subkulturen haben die mode fest in der hand

Von Nasir bis Gosha, von Hedi bis Hood by Air - für Heerscharen von treuen Fans bildet die Mode dieser Designer ein Erkennungsmerkmal für ihre subkulturelle Gruppenzugehörigkeit.

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Feb. 2 2015, 11:00am

Nasir Mazhar spring/summer 15

Historisch betrachtet war Mode schon immer identitätsstiftend und -prägend. Sie trägt entscheidend zu unserer Identitätsbildung bei und ist die Hülle, die Geisteshaltungen zum Ausdruck bringt. Die daraus entwickelten Looks binden uns an verschiedene kulturelle Familien. Von Greasern und Grungern, von Mods bis Metal Heads - Subkulturen waren immer an ihrem Stil erkennbar und haben sich durch die Mode, die sie tragen, definiert. Auf den ersten Blick scheinen diese Gruppen im 21. Jahrhundert verschwunden zu sein. Während Doc-Martins-Stiefel oder Paisley-Hosen mit Prints schon lange nicht mehr zur Sub reichen, schafften es junge kultige Menswear Brands im letzten Jahr uns wieder ein Gefühl von Underground zu vermitteln. 

In seinem Buch Plenitude - Culture by Commotion argumentiert Grant McCracken, dass „man in den Fünfzigern entweder Mainstream oder James Dean war." Das ist jedoch nicht länger der Fall. Das Oder gibt es heutzutage nicht mehr und die Möglichkeiten haben sich ins Unendliche gesteigert - wir können aus tausenden Referenzen wählen. Wer sind die Helden unserer Generation? Sind sie Künstler? Musiker? Designer? Politiker? Es ist ganz einfach: Sie kommen aus allen Bereichen.

Saint Laurent Paris Autumn / Winter 15

Eine Subkultur ist eine Untergruppe einer Kultur, die sich von den Normen und Werten des Mainstreams abgrenzt. Heutzutage geht es jedoch nicht mehr länger darum, sich nur als Teil einer Gruppe zu identifizieren, sondern sich komplett als Individuum innerhalb dieser zu etablieren. So klischeebeladen es auch klingen mag, aber in den Nullerjahren des 21. Jahrhunderts war es cool, uncool zu sein - die Hipstermentalität. Wir müssen nicht länger James Dean oder Mainstream sein, sondern können viele Identitäten annehmen, was dazu führt, dass es immer unklarer wird, um was für eine Art Widerstand es letztendlich geht. Die kulturelle Reizüberflutung hat zu einem Zusammenschluss von Stil und Mode geführt, der in Form von Instagrammen, Retweeten und der #TBT-Kultur geteilt wird. Eine Kultur des Borgens, Stehlens und Zusammenfügens in einem fieberhaften Kampf um (Un)Coolheit. 

Aber sind wir nicht alle ein wenig von den Hipstern gelangweilt? Bärte werden abrasiert, Socken wieder angezogen und Privatpartys durch Clubnächte ersetzt. Individualismus kann manchmal ein bisschen langweilig und einsam sein, oder? Deshalb wird der wieder durch Subkulturen ersetzt, die an unsere moderne Denkweise angepasst sind. Wie wir uns kleiden, wird zu gleichen Teilen von der Straße als auch von High Fashion beeinflusst. Labels, die den Spagat zwischen Streetwear und High Fashion schaffen, machen nicht nur Geld, sondern definieren auch unsere Generation.

Ein offensichtliches Beispiel dafür ist Hedi Slimanes Saint Laurent, das regelmäßig Subkulturen wie Rock, Goth, Punk und Ska auf die Pariser Laufstege holt. Die Reisverschlussdetails, enge Hosen und schmale Krawatten sind wiedererkennbare Merkmale des Stils. Künstler, Musiker und Designer vereinen sich und stellen als Team gemeinsam die Saint Laurent Show auf die Beine. Bei Slimane triumphiert die Subkultur über den Mainstream. Und deshalb kommen diese Basics mit einem saftigen Preis.

Gosha Rubchinskiy Autumn / Winter 15

Wären wir uns nicht alle Saint Laurent Chucks leisten können, kommt die wirkliche Revolution von Labels wie Hood By Air, Gosha Rubchinskiy und Nasir Mazhar. Sie sind es, die die Straße und High Fashion zusammenbringen und beziehen sich auf kulturelle Themen, deren Relevanz in der Mode noch diskutiert werden muss. Das ist Authentizität in Höchstform und das ist genau das, was diesen Marken Heerscharen von treuen Fans bringt. Sie tragen Uniformen, sind eine Armee und knüpfen an die Zeit an, als sich Subkulturen über ihren Stil, ihre Mode, definiert haben.

Shayne Olivers Label Hood by Air (HBA) ist seit 2006 überproportional schnell gewachsen und war diese Saison Special Guest bei der Pitti Uomo 87 in Florenz. Oliver und seine Zeitgenossen haben es geschaffen authentische Mode zu schaffen, die Untergrund-Bewegungen berührt, ob es sich nun ums HBA-Geschlechterrollen-Spiel, die Sankt Petersburger Skat-Parks-Jungs oder Nasirs Models in Jogginganzügen handelt. Es wäre zu einfach, dieses Label als Streetwear zu bezeichnen. Die Designer entwerfen die Uniformen, durch die sich die Leute auf der Straße zueinander zugehörig fühlen.

Aber warum gerade jetzt? Warum werden diese Brands nun gehypt? Warum wird die Subkultur plötzlich wieder Mainstream? Lasst uns wieder an den Anfang zurückgehen: In den Fünfzigern war man entweder Mainstream oder James Dean. In unserer Welt, die so vielfältig und schnell geworden ist, die alles akzeptiert und von Ausdruck, Fast Fashion und Technologie bestimmt ist, gibt es vielleicht wieder ein Bedürfnis nach Gruppen, durch die wir uns definieren können. Entscheidend ist dabei Authentizität: Teil einer neuen, authentischen Gruppierungen zu sein, die gleichdenkende Leute vereinen. Sind Subkulturen nicht überhaupt erst durch ihre Authentizität entstanden?

Hood by Air Autumn / Winter 15

Credits


Text: Greg French
Foto: Piczo
Laufstegfotos: Mitchell Sams