wieso du deinen job kündigen und deinen träumen hinterherjagen solltest

Nicht nur reden, einfach machen!

von Felicity Kinsella
|
05 Februar 2016, 2:05pm

„Quit your job, buy a ticket, get a tan, fall in love, never return." Für Kendall und Kylie Jenner mag es einfach sein, nach diesem Motto zu leben (und Geld mit diesem Spruch als T-Shirt-Print zu verdienen—ursprünglich von Island Company und von ihnen geklaut). Die beiden leben schließlich in einem Land, wo sie das Zehnfache meines Jahresgehalts für einen Instagram-Post verdienen. Dass sie einen Piloten für ihren Privatjet anheuern, ist realistischer, als dass sie sich ein Flugticket kaufen. Es ist auch höchst unwahrscheinlich, dass ihnen das Geld ausgeht, während sie auf dem Banana Pancake Trail unterwegs sind und ihre letzten Baht in einem Internetcafé ausgeben, um ihre Eltern anzuflehen, dass sie ihnen den Rückflug bezahlen. Für den durchschnittlichen 20-Jährigen ist es dagegen nicht so ohne Weiteres machbar, nach diesem Motto zu leben, den Job hinzuschmeißen und sich ein Jahr Auszeit zu nehmen. Aber das muss nicht so bleiben.


Auch auf i-D: Auch diese Skatergirls jagen ihrem Traum hinterher


Dass ich in den letzten fünf Jahren ständig im Dispo gelebt habe, hat mir nichts ausgemacht, weil so auch jeder andere in meinem Umfeld gelebt hat. Und trotzdem hatten wir die beste Zeit unseres Lebens. Auch wenn es momentan populär ist, das Gegenteil zu behaupten: Ein Großteil deines Gehalts kann sehr wohl für die Miete draufgehen und du musst dich trotzdem nicht von Wasser und Brot ernähren—solange es dir nichts ausmacht, No-Name-Wodka von Lidl zu trinken und auch deine sonstigen Einkäufe beim Discounter zu erledigen (Das ist kein Diss gegen Lidl, denn dort gibt es Qualität für den kleinen Geldbeutel und Lidl lohnt sich wirklich). Doch was die meisten von uns nicht können: Geld sparen—oder viel richtiger, überhaupt Geld zu haben, das wirklich uns gehört und das wir uns nicht von der Bank zu überhöhten Dispozinsen ausgeliehen haben. Wenn dann irgendwas Unvorhergesehenes passiert, haben wir kein Polster, auf das wir zurückgreifen können. So ist es zum Beispiel einer ehemaligen Mitbewohnerin von mir ergangen. Die hat bei ASOS gearbeitet, als deren Lager abbrannte, und ihre ganze Abteilung wurde im Zuge dessen aufgelöst. Und ihre Abteilung hatte nicht mal Schuld am Feuer! Wenn du Glück hast, befindest du dich in einem Hamsterrad mit ständigen Gehaltserhöhungen. Irgendwann kannst du dir vielleicht vom Angesparten ein Häuschen leisten, in der Zwischenzeit kannst du die ganzen tollen Dingen, die dir die Großstadt bietet, in vollen Zügen genießen. Für eine Weile arm zu sein, ist nicht so tragisch. Der Schlag hat mich getroffen, als ich begriffen habe, dass ich nicht mein Leben lang nur für meine Miete arbeiten will. Ich will arbeiten, um mir das leisten zu können, was ich schon immer tun wollte: Reisen.

Nach meinem Gefühlschaos aus „Ich bin eine starke, unabhängige Frau und ich weiß, was ich tun muss", gefolgt von „Ich weiß nicht, wer ich bin und was ich mit meinem Leben machen will" und schließlich untermischt mit der Tatsache, dass ich mir geschworen hatte, nie wieder zurück nach Hause zu ziehen, bin ich schließlich wieder zu Hause bei meinen Eltern eingezogen. Erfreulicherweise erging es zur selben Zeit auch ein paar Freunden genauso. Vielleicht liegt es an der Luft, aber das Hunderte Euro teure Ticket für die Bahn oder der anderthalbstündige Arbeitsweg wirkten plötzlich attraktiver als die Aussicht, sich wieder die enorm hohe Miete aus den Rippen leiern zu müssen (Ich will gar nicht erst davon sprechen, wieso nicht all die Leute, die sich über zu hohe Mieten beschweren, einfach wieder bei ihren Eltern einziehen. Nein, das ist kein weiterer Artikel über die ach so böse Gentrifizierung). Meine Mutter lebt glücklicherweise nicht so weit weg. Ich habe meine volle Kaution wiederbekommen, und endlich hatte ich das Geld zum Sparen und musste es nicht schon wieder für eine neue Kaution hinterlegen. Klar ist auch, dass 200 Kilometer fernab einer Großstadt zu leben, auch nicht wirklich eine Option ist. Aber zurück in deine Heimatstadt zu gehen und dort für ein paar Monate zu arbeiten, damit du dir eine Rücklage aufbauen kannst, ist nicht so deprimierend und beschissen, wie du vielleicht denkst.

Glaube es mir oder auch nicht, aber wieder bei deinen Eltern einzuziehen, ist nicht das Schrecklichste und stürzt dich auch in keine Identitätskrise. Deinen Job zu kündigen, ist viel schlimmer. Wir sprechen hier von dem Job, von dem du schon als Teenagerin geträumt hast; der Job, auf den du dein ganzes Leben hingearbeitet hast; der Job, von dem du zuerst gar nicht glauben konntest, das du ihn bekommen hast; der Job, für den Millionen anderer Mädchen töten würden. Das Dumme ist nur: Was du als Erwachsene willst, ist nicht immer dasselbe wie das, was du als Teenie wolltest. Wichtig ist auch, dass du dir eingestehst, dass sich deine Vorlieben ändern und es vielleicht etwas Anderes gibt, was du tun willst. Du kannst zurück an die Uni gehen und auf ein ganz anderes Ziel hinarbeiten; du kannst ins Ausland gehen und erst mal ein Jahr lang nur reisen; du kannst in Mutterschutz gehen und ein Kind bekommen. Auch wenn du es nicht glaubst, aber bei der Mehrheit von Leuten, die ich kenne, die den Schritt gegangen sind und die dann wieder in ihr altes Leben zurück wollten, hat das auch geklappt. Und es hatte sich nicht viel geändert. Zwar ist es vielleicht nicht möglich, genau wieder dahin zu kommen, wo du vorher warst, du hast es aber als Station in deinem Lebenslauf. Wenn du deine Meinung wieder ändern solltest, dann stehen die Chancen gut, dass sich die Branche, in der du tätig warst, nicht groß verändert hat.

Ich verlasse einen Job, bei dem ich beste Zeit meines Lebens hatte, um etwas zu tun, von dem ich weiß, dass ich erst glücklich sein kann, wenn ich es getan habe. Ein Wort an diejenigen, die vom Scheinjetset auf Instagram geblendet sind: Es gibt mehr auf der Welt zu sehen, als irgendwelche Selfies am Strand; es gibt da draußen Jobs, von denen du noch nicht mal wusstest, dass es sie überhaupt gibt; Erfahrungen, die dein Leben verändern können und Lebensweisen, die du in deinen kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten hast. Nur weil du in diese Art von Leben hineingeboren wurdest, heißt das nicht, dass es auch das Leben für dich sein muss. Du kannst es nur herausfinden, wenn du es auch ausprobierst. Dein altes Leben wird immer da sein, wenn du überhaupt dorthin zurückkehren möchtest. Wenn du Shoshanna von Girls oder diese Katze sein solltest, dann besteht die Lösung für deine Probleme nicht darin, vor deinen Problemen wegzulaufen oder plötzlich auf dem Weg zur Arbeit durchzubrennen und irgendwo ein neues Leben zu beginnen. Für alle anderen gilt: YOLO. Wieso solltest du nicht gleichzeitig deine Träume verwirklichen können und dabei so viel Spaß wie möglich haben?

Tagged:
Kultur
Reisen
lifestylecoaching