wie rebellische surfer die erste menswear-kampagne von acne studios inspirierten

Acne Studios hat seine erste Menswear-Kampagne veröffentlicht, fotografiert von David Sim und M/M Paris war für die Artdirektion zuständig. Inspiriert wurden Acne Creative Director Jonny Johannsson von Robin Kegel, seines Zeichens Surfstar und Künstler...

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27 Januar 2016, 11:35am

Wieso hat es so lange gedauert, bis wir eine Kampagne mit Männern gesehen haben. Wieso hat sich die Zeit richtig angefühlt?
Jonny: Für mich geht es darum, die beste Idee zu finden, die Acne Studios repräsentiert. Diese Saison wollte ich zum Ursprung der Spring-/Summer-16-Kollektion vordringen. Ich bin von Surfen besessen und eine der Inspirationen ist der Surfer Robin Kegel, der auch Prints für die Kollektion entworfen hat. Es hat sich einfach natürlich angefühlt, im Studio von Robin in Biarritz zu shooten. Dort entwirft er auch seine Surfboards. David Sims, ebenfalls Surfer, hat die Kampagne fotografiert und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Wo hast du Robin getroffen und was hat dir an ihm gefallen?
Jonny: Als ich Surfen für mich entdeckt habe, habe ich mich mehr für die europäische Surferszene als für die kalifornische interessiert. Ich habe immer wieder von diesem einen Typen, Robin, gehört, der Surfboards entwirft. Ich war dann in Biarritz surfen. Er war zur selben Zeit am selben Ort und eins führte zum anderen. Ich halte ihn für eine sehr inspirierende Person und ich entdecke viele Gemeinsamkeiten zwischen den Anfängen von Acne Studios in 1996 und der Art und Weise, wie er jetzt arbeitet. Es ist eine furchtlose und mehr vom Instinkt geleitete Herangehensweise.

Wie hat er die Kollektion und die Kampagne beeinflusst?
Jonny: Robins Designs für Surfboards sind so fantastisch. Ich habe jeden Abend in japanischen Onlineshops nachgeschaut, ob sie von ihm ein neues Design haben. Ich wollte keine Surfer-Kollektion an sich machen, sondern seine Prints auf der Kleidung zeigen. Wir haben Jumpsuits entworfen, die fast so groß sind wie ein Surfboard, damit wir all seine Wellen und Kreis-Prints zeigen können. Die Prints haben wir außerdem für Kaschmir-Pullover verwendet und absichtlich mit Pilling-Effekt gearbeitet. So soll der Eindruck entstehen, als ob er gerade vom Surfen kommt. In der ganzen Kollektion spiegelt sich seine Art und Weise, wie er sich anzieht, wider. Als wir die Kollektion präsentiert haben, ließen wir Perücken für die Models anfertigen. Es sollte so aussehen wie seine Frisur.

Deine letzte Womenswear-Kampagne mit deinem Sohn Frasse war eine Sensation. Wie waren die Reaktionen darauf? Sie wurde viel gelobt, aber gab es auch negative Reaktionen?
Jonny: Die überwiegende Mehrheit der Reaktionen fiel positiv aus. Geht es doch darum, eine moderne Ästhetik zu definieren, statt vorgefertigte Grenzen oder Normen zu erfüllen. Ich bin so stolz auf Frasse, der so unbeschwert und natürlich mit der ganzen Aufmerksamkeit, Kampagne und Kollektion umgegangen ist.

Nächstes Jahr feiert Acne seinen 20. Geburtstag. Wie sehen die Pläne dafür aus?
Jonny: Ich bin nicht der Typ, der an diesen Anlässen innehält und feiert. Ich denke lieber an die Zukunft. Dennoch bin ich natürlich sehr stolz darauf, was wir in den letzten 20 Jahren erreicht haben.

Wie hat dich Jonny kennengelernt und wie war die Zusammenarbeit mit ihm?
Robin: So wie ich das verstanden habe, interessiert sich Jonny jetzt für die ganze Surferkultur. Ich war nicht da, als er meine Mitarbeiter in der Fabrik in Frankreich besuchte. Die sprachen von einem faszinierenden Schweden, der vorbeischaute. Später sagte er mir, dass ihn die Farbkleckse in der Fabrik und von dem Menschen, die zu Jazz arbeiten, begeistert haben. Nach meiner Rückkehr bestellte er dann spezielle Boards. Dann bekam ich eine Nachricht von meinem japanischen Vertriebspartner. Der meinte, dass ein schwedisches Label die Limited Edition von Boards aus Balsaholz aufgekaufte, die ich erst geliefert hatte.

Monate später bekam ich von jemanden bei Acne Studios einen Anruf und der schlug mir einen Trip nach Stockholm vor, um eine mögliche Kollaboration auszuloten. Ich habe Jonny dann einen Tag später getroffen und er war spezifisch und freundlich. Wir kannten uns ja schon eine Weile. Er erklärte mir, was er an meiner Marke und Arbeit mag. Ich stand unter Schock in Stockholm. Weit weg von irgendeinem Strand, erklärte mir ein etablierter Modemogul, welche Elemente er an meiner Arbeit schätzt. Vieles von dem, was er sagte, erinnerte mich daran, dass die Surferbranche diese Elemente übersehen hat, vielleicht waren einige Elemente zu konzeptionell für die alternative Surferszene. Jonny sah jedenfalls Potenzial in der Ästhetik und in den Designs.

Wie fühlt man sich, wenn man eine Inspiration für eine Kollektion ist?
Robin: Das Acne-Team hat eine Atmosphäre geschaffen, mit der ich mich identifizieren konnte. Ich bin geehrt, dass viele Elemente wie die Frisur oder die unordentliche Fabrik zu ihrer Kollektion passen. Alles hat sich natürlich angefühlt, nichts fühlte sich gezwungen an und meine abstrakten Designs passten zum Rest der Kollektion.

Wie beurteilst du die heutige Surferbranche?
Robin: Die Surferbranche, Surfen zu gehen und der weltweite Surfer-Lifestyle sind verschiedene Dinge. Die Branche hat aus einer ungezwungenen Lebenseinstellung etwas Kommerzielles gemacht. Ich habe Freude daran, handgefertigte, klassische Limited-Edition-Boards herzustellen, durch die Welt zu reisen und mit Freunden an Projekten für die Firma zu arbeiten. Die meisten von uns haben kein festes Büro. Heutzutage ist Surfen so omnipräsent, weil Surfen einfach Spaß macht. Für jeden, der das Wasser und die Natur mag, ist es potenziell attraktiv.

Was hat die Designs deiner Boards inspiriert?
Robin: Inspiriert wurden Jonny und die Acne-Crew von geometrischen Mustern, Farben und abstrakten Formen, für die meine Arbeiten so bekannt sind. Außerdem passten sie zu einem weniger klischeebasierten Bild von Surfboards. Meine Entwürfe haben eine feinere Ästhetik, die von Bossa Nova und Boheme-Avantgarde inspiriert wurde. In meinen Arbeiten verschmelzen praktische, performative Surfelementen und Kunst.

Du stammst auf den USA. Wieso bist du nach Biarritz gezogen?
Robin: Ich bin nach Frankreich gekommen, um das Surfen wiederzubeleben und den klassischen California-Style nach Europa zu bringen. Es geht um einen Kulturaustausch zwischen unbekannten Küsten und der Alten Welt. Die europäische Surferszene ist noch ziemlich neu, während die Szene in Kalifornien schon ziemlich etabliert ist. Viele Europäer orientieren sich an der kalifornischen Surferkultur. Stattdessen sollten sie sich lieber an Hawaii orientieren, die originalen Surfgötter.

acnestudios.com

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Credits


Interview: Stuart Brumfitt
Fotos via Acne Studios