Pixie wears Jacket Martine Rose. T-shirt Stüssy.

auf pixie geldofs neuem album wird es ganz persönlich

Pixie Geldof hat während der letzten fünf Jahre ihr Herzblut in die Entstehung ihres Debütalbums „I’m Yours“ gesteckt. Von fröhlichen Country-Songs bis hin zu melancholischem Dream Pop ist alles dabei—dieses Mal wird’s persönlich.

von Frankie Dunn
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04 Oktober 2016, 9:00am

Pixie wears Jacket Martine Rose. T-shirt Stüssy.

Ein Mensch kann im Durchschnitt 30 Sekunden lang die Luft anhalten. Pixie Geldof kann das 2 Minuten und 46 Sekunden lang. Schon als Kind hat sie das Meer geliebt, und vor Kurzem hat sie in einem trüben See in Bath einen Schein im Apnoetauchen gemacht. „Ich wollte immer ein Fisch sein", sagt die 25-Jährige. Sie hatte gehofft, dass ihre Unterwasser-Atemtechnik ihre Stimme verbessern würde—bisher hat sie das aber nicht. „Aber vielleicht werde ich es eines Tages schaffen und einen richtig langen Ton hinbekommen."

Pixie hätte zu unserem Treffen locker in ihrem Tauchanzug kommen können, denn es regnet mal wieder in London und sie hat patschnasse Haare. Trotzdem hat sie ein Lächeln auf den Lippen und entschuldigt sich erstmal, dass sie spät dran ist. Es habe viel Verkehr gegeben, aber mit ihrem Audiobuch Harry Potter und der Halbblutprinz hat sie an ihrem Lieblingsort das Beste daraus gemacht. „Ich liebe es, Auto zu fahren—es ist meine Lieblingsbeschäftigung. Es beruhigt mich immer total." Wenn sie in L.A. ist, hört sie unterwegs aber lieber poppige Country-Musik. Ende 2015 hat sie drei Monate in den Staaten verbracht und zusammen mit dem Grammy-nominierten Produzenten Tony Hoffer ihr Debütalbum I'm Yours aufgenommen, ein Album, an dem sie in den letzten fünf Jahren still und heimlich geschrieben hat. Sie findet L.A. extrem inspirierend, weil man „entweder oben in den Bergen oder unten am Meer ist—es ist fantastisch."

Cardigan: Miu Miu. Jeans: Aries.

In den Songs geht es um alle Menschen, die Pixie liebt. I'm Yours ist ein beeindruckendes Debütalbum, das sich von fröhlichen Country-Liedern zum Mitsingen zu melancholischem Dream Pop entwickelt, den Pixie mit ihrer verführerischen, rauchigen Stimme begleitet. Es ist sanft und ehrlich, sodass sich das Warten definitiv gelohnt hat. Mit Songs wie „Close to You" und dem Titelsong „I'm Yours" kommt man schnell darauf, dass Pixie verliebt ist. Sie ist bereits seit sechs Jahren mit ihrem Freund, dem Musiker George Barnett, zusammen. Die beiden wohnen gemeinsam in einem Haus in London. Alle Wände wurden pink angestrichen, die Wände ihres Schlafzimmers sind neuerdings dunkelgrün. Doch wie Pixie nur all zu gut weiß, ist das Leben nicht immer bunt; mit der Liebe geht auch immer der Schmerz und Verlust einher, und dieses Gefühl der Melancholie zieht sich auf wunderschön traurige Weise durch das ganze Album. Erst vor zwei Jahren ist ihre ältere Schwester Peaches plötzlich verstorben—ein Thema, das sie in dem Lied „Twin Thing" anspricht; es ist ein wunderschöner und gleichzeitig extrem trauriger Song, der im Stil von CocoRosie beginnt und einen herzzerreißende Textzeile hat: „I wish I'd known you like my own skin, so I could feel the hurt you were in… wherever you are going, hope it's heavenly to you forever."

In einer Welt, in der die Medien von Stars besessen sind und in jedes von ihnen ausgesprochene Wort ganze Bände interpretieren, muss es für Pixie schwer gewesen sein, ihre tiefsten Gefühle in den Songtexten mit der ganzen Welt zu teilen. „Nachdem ich ein paar der Lieder bereits aufgenommen hatte, dachte ich mir schon manchmal: 'Fuck, das ist echt … , sie hält kurz inne und schluckt, „heftig. Und wenn es für mich schon so intensiv ist, dann ist es wahrscheinlich für jemand anderen auch ähnlich. Ich versuche, nicht daran zu denken, was die Leute in die Texte reininterpretieren werden, denn wenn es auch jemanden gibt, der etwas ähnliches erlebt hat wie ich, der sich mit den Inhalten identifizieren kann, dann ist es das wert."

Anzug: Ashley Williams. T-Shirt: Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood.

Trost findet Pixie in Kris Kristoffersons „Nobody Wins". „Das ist einer dieser Songs, die ich auf jede Situation, die mich ärgert, beziehen kann. Es ist ein trauriges, aber dennoch beruhigendes Lied. Es bringt mich zum Träumen. Es ist echt gut." Obwohl sie auch das Songwriting beruhigend findet, gehört sie nicht zu den Musikern, die sich in schwierigen Zeiten zurückziehen und ihre Verzweiflung zu Papier bringen. „Es muss einige Zeit vergehen, damit ich auf bestimmte Ereignisse zurückblicken kann", erklärt sie uns. „Somit habe ich Zeit, meinen Frieden mit den Dingen, über die ich schreiben will, zu schließen, und ich finde, ein Song ist ein guter Schlussstrich … nicht für alles, aber für vieles." „Twin Thing" hat sie zum Beispiel an dem gleichen Tag wie den ähnlich berührenden Song „So Strong" geschrieben; ein Tag, an dem Pixie sehr schnell und sehr emotional" gewesen sei—„ein guter Tag", wie sie sagt. Der letzte Track des Albums ist ein Cover von „Wild Things Grow"; ein beeindruckender und insgesamt sehr viel positiverer Song, den sie bereits unter ihrem Künstlernamen Violet veröffentlicht hatte, und von dem sie von Anfang an wusste, dass er das Album abschließen würde. „Ich weiß auch nicht genau, warum. Er hat einfach etwas Endgültiges."

Nach der Veröffentlichung von I'm Yours freut sich Pixie darauf, wieder auf Tournee zu gehen: „Zumindest so sehr, wie sich jemand, der eigentlich keine Menschenmengen mag, auf sowas freuen kann", sagt sie und lacht. Sie träumt von einer abgedunkelten Bühne, auf der sie nur von den tanzenden Lichtern der Discokugeln beleuchtet wird. „Menschenmassen machen mich sehr nervös", gibt sie zu. Offensichtlich macht sie die Musik nicht wegen der Berühmtheit, den Interviews, den Auftritten und den Kritiken. „Man muss als Frau sehr stark sein; man muss etwas härter darum kämpfen, gehört zu werden, was echt komisch ist, vor allem, wenn man in einem sehr männerdominierten Bereich man selbst sein will."  

T-Shirt: Jacquemus.

Zum Glück hat sie eine Gruppe von Freundinnen, die sie unterstützen. „Jeder, der da rausgehen kann und zu 100 Prozent er selbst und ohne schlechtes Gewissen bizarr, stark, offen und wild sein kann, ist für mich eine echte Inspiration und jemand, den ich bewundere", sagt sie über Alexa Chung, Aimee Philips, Kate Bellm, Alex Brownsell, Ashley Williams und andere. „Sie sind alle so lustig und ich bin total gerne mit ihnen zusammen, weil es sich in ihrer Gesellschaft gut anfühlt, anders und ein wenig merkwürdig zu sein!" Was Pixie wohl nicht sieht, ist, dass sie selbst die Eigenschaften verkörpert, die sie bei ihren Freundinnen so bewundert. Sie hat eine unglaublich schwierige Zeit durchgemacht und macht trotzdem weiter und ist stärker, als je zuvor. Aus ihren Erfahrungen ist ein geniales, verträumtes Album entstanden, das mit Sicherheit ihren Rekord von 2 Minuten, 46 Sekunden brechen und den Zuhörern den Atem rauben wird.

Hier findest du alles aus unserer The Female Gaze Issue.

Credits


Text: Frankie Dunn
Fotos: Clare Shilland 
Styling: Danielle Emerson
Haare: Mari Ohashi / LGA management verwendet R+Co. 
Make-up: Ciara O'Shea / LGA management verwendet YSL Beauté. 
Fotoassistenz: Liam Hart.

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