komm schon, du weißt, dass diese Frage niemand beantworten kann. Ich zumindest nicht. [Lacht]

@marchingchurch

Credits


Text: Selina Bauer

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