was du schon immer über deine lieblingsmusikvideos aus den 90ern wissen wolltest

Vom gepunkteten Kleid von Gwen Stefani in „Don’t Speak“ bis zu den Anzügen in Nirvanas „In Bloom“ - Wir haben die Frau zum Interview getroffen, die den Look einer ganzen Generation beeinflusst hat: Kostümdesignerin Nancy Steiner.

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Dez. 13 2016, 9:02am

Im Laufe von drei Jahrzehnten als Kostümbildnerin hat Nancy Steiner, der Liebling der Indieszene, eine Menge Referenzen vorzuweisen. Sie ist die visionäre Kreative, die für einige der bekanntesten Kleidungsstücke der Popkultur verantwortlich ist, wie der Bodysuit von Abigail Breslin in Little Miss Sunshine, der Look der Lisbon-Schwester in The Virgin Suicides und die rosafarbene Perücke in Lost in Translation. Nancy Steiner wurde während des goldenen Zeitalters von Musikvideos groß und hat in den 90ern mit fast jeder bekannten Band zusammengearbeitet, die in unseren Kinder- und Teeniezimmern zu sehen war. Von Sheryl Crow bis zu den Smashing Pumpkins, von Nirvana bis No Doubt. Sie hat die Ästhetik einer ganzen Generation mit vielen mittlerweile zum Kult gewordenen Looks geprägt. Wir haben die bekannte Kostümdesignerin zu Hause in ihrem Studio in Silverlake getroffen und mit ihr über bekannte Musikvideos geplaudert.

The Smashing Pumpkins, „Tonight Tonight" (1995)

„Das gehört zu meinen Evergreens. Das Musikvideo ist ein historisches Kostümdrama, das viktorianische England nach George Méliès, der französische Filmemacher, der um die Jahrhundertwende und in den 20ern Maßstäbe gesetzt hat. Ich konnte daran außerdem mit meinen Freunden Jonathan Dayton und Valerie Faris zusammenarbeiten, sie haben auch schon bei Little Miss Sunshine Regie geführt. Ich habe die beiden mit 17 kennengelernt, noch bevor ich in dieser Branche angefangen habe. Und dann habe ich 1998 angefangen, mit ihnen Musikvideos zu drehen. Wir arbeiten schon so lange zusammen, an Musikvideos, Fernsehspots und Spielfilmen, sie sind schon wie eine Familie. Ich war in London, als ich den Anruf bekommen habe, dass sie mich engagieren. 'Wirst du dafür pünktlich wieder da sein?' Und ich habe nur geantwortet: 'Natürlich werde ich da sein, es ist zu fantastisch, um es zu verpassen'. Die Band so zu interpretieren, hat viel Spaß gemacht. An den Mondkostümen zu arbeiten war so kreativ und hat einfach gute Laune gemacht."

No Doubt, „Don't Speak" (1995)

„So habe ich mich damals angezogen. Gwen fand mein Outfit gut, hat damals aber keine Kleider getragen, sondern eher Jeans und Crop-Tops. Sophie Muller, die eine gute Freundin von Gwen ist und nicht nur bei diesem Video Regie geführt hat, sondern auch bei anderen, und ich haben entschieden, dass wir für dieses Video ein softeren und feminineren Vibe haben wollten. Wir haben sie davon überzeugt, dass sie das Kleid beim Dreh trägt, was sie auch getan hat und die Leute haben es geliebt. Ich habe früher mal gesagt, dass das Kleid aus meinem Kleiderschrank ist, kann es aber nicht mit letzter Sicherheit sagen, weil ich damals mehrere gepunktete Kleider hatte."

Nirvana, „In Bloom" (1992)

„Ich hatte so viel Glück, dass ich drei gleich aussehende Anzüge für die Bandmitglieder gefunden hatte, weil jeder eine andere Größe hat. Chris ist groß, Kurt ist klein und Dave dazwischen. Ich habe die Anzüge schließlich bei Western Costume bekommen, ein verdammt guter Store in North Hollywood. Ich habe da so oft Sachen für die verschiedensten Projekte gefunden."

Smashing Pumpkins, „33" (1995)

„Hier haben Billy Corgan und seine damalige Freundin Yelena Yemchuk, eine wirklich gute Fotografin, Regie geführt. Für jede Textzeile gab es ein anderes Szenario. Es gab ungefähr 25 Textzeilen und jede Szene war anders. Bei einigen haben wir uns auf die Worte im Text bezogen, wie „graceful swans" für die Frau mit den Flügeln. Alles andere waren einfach Bilderwelten, die wir gut fanden oder uns ausgedacht haben. Es hat so viel Spaß gemacht, es war so theatralisch und gut."

Björk, „Bachelorette" (1997)

„Die Zusammenarbeit mit Björk und Michel Gondry war so toll. Er hat so viel Talent und gehört zu den Menschen, in deren Kopf man nicht blicken kann, auch wenn ich jahrelang mit ihm gearbeitet habe und ihn sehr mag. Ich habe auch an seinem ersten Film Human Nature mitgewirkt. Es gab ein paar Optionen, was Björk tragen würde. Die Farbe hat dann letztlich den Ausschlag gegeben, damit sie in allen Szenen hervorsticht."

Credits


Text: Jane Helpern
Polaroids: Courtesy of and © Nancy Steiner