durch snapchat-filter können opfer von sexuellem missbrauch anonym ihre geschichten erzählen

Dass die Plattform mehr als für lustige Bildchen gut ist, hat eine indische Zeitung mit ihrer Berichterstattung über ein Projekt gegen sexuellen Missbrauch gezeigt. Statt über sie zu berichten, haben sie die jungen Frauen ermutigt, ihre Geschichten...

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Juli 12 2016, 1:25pm

Hindustan Times

Snapchat-Filter sorgen eigentlich nur für Schlagzeilen, wenn sie mal wieder für einen Blackface-, einen Whitewashing- oder einen Slut-Shaming-Skandal sorgen. Doch eine indische Zeitung setzt die Technologie nun für einen sehr guten Zweck ein. Hindustan Times hat vor Kurzem über eine Aktion gegen sexuellen Missbrauch in der Metropole Mysore berichtet und Snapchat dafür genutzt, damit Überlebende ihre Geschichten erzählen können, ohne ihre wahre Identität offenlegen zu müssen. In Indien sind laut der Hindustan Times die Zahlen über sexuellen Missbrauch erschreckend. Alle 22 Minuten findet eine Vergewaltigung statt. Die Mehrheit der Überlebenden sind Kinder oder Jugendliche. In den meisten Fällen sind die Täter unmittelbare Familienangehörige. Das macht es für die Opfer noch schwieriger, über das Erlebte zu sprechen.

Für die Climb Against Sexual Abuse genannte Kampagne haben 50 junge Leute die Chamundi-Hügel in Mysore erklommen-eine Metapher für die Überwindung der Tabus rund um sexuellen Missbrauch. Das Ganze hat der für Social Media zuständige Redakteur Yusuf Omar auf Snapchat festgehalten, der der Website journalism.co.uk sagte, dass es Snapchat für die Leute einfach gemacht habe, ihm zu vertrauen. „Ich dachte mir einfach, dass es einen einfachen Weg geben muss, um mit den neuen Technologien das Gesicht zu verbergen. Das war Snapchat", sagte er. „Mit einer Maske vor der Kamera zu stehen, hat ihnen ein Gefühl von Sicherheit gegeben, da man ihre Gesichter nicht sehen konnte. Im Gegensatz zum üblichen Verfahren, bei dem sie einem Journalisten vertrauen und sich darauf verlassen müssen, dass die Gesichter im Nachhinein unkenntlich gemacht werden. Sie haben das Geschehen kontrolliert."

Die Frauen durften selbst wählen, welche Filter sie benutzen. Dass der Drachenfilter so beliebt ist, ist für mehr als nur reiner Zufall. „Durch die FaceTime-Kamera hatten sie das Gefühl, in einen Spiegel zu schauen", sagte der Journalist. „Die Augen sind der Spiegel der Seele. Durch dieser Drachenfilter wird das noch mehr betont. Man kann immer noch klar ihren Gesichtsausdruck erkennen. Das Tabu, das sexuelle Gewalt umgibt, ist ein großes Problem, gerade hier in Indien. Hier wird Frauen oft vorgeworfen, dass sie lügen. Jetzt können junge Frauen ihre eigenen Geschichten selbst erzählen."

Social Media wird oft dafür kritisiert, dass sich Leute hinter einem Bildschirm verstecken. Doch in Ländern, in denen das Thema Sex tabuisiert ist, sind sie für die Leute, die ihre Geschichte über sexuellen Missbrauch erzählen möchten, sehr nützlich. Für Omar bietet Snapchat-und andere Plattformen-eine emotionalere Verbindung zu den Inhalten, die Sprache so nicht bieten kann. „Die meisten folgen auf Snapchat nur anderen und wollen wissen, wie sie mehr Follower gewinnen können", sagte er. „Doch die wenigsten begreifen, dass sich Snapchat sehr gut für die Herstellung von Inhalten eignet. Und das mit all den Features, die die digitalen Natives lieben: Filter, Auto-Play-Videos mit einer kurzen Beschreibung und Emojis, mit denen wir Emotionen ausdrücken können, für die uns die Worte fehlen."

Credits


Text: Hannah Ongley
Foto via Hindustan Times