die 10 besten filme 2015

Wir präsentieren euch die Filme, die für uns das Jahr 2015 definiert haben, von „Amy“ über „Carol“ bis „Mad Max“ und „Dior and I“.

von Colin Crummy
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25 Dezember 2015, 9:00am

Bryan Adams and George Harvey 

1. Amy
Amy führte noch einmal das außergewöhnliche Talent dieser zu früh verstorbenen Sängerin vor Augen und macht uns alle gleichzeitig für ihren öffentlichen Niedergang verantwortlich. In Großbritannien avancierte der Film zur erfolgreichsten Dokumentation aller Zeiten und eine Oscar-Nominierung ist in greifbarer Nähe. Aber das bedeutet alles wenig, wie uns Amys früherer Manager Nick Shymansky sagte: „Jeder aus dem Umfeld Amys ist ein Verlierer, mich eingeschlossen. Wir haben alle verloren." Amy erinnert uns daran, wie viel wir verloren haben.

2. Carol
Todd Haynes' Liebesgeschichte aus den Fünfzigern kann man sich immer und immer wieder anschauen. In Carol geht es eigentlich um das lesbische Liebespaar, gespielt von Cate Blanchett und Rooney Mara, aber es ist genauso ein Film darüber, wie einsam sich verlieben ist. Jeder verstohlene Blick und jedes kurze Gespräch bedeuten so viel für die angehenenden Liebhaberinnen, die einen verbotenen und gefährlichen Tanz in McCarthy-Amerika aufführen. Carol besitzt die queere Ästhetik wie alle Filme von Todd Haynes, aber dieser Film ist mit Abstand sein bester.

3. Mommy
Entweder groß oder gar nicht, könnte das Motto von Xavier Dolan sein. Er führte nicht nur Regie beim Musikvideo zu Adeles „Hello", sondern startete dieses Jahr mit den Arbeiten für seinen ersten Hollywoodfilm, den englischsprachigen Film The Life and Death of John F. Donovan, bei dem Kit Harington und Jessica Chastain mitspielen werden. Nicht schlecht für jemanden, der nächstes Jahr 27 wird. Aber Anfang dieses Jahres lieferte er mit Mommy eine andere Tour de Farce mit überzeugenden Visuals und überraschenden emotionalen Tiefen ab.

4. Tangerine
Tangerine ist die lustige Geschichte von Regisseur Sean S. Baker über zwei Transfrauen Schrägstrich Prostituierte, die Heiligabend den Sunset Boulevard aufmischen. Dieser Film war am meisten im Jahr 2015 verortet: gedreht mit iPhones und durch einen Instagramfilter, und die Hauptrollen übernahmen zwei Transschauspielerinnen mit keinerlei Erfahrung. Das Ergebnis: der bunteste, vulgärste und unerwartet emotionalste Film des Jahres, plus einer innovativen Blowjobszene.

5. Mad Max: Fury Road
Es dauerte 25 Jahre bis George Miller das Franchise, was ihn berühmt machte, wiederbelebte. Mad Max ist alles andere als langsam. Tom Hardy gibt Vollgas, Charlize Theron nimmt sich der überraschenden feministischen Agenda an und am Ende geht alles in einem Sturm aus Feuer, Sand, Blut und einem Schuss Death Metal unter. Mad Max: Fury Road war der Blockbuster des Sommers.

6. Eden
Filmische Darstellungen vom Geschehen auf dem Dancefloor werden den Erwartungen meistens nicht gerecht, aber Eden ist die Ausnahme. In dem Film wird die Stimmung Anfang der 90er in der Pariser Dance-Underground-Szene auf coole Art und Weise eingefangen. Drehbuchautorin und Regisseurin Mia Hansen-Love stellt den ziellosen Ehrgeiz von Unter-30-Jährigen an ihrer männlichen Hauptrolle, den französischen DJ Paul Vallée, gespielt von Félix de Givry, dar. Gleichzeitig wird durch die Geschichte aber die aufkommende Clubkultur in der französischen Hauptstadt packend erzählt. Der Soundtrack ist großartig und außerdem sind die Boys von Daft Punk in Gastrollen ohne ihre Helme zu sehen.

7. The Tribe
Um das fantastische Debüt von Myroslav Slaboshpytskiy The Tribe komplett verstehen zu können, müsstest du einen Kurs in ukrainischer Gebärdensprache absolvieren. Denn der Film bricht mit Gesprächs- und Untertitelkonventionen. Wer sich im Publikum nicht mit Gebärdensprache auskennt, muss selbst aktiv werden und Detektiv spielen, als die Schüler der Gehörlosenschule losziehen und einen Prostituiertenring aufbauen. Der Film entfaltet sich wie ein zeitgenössischer Tanz, die Kamera bewegt sich von Raum zu Raum und Sex und Gewalt entwickeln sich in Stille. Die einzigartige Filmsprache machte The Tribe 2015 zu einem der Filme, die man gesehen haben sollte.

8. The Lobster
Stell dir vor, deine schlimmsten Tinder-Albträume werden wahr. Im englischsprachigen Debüt von Giorgos Lanthimos spielt Colin Farrell einen über 40-jährigen Junggesellen, der eine Partnerin finden muss oder sich in ein Tier seiner Wahl, in seinem Fall: ein Hummer, verwandeln muss. Daraus entwickelt sich ein komplexes Gedankenexperiment, das Pärchen wie Singles gehörig durcheinanderwirbelt. The Lobster hinterfragt unsere Sehnsucht nach Bindung und Einsamkeit.

9. Dior and I
Wäre Dior and I auf dieser Liste, wenn der Kapitän den Tanker Dior nicht verlassen hätte? Vielleicht nicht. Die Dokumentation von Frédéric Tcheng über den Start von Raf Simons als Creative Director des französischen Modehauses ist ein ziemlich geradliniger Film, bei dem der Zugang zu diesem Universum mit gewissen Auflagen verbunden war. Aber rückblickend bietet Dior and I einen erhellenden Blick in den Alltag des Künstlers im Herzen der Modemaschinerie. Durch den Zugang von Tcheng in die Dior-Ateliers erinnert der Dokumentarfilm außerdem an das Herz und die Seele von Mode.

10. Sunset Song
Sunset Song ist Terence Davies' Verfilmung des gleichnamigen schottischen Romanklassikers von Lewis Grassic Gibbon. Die Geschichte entwickelt sich langsam - eine Erzählgeschwindigkeit, die anders ist als alles, was wir 2015 gesehen haben. Die meditative Stimmung zieht sich durch den gesamten Film, unterbrochen durch die brutalen Aspekte. Agyness Deyn spielt eine junge Frau, die Anfang des 20. Jahrhunderts im ländlichen Schottland ihre Stimme findet und die meisterhaft untertreibt, wie der Film selbst. Regisseur Terence Davies sagte, dass er von Deyns Supermodel-Vergangenheit nichts wusste, als er sie für die Rolle verpflichtete. Nach Sunset Song wird ihr der Catwalk fremd vorkommen.

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Credits


Text: Colin Crummy
Foto: Bryan Adams und George Harvey
The Role Model Issue, No. 321, Herbst 2012

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