für bernhard willhelm gehört die freiheit den narren

Im MOCA ist zur Zeit die Ausstellung „When Fashion Show The Danger Then Fashion is The Danger“ von Bernhard Willhelm zu sehen. Wir sprachen mit dem extravaganten Deutschen darüber, wann Mode gefährlich wird.

|
Feb. 9 2015, 3:30pm

Seit Bernhard Willhelm 1999 seine erste Kollektion in Paris präsentierte, „bewegt er sich zwischen Chaos und Vielfalt" und entwirft verrückte, bunte Kollektionen. Er scheut nie vor Experimenten zurück und hat auch keine Angst, also Branchenclown gesehen zu werden. Für Bernhard gehört die Freiheit sprichwörtlich den Narren und der Hofnarr ist der einzige, der dem König die Wahrheit sagen kann. Vor noch gar nicht so langem haben der Designer und seine langjährige Kollaborateurin Jutta Kraus ihr Pariser Atelier gegen die Hollywood Hills eingetauscht. Es ist eine gute Zeit, um in der Stadt der Engel zu sein, zeigt doch Tom Ford dort seine Womenswear und auch Saint Laurents Hedi Slimane nennt die Stadt seine Heimat. In der gerade laufenden Ausstellung im Museum of Contemporary Art im Pacific Design Center gibt es skulpturale Mode-Installationen, die Video, Fotografie und Objekte beinhalten, zu sehen. Es ist eine Meditation über die Zukunft des Kommerz, eine Antwort auf die Uniformität von Mode im 21. Jahrhundert und ein Ausblick auf die Modeerfahrung im 22. Jahrhundert.

Was werden wir in der Ausstellung sehen?
Wir zeigen eine neue Kollektion. Die Ausstellung hat nichts mit der Vergangenheit zu tun und ist äußerst zukunftsorientiert. Der Ausstellungstitel When Fashion Shows The Danger Then Fashion Is The Danger redet über Mode-Konsum, darüber was Mode und Kunst sein können sowie über die Verbindung von Sexualität und Mode. Die Arbeit ist auf eine abstrakte Art und Weise ein Strukturexperiment und nicht auf irgendeiner Geschichte aufgebaut. Sie basiert auf Konturen und Formen. Man wird Mannequins mit Kleidung, Filme und Bilder sehen. Außerdem kann man im Museumshop eine Auswahl an Mode, Accessoires, T-Shirts, sexy Lycra-Mode und Spanking-Paddel kaufen. Es ist eine lustige Auswahl an Kinkiness aus der Bernhard-Willhelm-Welt.

Also hinterfragst du eher die Uniformität von Konsum als Konsum selbst?
Ja, als Europäer in Amerika finde ich es wahnsinnig schockierend, wie früh Kinder hier lernen, wie man was konsumiert. Zum Beispiel die American-Girl-Puppe, die man nach seinen Vorstellungen gestalten kann, die aber, wenn man genauer hinschaut, wie eine Stepford-Wife aussieht. Es gibt all diese beängstigenden Elemente in der Mainstreamkultur der 5- oder 10-Jährigen. Auch die Schwulen-Kultur hier in L.A. ist komisch. Hier gibt es Schwule, die super Mainstream sind, obwohl man sich etwas anderes erwarten würde. Es ist interessant, dass niemand irgendwas hinterfragt.

Der Mangel an Kreativität beim Konsum stört dich also?
Die Frage ist doch, wieso jeder dieselben Dinge will, wie Abercrombie & Fitch oder Starbucks. Leute unterwerfen sich gerne Konformität. Interessantes Beispiel ist der New Look der Nachkriegszeit von Christian Dior, der auf das 18. Jahrhundert zurückgeht: Man steckte eine Frau in ein Korsett und machte sie einfach zum Objekt für den Mann. Es ist schockierend, wie schnell Frauen diese Rolle akzeptiert haben. Wenn man sich heutzutage den Hollywood-Glamour, siehe Oscars, anschaut, dann gibt es diese Looks noch immer auf dem roten Teppich. Auf der einen Seite ist die Frau stark und berufstätig und auf der anderen Seite will genau diese Frau zum Objekt gemacht werden und sich wie eine Puppe anziehen. 

Die Promobilder für MOCA-Ausstellung sind auch sehr interessant. Du bist in blauen Lederunterhosen zu sehen.
Ich bin nicht der einzige Schwule im Dorf! Ich mag Leder einfach. Es ist gut, wenn man seine feminine Seite entdeckt, wie Bruce Jenner, und es ist gut, wenn ein Designer sein Image auf unterschiedliche Art und Weise präsentiert. In den letzten zehn Jahren sind alle zu sehr auf Nummer sicher gegangen. Ich möchte das ändern. 

Ich mag deine Idee, dass den Narren die Freiheit gehört. Du sagtest bereits, dass nur der Hofnarr dem König die Wahrheit sagen kann.
Schönheit ist Wahrheit, die Wahrheit selbst kann aber hässlich sein. Wenn man zur hässlichen Wahrheit ein bisschen Witz hinzufügt, dann kommt man der Bernhard-Willhelm-Welt sehr nah. Die Welt braucht Witz, jetzt mehr als je zuvor. Mein Büro ist immer noch in Paris - was bei Charlie Hebdo passiert ist, war auch ein Mangel an Humor und basierte auf Missverständnissen. Es ist unbegreiflich, dass man sich aufgrund von verschiedenen Meinungen umbringt.

Wie alt warst du, als du beschlossen hast, das Mode dein Ausdrucks-Medium sein wird?
Ich denke schon immer, vielleicht auch erst seit meinem Studium. Wir wollten mit unserer Sexualität experimentieren. Man muss auch die andere Seite sehen, da Mode unglaublich viel Arbeit ist. Wir fangen um 9 oder 10 an und arbeiten bis 19, 20, 21 Uhr. Es sieht nach Spaß aus, aber es ist auch sehr anstrengend.

Helmut Lang ist ein weiterer Designer, der sich der Kunstwelt zugewandt hat. Verbindet dich etwas mit ihm?
Ohne Helmut Lang gäbe es kein Céline, keinen Raf. Er hat es richtig gemacht: Er hat seine Firma für viel Geld verkauft und hat jetzt die Ressourcen, um nicht mehr wirklich arbeiten zu müssen. Ich habe von Leuten aus verschiedenen Modehäusern gehört, dass dort Stücke von Helmut Lang hängen und darauf warten, kopiert zu werden.

Was hältst du von seine Kunst?
Hedi und er sind Teil einer bestimmen Kunstszene. Ich möchte nicht beurteilen, ob es funktioniert oder nicht. Es ist einfach OK.

Du hast jetzt den Namenszusatz „3000". Ist das nur eine futuristische Nummer oder verbindet dich etwas mit André 3000?
Ich bin ein großer Fan von André 3000. Ich möchte ihn für die Oscars einkleiden.

Die Ausstellung When Fashion Shows The Danger Then Fashion Is The Danger, Bernhard Willhelm and Jutta Kraus. 3000. ist bis zum 17. Mai im MOCA Pacific Design Center in Los Angeles zu sehen. 

Credits


Text und Interview: Stuart Brumfitt
Porträt: Daniel Trese
Foto: Josh Paul Thomas