wie die popmusik für die besten fashion-momente der 2000er gesorgt hat

Musikvideos erlauben einen ungestörten und konzentrierten Blick auf die Trends und unsere Befindlichkeiten am Anfang des neuen Jahrtausends. Viel Spaß!

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01 Juli 2016, 9:55am

Screengrab via YouTube

Mode war schon immer die Kunst der kleinen Leute. Wir drücken durch sie nicht nur unsere Persönlichkeit aus, sondern sie dient auch das Spiegelbild der Gesellschaft. Mit dem, was wir tragen, zeigen wir was wir gut finden und wie es uns geht. Wenn wir einen Blick in die jüngste Vergangenheit werfen, dann sind Musikvideos gute Indikatoren dafür, welche Trends wachsen und dann wieder abflachen. Und ja die Musik ist dann auch meistens ziemlich OK. 

Der Millennium-Bug und der Aufstieg der Maschinen
Die Welt am Ende des 20. Jahrhunderts: ein fürchterlicher Ort. Die Leute horten Wasser, Computer haben die Kontrolle übernommen und Musikvideos wurden zu Fenstern unserer eigenen Ängste. Es wird ziemlich schnell klar, dass die Erde kein besonders netter Ort ist, wenn wir uns die Videos anschauen, die im Weltall spielen, oder unsere Vorliebe für metallfarbene Tracksuits.

Während wir leicht nervös auf die Zukunft schauten, konnten wir uns danke Der Matrix auf die Outfits freuen. Highlights waren „No Scrubs" von TLC, die uns vor kranken Typen gewarnt haben und gleichzeitig Wearables vorausgesagt haben. Und nicht zu vergessen, die Backstreet Boys mit „Larger Than Life".

Aber der größte Shoutout geht an Jessica Simpson und ihrem wenig beachteten Klassiker „Irresistible". Jede Popprinzessin, die sich als sexuelle Frau mit blondierten Strähnen und einem spanischen Beat neu erfinden will, muss erwähnt werden. Entschuldigung, aber wer ein Lederoutfit in einer futuristischen Stadt (Bevölkerung: Ninjas) tragen kann, der kombiniert zu viele der kulturellen Obsessionen des Jahres 2002, um nicht erwähnt zu werden.

Die Entstehung der globalen Welt
Als aus dem Internet etwas wurde, was nicht nur in Welt der Wunder bekannt war, sondern etwas, ohne das wir nicht mehr leben können, veränderten sich viele Dinge. Die Leute benutzen Begriffe wie „die Welt rückt enger zusammen" oder „globales Dorf". Mit dem ganzen Informationsüberfluss umzugehen, dauerte dann aber auch seine Zeit. Das wird an der ganzen Debatte um kulturelle Aneignung deutlich. Heute diskutieren wir über Kim Kardashians Boxer-Braids und feiern Prada dafür, dass das Modehaus mit seiner Kollektion die Flüchtlingskrise thematisiert. So differenziert sah es aber nicht immer aus. Gwen Stefani ist zum warnenden Beispiel dafür geworden, wie der falsche Umgang mit der Herkunft anderer Menschen aussieht. Als das Musikvideo zu „Love. Angel. Music. Baby." 2014 sein zehnjährige Jubiläum gefeiert hat, erinnerten sich die Kollegen von VICE an das „rassistsche Pop-Frankenstein. Die Frontfrau von No Doubt war zwar die Einzige, die sich selbst mit stummen, unterwürfigen Asiatinnen geschmückt hat, aber sie war mitnichten die Einzige, die die Harajuku-Kultur zum Fetisch erhoben hat. 

Bevor es „gesundsheitsbewusst" gab, gab es „sex-ercise" 
Nachdem für diesen Artikel unzählige Musikvideos angeschaut wurden, zeigt sich dieser Trend in Low-cut-Jeans, knappen Oberteilen und dem Fakt, dass so ziemlich alles mit Korsetts kombiniert wurde. Heutzutage sind die Grenzen zwischen Mode und Sport fließend, ob es nun Lifestyle-Wear, Athleisure-Wear oder Sports Luxe genannt wird, der Trend ist damals entstanden, als wir genauso neu und unverbraucht waren wie das neue Jahrtausend sein wollten. Raw-Food war noch revolutionär und das Verlangen nach kalt gepressten Säften noch stark: Unsere Vorliebe für die hypersexuellen 80er blieb. Erinnere dich nur an Eric Prydz' „Call on Me", Madonnas „Hung up" oder Goldfrapps „Alive". Unser Favorit in Sachen Gesundheitsbewusstsein ist Kanye Wests „The New Workout Plan". Wer kann schon nein zu Kanyes Lächeln sagen?

Die Göre vor der Feminismus-Welle
Als Avril Lavigne 2002 „Sk8er Boi" veröffentlichte, wurde das Dickies-Cap und die T-Shirt nur von den wenigstens als Versuch, bestehende Geschlechternormen infrage zu stellen, gewertet. Wenn man aber bedenkt, dass sie in einer sehr bro-lastigen Szene, dem Pop Punk, unterwegs war, muss man ihr den Versuch schon anrechnen. Natürlich war Avrils Gender-Game nicht so auf der Höhe wie Alessandro Micheles und in der Hymne der verzogenen Gören bitcht zu viel über andere Frauen, um als Feminismus-Ikone gelten zu können, aber ihre Ich-kann-alles-was-Jungs-auch-können-Einstellung macht sie mit Sicherheit zu Vorläufern von Carly Rae Jepsen oder Taylor Swift. Nur mit mehr Eyeliner.

Credits


Text: Wendy Syfret