Diese Fotostrecke zeigt Männer von ihrer verletzlichen Seite

"Ich verstehe nicht, warum Männlichkeit immer sofort mit Männern und Weiblichkeit mit Frauen assoziiert wird. Dadurch entstehen Erwartungen, die kein Mensch erfüllen kann."

von André-Naquian Wheeler
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13 Oktober 2017, 8:19am

Weil Marcus Branch gehofft hat als queerer Mann andere Männer und sich selbst besser zu verstehen, hat er mit dem Fotografieren begonnen. Auf seinen Bilder sind vorwiegend Men of Color in selbstbewussten und verletzlichen Posen zu sehen. Er selbst nennt seine Arbeiten "Männer-Studien" und macht damit das emotionale Innenleben seiner Motive zum Fokus.


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"Durch meine Porträts habe ich erkannt, wie komplex Männlichkeit eigentlich ist", erklärt der aufstrebende Fotograf. "Ich glaube, dass Männlichkeit in einem dualen Verhältnis zur Weiblichkeit steht und jeder von uns Eigenschaften aus beiden Bereichen besitzt. Ich verstehe nicht, warum Männlichkeit immer sofort mit Männern und Weiblichkeit mit Frauen assoziiert wird. Dadurch entstehen Erwartungen, die kein Mensch erfüllen kann."

Uns hat der amerikanische Künstler verraten, was er aus seinen Porträts über andere Männer und sich selbst gelernt hat.

Wie haben dich deine Bilder anderen Männern näher gebracht?
Als männlich wird man definiert, wenn man die Eigenschaften besitzt, die traditionell mit Männern assoziiert werden wie Stärke, Mut und Unabhängigkeit. Die Männer, die ich fotografiert habe, strahlen Mut aus, weil sie sie selbst sind und sich treu bleiben. Sie sind stark, weil sie Normen infrage stellen, und unabhängig, weil sie nicht auf die Bestätigung anderer Männer hoffen, die als männlich gelten. Diese Beobachtungen haben mich fasziniert.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich komme aus West Philadelphia und habe meine ganze Kindheit dort verbracht. Im ersten Jahr an der Highschool habe ich angefangen, mich fürs Fotografieren zu interessieren. Damals habe ich mit Selbstporträts gemacht und gehofft, dass ich damit die krassesten Fotos auf Myspace habe und gegen den Strom der Duckface-Selfies schwimmen würde. Später habe ich damit begonnen, Freunde und Familienmitglieder zu fotografieren. Ich habe alle möglichen Zeitschriften verschlungen und mich mit den Arbeiten diverser Künstler befasst, um so meinen eigenen Stil zu entwickeln.

Was genau fasziniert dich an Männern?
Vielleicht verstehe ich als Mann einfach ihre und meine Komplexität nicht so ganz. Mit meinen Fotos versuche ich, dem näherzukommen. Ich will wissen, was sich hinter der Performance von Männlichkeit steckt, die durch den Einfluss der Gesellschaft hervorgerufen wird. Mich fasziniert die Schönheit der Männer — und nicht wie sexy sie sind, sondern ihr Wesen und die versteckte Verletzlichkeit.

Was macht eine gute Männer-Studie aus?
Es beginnt mit einem unwiderstehlichen Mann in seiner natürlichen Umgebung, dadurch entsteht ein authentisches Bild. Es ist eine Erkundung seiner Verletzlichkeit, Ehrlichkeit und auch ein gewisses Maß an Intimität. Man tauscht Lebensgeschichten aus, es entsteht eine Verbindung, die wiederum den Prozess bereichert und zu ganz besonderen Augenblicken führt. Ein ehrliches Erlebnis macht eine gute Männer-Studie aus. Ich fange gerne ruhige Momente ein, solche, die man sonst oft alleine verbringt. Die Verletzlichkeit in den Gesichtern einschüchternder oder unnahbarer Menschen zu sehen, ist wunderschön.

Welche Rolle spielt die Hautfarbe deiner Models in deiner Fotografie?
Ich will mit meinen Arbeiten vor allem People of Color zelebrieren, Vielfalt fördern und eine positive Wahrnehmung dessen liefern, was oft falsch dargestellt wird. Meine Fotos sind sehr stark von den Arbeiten und Einflüssen Jean-Michel Basquiats, Kehinde Wileys und Langston Hughes geprägt. Da ich selbst schwarz bin, hat das definitiv Einfluss auf meine Fotos und meine Perspektive als Künstler, aber es schränkt das Ziel meiner Arbeiten nicht ein. Ich fotografiere nicht nur schwarze Männer, genauso wie ich nicht nur queere und politische Arbeiten mache. Ich bin sehr vielseitig und habe unterschiedliche Einflüsse, die sich in meinen Arbeiten widerspiegeln. Die Hautfarbe der Leute, die ich fotografiere, spielt in meinen Arbeiten sowohl direkt als auch indirekt eine wichtige Rolle, aber sie ist nicht das einzig wichtige Element.

@marcus.branch

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.