die wundervolle welt von bruce weber

In einem Auszug aus der neuen Ausgabe des HUMANITY Magazine, erinnert sich Dibi Fletcher an ihre Zeit mit dem bekannten Fotografen.

von Dibi Fletcher
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05 Februar 2016, 9:35am

Es war im Herbst 1989 in San Clemente, als mich jemand in meinem Büro anrief und wissen wollte, ob Christian Fletcher für ein Shoot für Interview mit dem Modefotografen Bruce Weber zur Verfügung stehen würde. Das war lange bevor jedes Surfunternehmen und jeder Surfer jedes Jahr an die Ostküste zur sommerliche Plauderrunde kam. Die Presse hatte schon viel über Christian geschrieben, viele nicht sehr viel gutes. Wir haben an Wave Warriors, Astrodeck und Christian Flechter Clothing gearbeitet und steckten in den Vorbereitungen für North Shore. Wir dachten uns: wieso nicht? Denn was würde schon ein kleiner Beitrag in einem Andy Warhols Magazin schaden, das längst zur Pflichtlektüre der New Yorker Szene gehörte? Ein guter Fit für den respektlosen, dreisten und angemessen unangemessenen Teenie-Surfstar. Ein Termin wurde ausgemacht. Das Shoot sollte bei uns zu Hause stattfinden, was zufällig neben Präsident Nixons Anwesen La Casa Pacifica lag. Bruce entging die Ironie natürlich nicht.

Er kam mit ein paar Assistenten, Stylisten und Hairstylisten, einer Entourage von ungefähr zehn Personen. Er war wirklich liebenswürdig und hat uns von gemeinsamen Bekannten erzählt, die er im Laufe der Jahre fotografiert hatte. Sein Wissen und seine Begeisterung für die Surferszene war einfach fantastisch. Was als Kleinigkeit anfing, entwickelte sich zu den „Flying Fletchers" und zu einer Freundschaft, die seit Jahrzehnten persönliche Höhen und Tiefen überdauert hat. Durch die Tiefen habe ich wahrscheinlich erst richtig begriffen, was für ein toller und begnadeter Mensch Bruce ist.

Er hat ein außergewöhnliches Auge für Talente, und ich meine das nicht nur oberflächlich, auch wenn es natürlich keinen Zweifel an seinem Auge dafür gibt. Er sieht etwas in Menschen. Durch sein ehrlich gemeintes Interesse und seine Freude an Entdeckungen öffnen sich auch die Zurückhaltendsten und vertrauen ihm, ohne Angst, dass dieses Vertrauen missbraucht wird oder sie auf irgendeine Art und Weise vorgeführt werden. Das ist eine seltene Gabe, wahrhaft an anderen Menschen interessiert zu sein, und ich glaube, das findet sich in all seinen Arbeiten wieder, ob es sich dabei um professionelle Shoots handelt oder persönliche Projekte wie der Film A Letter to True, ein Liebesbeweis an seinen Hund nach 9/11 und ein Vehikel für seine Trauer über den Verlust von so vielen Leben. Seine Fähigkeit, das Außergewöhnliche in Dingen zu entdecken, die die meisten nur im Vorbeigehen betrachten würden und als gewöhnlich abtun, ist bemerkenswert. Seine Arbeiten zeichnen sich besonders dadurch aus, dass sie dem Betrachter ermöglichen, die Welt durch sein trainiertes Auge wahrzunehmen; eine Welt, die immer noch Gefallen an Neuem findet. Angefangen bei seinen bekannten Kampagnenfotos eines durchtrainierten Olympioniken in Calvin-Klein-Unterwäsche bis hin zum intimen Einblick in das Leben seiner langjährigen Freundin Elizabeth Taylor-zu Hause, mit Lockenwicklern. Jedes Motiv geht er mit einer Detailgenauigkeit an, die fast skulptural erscheint.

Ich hatte die Ehre, mit ihm an mehreren Projekten zusammenarbeiten zu dürfen, vom Versace-Shooting in den Florida Keys und Kampagnen für Abercrombie&Fitch am Strand des Hauses meiner Eltern bis hin zu den Surfern an der Nordküste für L'Uomo Vogue und einer neuen Ausgabe der All American-Buchreihe. Dadurch haben wir viel Zeit miteinander verbracht. Viele seiner Freunde, die ich getroffen habe und die jetzt auch mehr als Bekannte für mich sind, stammen noch aus seinen Kindheitstagen und aus den Anfangszeiten seiner Karriere. Es gibt nie einen Moment, in dem er unerreichbar ist, und wenn doch, dann ruft er immer zurück, auch wenn er meistens lange Arbeitstage von 4:30 Uhr bis 20 Uhr hat. Er isst etwas und erzählt dann, was am Tag passiert ist, bevor er sich für die Fotobearbeitung zurückzieht. Bevor er ins Bett geht, ruft er Freunde an, die sich über seine beruhigende Stimme und Worte am Abend freuen, und am nächsten Tag geht alles wieder von vorne los.

Seine Großzügigkeit kennt keine Grenzen und eigentlich gibt es an Nans Geburtstag—seiner Frau und Partnerin seit mehr als 25 Jahren—immer ein Zusammentreffen von 50 engen Freunden und Nachbarn. An jedes kleinste Detail wird gedacht. Der Vollmond funkelt im Wasser und Eartha Kitt sitzt am Klavier und singt „Happy Birthday".

Für ein paar Tage zu Gast in der Welt von Bruce Weber zu sein, egal wo in der Welt das auch sein mag, war etwas, was ich mir nie hätte vorstellen können. Überall gibt es Bücher über jedes erdenkliche Thema und in der Luft liegt ein stetiger Duft von Blumen. Die Bettwäsche ist so weiß und sauber, dass sie an der sonnendurchfluteten Luft getrocknet sein muss. Wunderschöne, handgefertigte Möbelstücke, Pullover, Teppiche und Werkzeugkoffer waren schon Sets für die atemberaubendsten Fotoreihen. Die Behauptung, dass ich vor Ehrfurcht erstarren könne, wäre und ist eine Untertreibung-ich hatte noch nie so etwas Schönes gesehen. 

Ständig spendet er, unterstützt fast jedes Tierheim, macht aus Unbekannten Stars und verbringt seine freien Momente damit, seine fünf blonden Schönheiten zu fotografieren: seine preisgekrönten Golden Retriever und als Kontrast einen schwarzen Mischling aus dem Tierheim.
Das ist Bruce Weber, wie ich ihn kenne und mein Leben wurde durch unsere Freundschaft auf so vielen Ebenen bereichert.

Auszug aus der achten Ausgabe des HUMANITY Magazine-gibts hier zu kaufen.

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Credits


Text: Dibi Fletcher (Auszug aus HUMANITY MAGAZINE)
Fotos: Bruce Weber

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